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„Herr der Bälle“ : Deutschlands beste Minigolfer kämpfen um den Titel

  • -Aktualisiert am

Entscheidend ist das Material: Die Anlage des Mainzer Minigolf-Clubs. Bild: Marcus Kaufhold

Im Hartenbergpark in Mainz ermitteln die besten deutschen Minigolfer bis Samstag ihre Meister. Die Wahl des richtigen Materials kann dabei entscheidend sein.

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          Minigolf kann so funktionieren: Man geht auf eine entsprechende Anlage, lässt sich am Kassenhäuschen einen Ball und einen Schläger aushändigen, versucht 18 Mal, den Ball auf direktem Weg ins Loch zu befördern, scheitert mindestens 17 Mal kläglich, addiert am Ende die einzelnen Versuche zu einer höheren zweistelligen Zahl und geht wieder nach Hause. Das nennt sich Freizeitvergnügen.

          Minigolf kann aber auch so aussehen: Man steht morgens um 6 Uhr auf, weil man sich von 7 Uhr an warm schlagen will, bevor es um 8 Uhr losgeht und gegen 18 Uhr endet. Für jede Bahn, für jeden Belag benutzt man einen anderen Ball, der auch noch je nach Witterung variiert und entsprechend präpariert wird. Wenn es dumm läuft, benötigt man pro Bahn zwei Versuche. Meistens läuft es nicht dumm. Das nennt sich Sport.

          100 Akteure sind in Mainz dabei

          Ist Mini-Golf wirklich Sport? „Auf jeden Fall“, sagt Marcel Noack. „Für uns ist es der Sport schlechthin.“ Der 33 Jahre alte Mainzer ist einer des Besten seines Fachs, war unter anderem 2015 Weltmeister in der Disziplin „Strokeplay“ und gewann den WM-Titel mit der deutschen Mannschaft dreimal hintereinander in den Jahren 2013, 2015 und 2017. Noack gehört sowohl im Team als auch im Einzel zu den Favoriten bei den deutschen Meisterschaften, die seit Mittwoch an auf der Anlage des Minigolf-Clubs Mainz (MGC) im Hartenbergpark ausgetragen werden.

          Sechs Mannschaften bei den Männern, vier bei den Frauen, insgesamt 100 Akteure kämpfen bis Samstag um die Titel in insgesamt sechs Wettbewerben. Die Spitze ist eng beisammen. Trotzdem wäre es für die Gastgeber eine kleine Enttäuschung, sollten sie bei keiner der Siegerehrungen ganz oben stehen. Immerhin darf sich der Club als „erfolgreichster Mainzer Sportverein“ bezeichnen – was die Verantwortlichen auch gerne tun. Wer will es ihnen verdenken angesichts der kaum zu überblickenden Titelsammlung: 51 Mannschafts- und 63 Einzelmeister hat der Club seit 1975 hervorgebracht, dazu kommen drei Dutzend internationale Erfolge.

          Weltmeister: Marcel Noack ist auch bei der Minigolf-Meisterschaft in Mainz einer der Favoriten.
          Weltmeister: Marcel Noack ist auch bei der Minigolf-Meisterschaft in Mainz einer der Favoriten. : Bild: Marcus Kaufhold

          Nicht von ungefähr bezeichnete Simone Kohfeld, Präsidiumsmitglied des Deutschen Minigolfverbandes, den Mainzer Club bei der offiziellen Meisterschafts-Eröffnung als „Bollwerk des Deutschen Minigolfs“. Abgesehen von der sportlichen Qualität, zeichne der Verein sich seit Jahrzehnten durch ein außergewöhnliches Engagement, exzellente Jugendarbeit und vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit aus.

          Noack ist seit 22 Jahren dabei. Schon im Jugendalter genügte es ihm nicht, nur Bälle zu schlagen. Er interessierte sich früh dafür, wie sie sich unter welchen Bedingungen verhalten. Innerhalb des Vereins ist Noack so etwas wie der „Herr der Bälle“: Rund 2500 nennt er sein Eigen. „Wenn ich alle meine Bälle zum normalen Preis verkloppen würde, könnte ich mir davon ein Auto kaufen“, sagt Noack. Mit etwa 1000 rücke er zu einem Bundesligaspieltag an. „Ich weiß, dass damit die unterschiedlichen Segmente abgedeckt sind.“

          Ballkunde ist eine Wissenschaft für sich

          Mit Bällen kennt er sich aus. Mit kleinen, mittleren und großen, deren Durchmesser 38, 40 und 43 Millimeter beträgt. Mit Härtegraden, Sprunghöhen und Gewicht. Mit normalen glatt lackierten, rauh lackierten, denen ohne Lack und den griffigen. „Und dann muss ich abwägen, welche Lackierung und welche Oberfläche sich auf der Bahn so verhält, wie ich es in dem Moment brauche.“ Was davon abhängt, ob man auf den zwölf Meter langen Beton- oder den halb so langen Eternitbahnen spielt.

          Von der richtigen Temperatur des Balles und wie man sie erreicht ist noch die Rede: „Wenn die Hosentaschen nicht mehr ausreichen, um den Ball ausreichend zu erwärmen, packt der Mann ihn in eine Socke und steckt diese in die Unterhose – Frauen in den BH.“ Ballkunde ist eine Wissenschaft für sich, nicht jeder beherrscht sie so wie Noack. Zwei, drei Spieler benötige eine siebenköpfige Mannschaft, die sich intensiver mit dem Thema befassten. Dann sei es kein Problem, wenn andere nur spielen wollten. Nicht jeder verfügt über ein derart riesiges Sortiment. Nicole Gundert-Greiffendorf beispielsweise, die für die MGC-Frauen in der Bundesliga antritt, besitzt etwa 200 Bälle. „Da greift man im Wettkampf gerne auf Marcel zurück“, sagt sie.

          Freizeitspieler können sich bei jenen, die in den nächsten Tagen jeweils von 8 Uhr an im Hartenbergpark um Meisterehren kämpfen, noch etwas anderes abschauen: dass nämlich der direkte Weg nie der beste ist. Selbst wenn kein Hindernis zwischen Abschlag und Loch steht. „Bei uns geht es immer über die Bande“, sagt Noack. „Es ist einfacher, nach einem bis zwei Metern einen bestimmten Punkt an der Bande zu treffen, als nach zwölf Metern das Loch.“ Freilich sollte das mathematische Grundverständnis zumindest so stark ausgeprägt sein, dass der Spieler etwas mit der Formel „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ anfangen kann. Das muss man halt auch mal von Sportlern verlangen können.

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