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Minigolf in Rhein-Main : Wo die Bälle fliegen lernen

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Starker Schuss: Das Equipment für Minigolf kann man sich an den Plätzen leihen. Bild: Getty

Ferienspaß zuhause, und gerne mit den Kindern: Alex Westhoff rät zu Ausflügen mit sportlichen Zielen. Und entdeckt bei Minigolf und Fußballgolf das Abbild des Lebens auf schwierigen Bahnen.

          5 Min.

          Es gibt in Frankfurt einen Ort, einen begrünten Mikrokosmos, an dem man der deutschen Volksseele den Puls fühlen kann. Es ist Bahn 15 der Minigolf-Anlage an der Nidda. Wer sich dort mal einen Sonntagnachmittag lang aufhält, hat reichlich Stoff für eine soziologische Studie. Über kindliche Freude und über Versagensängste, über falsche Bescheidenheit, echte Schadenfreude und maskuline Angriffslust. Über die Überheblichkeit vor und die Kleinlautigkeit nach dem Versuch, diese Bahn zu bewältigen.

          Bei Bahn 15 ist das Ziel nicht das übliche kreisrunde Loch, in den es den Ball zu befördern gilt, sondern ein in der Luft hängendes Netz, das an einen Kescher erinnert. Um den Ball dort hinein zu schlagen, muss man ihn mit reichlich, aber nicht zu viel Schwung über eine Rampe schlagen, auf dass er sein Ziel im Fluge erreiche.

          Frankfurt hat ja ballsportlich viel zu bieten, aber in Sachen Minigolf zeigen sich Versorgungslücken. Gut, dass es die seit Anfang der 1960er Jahre bestehende, direkt am Nidda-Ufer gelegene Anlage gibt. Denn wer nicht auf futuristisches Schwarzlichtminigolf in dunklen Räumen (ein Anbieter auf der Berger Straße) steht und die etwas freudlosen Parcours im Palmengarten und in den Waldspielplätzen Scheerwald und Schwanheim nicht mitzählt, landet für eine klassische Partie dieses unverwüstlichen, seit Jahrzehnten unveränderten Spiels auf der Anlage im Stadtteil Heddernheim. Die 18 gepflegten Bahnen stehen dort in einem hübschen Gartenareal; an der Bude gibt es für die Kinder das unabdingbare Eis am Stiel vor und/oder nach dem Spiel; zwei ältere Herren lehnen ihre Schläger vor dem ersten Abschlag an eine Bank, nehmen noch ein Schlückchen ihres Zielwassers und heben freundlich ihre Fläschchen Bier zum Gruß.

          Immer mehr junge Leute auf der Bahn

          Vieles hier atmet den Charme der siebziger und achtziger Jahre, aber das macht auch die Liebenswürdigkeit dieses Ortes aus. „Briefmarkensammlung, Märklin-Modelleisenbahn, Minigolf“, sagt einer der vier Betreiber der Bahn und grinst dabei, in diese für Muff und Spießigkeit stehende Umgebung sei das Spiel auf Betonbahnen mit Stahlschläger und Kunststoffball doch stets einsortiert worden. Ein Spiel, bei dem nur Familien Auslauf für die Kinder suchen und Senioren die (Frei-)Zeit totschlagen? Die Betreiber der Heddernheimer Anlage beobachten schon eine Weile einen Wandel, der durch Corona noch mal erheblich verstärkt worden sei. Sehr viele junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren würden in diesen Wochen die Bahnen frequentieren.

          Und die Anlage bietet durchaus Chancen für das große Glück in Form eines Asses, des Bewältigens einer Bahn mit nur einem Schlag. Bahn vier, bei der man den Ball durch einen Looping schlagen muss, gehört nicht dazu. Auch Bahn sechs, bei der das Loch an einem Steilhang klebt, nicht. Wer wieder und wieder an dem „Vulkan“ scheitert – das Loch befindet sich am Ende einer schmalen, steilen Rampe –, fühlt das Schicksal des Sisyphos am eigenen Leib nach. Denn wenn man schon die schmale Rampe getroffen hat, wird der Ball, so scheint es, garantiert kurz vor dem Loch haltmachen und wieder an seinen Ausgangspunkt zurückrollen.

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