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Minigolf auf besonderen Bahnen : Einlochen in die Kloschüssel

  • -Aktualisiert am

Spieltisch: Der Minigolf-Sportverband wird dem Parcours in der Zeilgalerie vermutlich die Anerkennung verweigern. Aber das ist dem Betreiber egal – er will nur, dass seine Besucher Spaß haben, wie er sagt. Bild: Kaufhold, Marcus

Michael Scharff hat in der Zeilgalerie eine bunte Minigolfwelt erschaffen. Die Bahnen wurden von Künstlern gestaltet.

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          Es ist ein Tabubruch, den Justus begeht, als er mit seinen Straßenschuhen auf die Minigolfbahn tritt. Denn das erste Gesetz des Bahnengolfsports lautet: Habe Respekt vor der Bahn aus Beton und Eternit. Michael Scharff findet das alles furchtbar anstrengend. Der Mann mit den kühn abstehenden Haaren und dem Achttagebart wirkt um halb elf Uhr morgens noch etwas müde, als er Justus, seinem ersten Kunden, das Spiel erklärt. Am Ende, so schließt er seine kurze Einführung, gehe es eigentlich nur darum, Spaß zu haben.

          Mona Jaeger

          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten.

          Scharff, 27Jahre alt, hat in der vierten Etage der Zeilgalerie eine bunte Minigolfwelt erschaffen. Unter dem Motto „Create a magic hole“ konnten Künstler aus ganz Deutschland Entwürfe für Bahnen einreichen. Erlaubt war ausdrücklich alles - die Turniermaße von zwölf Metern Länge und 1,25Metern Breite sollten bewusst ignoriert werden. Heraus kamen neun recht originelle Ideen. Die Spieler müssen die Bälle über gekachelte Bodenwellen in eine Kloschüssel befördern, sie über eine Halfpipe rollen lassen, die mit Lichteffekten ausgestattet ist, oder sie in einen Holzlooping schmettern, bei dem man durch einen Ziehmechanismus selbst entscheidet, wann der Ball das Rad wieder verlässt, um in einen Sandsack zu plumpsen. Nicht nur Kinder hätten große Freude daran, sagt Scharff.

          Beues Verhältnis zum Besitz

          Denn eigentlich sei mittlerweile schon fast zu viel los, meint er. Wobei man nicht genau heraus bekommt, ob dadurch die Minigolfanlage oder deren Erfinder zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Denn Scharff ist zum ersten Mal Unternehmer und noch dabei, sich in dieser Rolle zurecht zu finden.

          Der gebürtige Münchner hat in Wien Psychologie studiert. Anschließend ging er nach Thailand und Australien; dort wohnte er in buddhistischen Klöstern und einer einsamen Hütte. Diese karge Form des Lebens („Kein Buch, kein Sex, kein Alkohol, nur eine Mahlzeit am Tag“) habe sein Verhältnis zum Besitz entscheidend verändert, sagt er. „Wenn das hier morgen alles abbrennt, dann ist halt Platz für etwas Neues.“

          Ein Misserfolg wäre auch nicht weiter schlimm

          Als er wieder in Deutschland war, beschloss Scharff, das Leben in Zukunft nicht mehr allzu schwer zu nehmen, was gar nicht so einfach war. Die Minigolfbahnen forderten viel Zeit und Kraft von ihm. Während das Bohren von 900Löchern in eine dreieckige Holzkonstruktion (Bahn7) noch „richtig meditativ“ gewesen sei, habe das Rausreißen der 430Quadratmeter PVC-Bodenbelag „total genervt“. Viele Freunde hätten ihm geholfen, auch Jugendkumpel Andi. Durch eine Wette mit ihm kam Scharff erst auf die Idee, eine Minigolfanlage zu bauen. Die beiden spielten im Internet diverse Spiele, auch Minigolf. Fast jedes Mal habe Andi gewonnen. Aber auf einer echten Bahn, da würde er gewinnen, meinte Scharff. Er suchte nach einer Anlage, die auch im Herbst geöffnet ist, aber in und um Frankfurt fand er keine. Also entschloss sich der spontane Mann, selbst eine zu bauen.

          Dementsprechend individuell ist alles gestaltet. Die Kunst, die Scharff in Form der Minigolfbahnen ausstellt, soll begehbar sein. „Es ist doch mal toll, mit Bällen auf Kunst zu schießen.“ Passionierte Minigolfer, die einem erklären wollen, dass es sich eigentlich um einen Denksport handele, bei dem es um die innige Beziehung zwischen Ball und Spieler gehe, werden sich hier vermutlich nicht wohl fühlen. Scharff geht es um einen harmlosen Spaß, der vier Euro kostet und nach etwa einer Stunde wieder vorbei ist.

          Nach dem Spiel können sich die Gäste auf durchgesessenen Sofas ausruhen. Es gibt Kaffee und selbst gebackenen Kuchen im Schein einer nackten Lampe, die in einer braunen Einkaufstüte steckt. Das alles passt gut zu einem verregneten Wintertag. Was passiert, wenn das Wetter wieder wärmer wird und es die Minigolfer nach draußen drängt, weiß Scharff nicht. Mit einer Gelassenheit, die einen regelrecht nervös machen kann, sagt er, dass der Misserfolg seiner Anlage auch nicht weiter schlimm wäre.

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