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Strukturelle Defizite : Magere Kirchenjahre

EKHN-Synode: Die Landeskirchen müssen umstrukturieren (Symbolbild). Bild: dpa

Die hessische evangelische Kirche steht vor tiefgreifenden Änderungen. Kleinere Kürzungen und ein paar Zusammenlegungen reichen nicht mehr, um die Finanzen unter Kontrolle zu halten. Das trifft auch die Basis.

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          Wenn der Vizepräsident der kurhessischen Landeskirche sagt: „Die fetten Jahre sind vorbei“, ist das ein grandioser Euphemismus. In Wahrheit sind die mageren Jahre längst angebrochen. Sinkende Mitgliederzahlen, sinkende Kirchensteuereinnahmen, Strukturdebatte, schneller sinkende Mitgliederzahlen, schneller sinkende Steuereinnahmen, neue Strukturdebatte.

          Doch etwas ist diesmal anders. Das zeigen die Herbstsynoden der beiden evangelischen Landeskirchen im Rhein-Main-Gebiet, der größeren hessisch-nassauischen und der kleineren kurhessischen. Denn mittlerweile ist ein Punkt erreicht, an dem es mit kleineren Kürzungen und ein paar Zusammenlegungen nicht mehr getan ist: Es gibt strukturelle Millionendefizite in den Haushalten beider Kirchen, vor allem im Etat der EKHN.

          Dass die Kirchenleitungen offenbar von der Tatsache überrascht wurden, dass es die neu eingeführte doppelte kaufmännische Buchführung erzwingt, die Versorgungsaufwendungen für den Ruhestand der Mitarbeiter einzupreisen, ist erstaunlich. Immer noch spricht der EKHN-Verwaltungschef von einem „bereinigten Haushalt“, wenn er die Belastungen der Zukunft aus seinem Zahlenwerk wieder herausrechnet. Es ist genau andersherum: Erst die Doppik hat die Etats bereinigt – und die Lücke zwischen Aufwand und Ertrag gnadenlos offengelegt.

          Ein Stückchen Kirche verschwindet

          So wie es ist, kann es nicht bleiben. Das haben auch alle erkannt. Doch wenn die Landeskirchen in den nächsten Monaten an den Strukturen und damit vor allem am Stellenplan basteln, sollten sie zuerst auf den Leitungs- und Verwaltungsebenen kürzen. Denn jeder Schritt, der sich unmittelbar an der Basis auswirkt, dort, wo Kirche mancherorts noch gut funktioniert, kann verheerende Folgen haben. Dass die kurhessische Kirche die Zahl der hauptamtlichen Kantoren bis 2026 von 53 auf 40 zusammenstreicht, ist so ein fatales Signal. Denn das bedeutet, dass demnächst weniger Kantoren weniger Chöre leiten, weniger Gottesdienste musikalisch vorbereiten und weniger Ehrenamtliche im Orgelspiel schulen können.

          Mit solchen Schritten, zu denen auch ein Rückzug der EKHN aus der Finanzierung des Frankfurter Bibelhauses gehören würde, verschwindet jedes Mal ein Stückchen Kirche aus dem Leben der Menschen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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