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Millionen Euro für Umbau : Aufbruchstimmung im Frankfurter Palmengarten

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Frühlingserwachen: Die Ausstellung unter den Glasdächern der Galerie bietet einen Vorgeschmack auf das neue Blütenhaus des Gartens. Bild: Norbert Müller

Der Frühling ist da - zumindest in der Galerie des Palmengartens. Und dann gab es noch eine Ankündigung: Das lang ersehnte Blüten- und Schmetterlingshaus soll bald gebaut werden. Für den ganzen Umbau sind derzeit fast 10 Millionen Euro zugesagt.

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          Wenn alles nach Plan verläuft, dann könnte Palmengartendirektor Matthias Jenny noch kurz vor seinem 65. Geburtstag im Juli 2017 das nach Maria Sibylla Merian benannte neue Blüten- und Schmetterlingshaus eröffnen. Nach der Zeitschiene für die vier Bauvorhaben, die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) und Jenny gestern präsentierten, soll in zwei Jahren die Direktionsvilla saniert, die Toilettenanlage im Zentrum des Gartens durch einen Neubau ersetzt und ein Verbindungsweg zwischen dem Gesellschaftshaus und der Siesmayerstraße geschaffen sein. Und auch die Gewächshäuser der Gärtnerei samt neuen Attraktionen sollen bis 2017 fertig werden. 6,4 Millionen Euro von der Stadt und weitere drei Millionen Euro von der Stiftung Palmengarten und Botanischer Garten stehen dafür nach Angaben von Heilig zur Verfügung. Die Mittel stünden im Haushalt, der allerdings noch vom Land genehmigt werden müsse. Den Bauplänen müssten die Stadtverordneten noch zustimmen.

          Die Stiftung finanziert den auf 800 000 Euro veranschlagten Weg, der künftig vom Vorplatz des Gesellschaftshauses zur Siesmayerstraße führen und, wie Heilig sagte, vor allem dazu dienen soll, den Besuchern des Gesellschaftshauses und des Papageno-Theaters in den Abendstunden den Weg zum Parkhaus zu verkürzen. Inwieweit die Stiftungsmittel auch eine Spende der Förderbank KfW beinhalten, die diese geleistet hat, weil sie wegen Sicherheitsbedenken ihr Parkhaus nun doch nicht abends zur Verfügung stellt, wollte Heilig nicht sagen. Der Weg, für den ein halbes Dutzend Bäume gefällt werden muss, soll ausdrücklich ein reiner Fußgänger- und kein Fahrradweg werden.

          Weitere 2,2 Millionen Euro aus Stiftungsmitteln fließen in den Bau des Blüten- und Schmetterlingshauses. Wie das bisherige Blütenhaus soll auch das neue eine kühlere und eine tropische Zone haben, mit 650 Quadratmetern aber etwa doppelt so groß sein wie das alte. In den Wintermonaten werden in dem auf 27 Grad geheizten Gebäudeteil nicht nur tropische Blüten zu sehen sein, sondern auch Schmetterlinge. Die Schauen der exotischen Schönheiten sollen auf jeweils drei Monate begrenzt werden, um dem Garten in der kalten Jahreszeit eine besondere Attraktion zu geben. Die Schmetterlinge kauft der Palmengarten dafür bei Kooperationspartnern in London, die sie von Zuchtfarmen in den Tropen beziehen.

          Gemeinsam mit dem Senckenbergmuseum will Jenny zu der Schmetterlingsschau ein pädagogisches Programm erarbeiten. Denn die Tiere sollten nicht nur wegen ihre Schönheit Beachtung finden, sondern vor allem wegen ihrer wichtigen Funktion als Bestäuber, ohne die es keine Blüten und Früchte gäbe. Im Foyer des Glashauses sollen zudem Artikel, die zum Schmetterlingsthema passen, verkauft werden. In englischen und amerikanischen Gärten werde längst ein großer Teil des Budgets mit Hilfe solcher Shops erwirtschaftet, sagte Jenny. Der Eintritt in das Haus soll im Eintritt für den Palmengarten enthalten sein.

          Auf der einen Seite müsse für das Heizen des Schmetterlingshauses einiges aufgewendet werden, fügte der Direktor an, auf der anderen Seite werde mit dem neuen Haus aber auch viel Energie gespart. Jenny rechnet damit, dass der Verbrauch der bisherigen Gebäude von Blütenhaus und Gärtnerei aus den fünfziger Jahren etwa halbiert wird. Die bisher zehn einzelnen Gewächshäuser würden nun zu einem Komplex zusammengefasst, so dass es wesentlich weniger Außenwände geben werde. Eine doppelte Verglasung soll ebenfalls zum geringeren Energieverbrauch beitragen. Während der schmetterlingsfreien Zeit soll das Merian-Haus für Ausstellungen genutzt werden. Der Gesamtkomplex kostet 7,2 Millionen Euro.

          Mit veranschlagten Kosten von 900 000 Euro ebenfalls ein Großprojekt ist die Sanierung der Direktionsvilla, in der die Verwaltung des Palmengartens untergebracht ist. Erste Arbeiten haben dort schon begonnen, denn in dem denkmalgeschützten Gebäude aus der Gründerzeit müssen die elektrischen Leitungen ausgetauscht werden. Vor allem aber wird das Dach erneuert, nachdem es schon einen Wasserschaden gegeben hatte. Zudem soll dort durch Dämmung auch für Energieeffizienz gesorgt und der nach heutigem Standard notwendige Brandschutz berücksichtigt werden.

          Mit Kosten in Höhe von 400 000 Euro ist eine neue Toilettenanlage in der Mitte des Gartens die günstigste Baumaßnahme. Auf die Frage, ob eine solch hohe Investition dort wirklich nötig sei, argumentierte Heilig, dass bei Großveranstaltungen wie dem Lichterfest stets Toiletten fehlten und auch für die älteren Besucher die gute Erreichbarkeit eines behindertengerechten WCs wichtig sei. Die neue Anlage soll die veraltete neben der Aripuca ersetzen. Das vor allem von Kindern geschätzte Bauwerk aus Baumstämmen wird allerdings abgebaut, da es wegen Pilzbefalls nicht mehr sicher ist.

          Zu den Baustellen, über die Jenny und Heilig gestern nichts Neues sagen konnten, gehört der immer noch nicht fertiggestellte Eingangspavillon. Sie hoffe zwar, dass er bis zum Sommer fertig werde, sagte Heilig. Sie könne aber nichts Genaues dazu sagen, ebenso wenig wie zur endgültigen Abnahme und zur abschließenden Rechnung für das Palmengartengesellschaftshaus.

          Dennoch zeigten sich Heilig und Jenny zuversichtlich, dass die neuen Bauvorhaben sowohl zeitlich als auch vom Budget her nach Plan verlaufen würden. Für Jenny geht mit dem Merian-Haus ein langgehegter Wunsch in Erfüllung, sozusagen die Krönung seiner Amtszeit. Wer ihm nachfolgt, darf sich allerdings auf weitere Baustellen gefasst machen, denn wie gestern hervorgehoben wurde, hat Harald Leisinger vom Hochbauamt auf dem Gelände des Palmengartens insgesamt 40 Gebäude gezählt - darunter einige Sanierungsfälle. Das Eingangsschauhaus an der Siesmayerstraße steht dabei ganz oben auf Jennys Wunschzettel. Doch dessen Sanierung wird er wohl erst als Pensionär erleben.

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