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Militär : Amerikaner ziehen tausende Soldaten aus Hessen ab

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Jetzt ist es offiziell: Die Vereinigten Staaten werden in den nächsten Jahren mehrere tausend Soldaten aus Hessen abziehen. Das hat der amerikanische Präsident George Bush am Montag in einer Rede vor Veteranen in Cincinnati angekündigt.

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          Jetzt ist es offiziell: Die Vereinigten Staaten werden in den nächsten Jahren mehrere tausend Soldaten aus Hessen abziehen. Das hat der amerikanische Präsident George Bush am Montag in einer Rede vor Veteranen in Cincinnati angekündigt. Insgesamt würden bis zu 70000 Mann von Stützpunkten in Europa und Asien in ihre Heimat geholt. Zudem sollten rund 100000 Familienmitglieder und zivile Armeeangestellte in die Vereinigten Staaten zurückkehren. Der auf zehn Jahre ausgelegte Plan betreffe Soldaten auf Stützpunkten, die an den Schauplätzen "der Kriege des vergangenen Jahrhunderts" errichtet worden seien, sagte Bush.

          In Hessen wird dem Vernehmen nach von dem Abzug in erster Linie die 1.Panzerdivision, die ihr Hauptquartier in Wiesbaden hat und im Mai vergangenen Jahres in den Irak abkommandiert worden war, betroffen sein. Nach einer Verlängerung des Einsatzes um 90 Tage sind die Soldaten der Kampfeinheit in den vergangenen Wochen in ihre Kasernen in Wiesbaden, Friedberg, Hanau, Gießen sowie ins rheinland-pfälzische Baumholder und nach Wackenheim zurückgekehrt. Nach den Plänen der amerikanischen Regierung soll die "First Armored Division" nun ebenso wie die 1.Infantriedivision, die in Würzburg und anderen bayerischen Orten stationiert ist, in die Vereinigten Staaten zurückverlegt werden.

          Beide Divisionen haben bisher zwei ihrer drei Brigaden auf deutschem Boden, die dritte ist jeweils in den Vereinigten Staaten stationiert. So haben von den rund 16500 Soldaten der 1.Panzerdivision, die im Irak waren, knapp 13000 ihr Quartier in Deutschland, etwa 3500 sind in Fort Riley im amerikanischen Bundesstaat Kansas beheimatet. Ob die beiden derzeit noch in Deutschland stationierten Brigarden nun auch dorthin umziehen sollen, bleibt zunächst unklar. Über die Details und den Zeitplan des Truppenabzugs wollen die amerikanischen Militärstellen heute informieren.

          Vermutungen über den möglichen Abzug der "First Armored Division" aus Deutschland hatte es schon vor deren Entsendung an den Golf gegeben. Die Vereinigten Staaten haben seit geraumer Zeit ihre weltweite Militärpräsenz überprüft, um den veränderten strategischen Herausforderungen seit dem Ende des Kalten Krieges besser gerecht werden zu können. Ziel ist eine Umstrukturierung der Streitkräfte: Flexible, kleinere Truppenteile und Spezialeinheiten sollen neue Aufgaben wie den Kampf gegen Terroristen besser bewältigen können. "Für die Soldaten wird es in Zukunft mehr Bewegung geben - für ihre Familien weniger", hatte der Chef des amerikanischen Generalstabs, General Richard Myers, kürzlich bei einem Besuch auf dem Militärflughafen Wiesbaden-Erbenheim angekündigt.

          Schon im April vergangenen Jahres hatten die Amerikaner angekündigt, die Standorte Friedberg, Wetzlar, Bad Nauheim und Butzbach bis 2008 vollständig aufgegeben zu wollen. In Gießen sollten dann nur noch Zivilbeschäftigte in der Wohnraumverwaltung und einem Zentrallager für Kleidung und Fahrzeugteile ihren Dienst verrichten. In den betroffenen Städten wird nun erwartet, daß die neuen Planungen den Rückzug noch wesentlich beschleunigen werden. Das hessische Wirtschaftsministerium rechnet allein in Mittelhessen mit dem Freiwerden von rund 1300 Hektar ehemaliger Wohnsiedlungen, Kasernen und Übungsplätze. In den Kommunen wird neben dem Verlust von Arbeitsplätzen und Kaufkraft deshalb vor allem ein Kollaps der lokalen Wohnungsmärkte befürchtet.

          Wiesbaden dürfte im Gegensatz zu den mittelhessischen Standorten auch nach dem Abzug der "First Armored Division" ein Stützpunkt amerikanischer Verbände bleiben. In der Landeshauptstadt sind ebenso wie in Mainz noch mehrere tausend GIs darunter viele der insgesamt knapp 4000 Mann starken Versorgungseinheit "3.Corps Support Command" stationiert.

          Frankfurt ist von dem geplanten weiteren Abzug der amerikanischen Truppen kaum berührt. Die Räumung der letzten größeren Dienststelle der Amerikaner ist unabhängig von den gestern bekannt gegebenen Planungen längst beschlossene Sache, die Vorbereitungen dafür laufen seit Jahren: Bis Ende 2005 soll die Rhein-Main-Airbase am Flughafen vollkommen aufgegeben werden. Die verbliebenen rund 3000 Soldaten und deren Angehörige werden nach Ramstein in Pfalz verlegt. Außerdem sind rund 50 bisher auf der Airbase beschäftigte Zivilangestellte von dem Umzug betroffen.

          Frankfurt, wo während des Kalten Krieges zeitweise mehr als 23000 amerikanische Soldaten stationiert waren, habe die wirtschaftlichen Folgen der Truppen-Reduzierungen schon in den vergangenen Jahren bewältigt, äußerte der Referent von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), Felix Semmelroth. Die Stadt habe das gut verkraftet und die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten auf wirtschaftlicher und kultureller Ebene sogar intensiviert. Belege dafür seien die zahlreichen Niederlassungen amerikanischer Unternehmen in Frankfurt, die weiterhin hohe Zahl amerikanischer Touristen und die Erweiterung des Generalkonsulats, das in den nächsten Jahren zur weltweit größten diplomatischen Vertretung Washingtons ausgebaut werden soll.

          PETER BADENHOP

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