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Modellprojekt in Frankfurt : Immer öfter Staus durch Paketdienste

Ärgernis: Um Verkehrsregeln kümmern sich die Fahrer von Lieferwagen - wie hier im Frankfurter Nordend - oft wenig. Bild: Silber, Stefanie

Mit dem Onlinehandel steigt auch der Lieferverkehr. Große Städte suchen deshalb nach Lösungen für die zunehmenden Behinderungen durch Paketautos. Frankfurt erprobt Mikrodepots.

          3 Min.

          Lieferwagen entwickeln sich immer mehr zu einer Stadtplage. Ihre Fahrer halten auf Bürgersteigen, Radwegen oder der Fahrspur, steigen aus, bringen ein Paket zu einem Empfänger und fahren dann ein paar hundert Meter weiter zur nächsten Adresse. Selbst auf hochbelasteten Hauptverkehrsstraßen wie dem Frankfurter Alleenring stoppen die Mitarbeiter von Paketdiensten ungeniert, auch wenn sich hinter ihnen oft ein Stau bildet.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die gelben, braunen oder weißen Lieferwagen von DHL, UPS und wie die Paket-, Express- und Lieferdienste alle heißen, machen allerdings nur einen Teil des Logistikverkehrs aus, mit dem nicht nur Frankfurt, sondern alle größeren Städte der Region von Hanau bis Wiesbaden zu kämpfen haben. Auch Wagen der Müllabfuhr, Fahrzeuge von Handwerkern oder die Lastwagen von Spediteuren verstopfen die Straßen und behindern das Fortkommen der anderen Verkehrsteilnehmer.

          Paketdienste haben auch in Zukunft viel zu tun

          Das Parken in zweiter Reihe oder auf Rad- und Gehwegen ist eigentlich nicht erlaubt - auch nicht für kurze Zeit. Doch die Städte zeigen sich großzügig und tolerieren die Verkehrsverstöße weitgehend. Denn Verwaltung und Politiker wissen, dass Geschäfte und Unternehmen auf eine kontinuierliche Belieferung angewiesen sind. Nicht nur Apotheken brauchen bestellte Ware schnell, der gesamte Einzelhandel etwa benötigt oft sehr kurzfristige Lieferungen.

          Aber auch Privathaushalte lassen sich mittlerweile immer häufiger Pakete nach Hause liefern. Mit Amazon und anderen Internethändlern sind neue Vertriebsformen entstanden: Der Kunde bestellt am Bildschirm, die Paketdienste bringen die Ware zur Haustür. Von 2000 bis 2014 hat sich die Lieferung von Päckchen und Paketen um mehr als 60 Prozent ausgeweitet. Und die Kurve geht weiter steil nach oben. Laut Statistik wurden 2014 in Deutschland etwa 2,8 Milliarden Päckchen und Pakete von den Kurier-, Express- und Paketdiensten zugestellt. Bis 2019 soll die Zahl auf 3,8 Milliarden steigen.

          Ausweisen von speziellen Ladezonen

          Werden bis dahin keine besseren Lösungen für den Lieferverkehr gefunden, dürfte sich die Verkehrssituation in den Städten noch mehr verschlechtern: Es wird zusätzliche Lieferwagen geben, das Parken in zweiter Reihe wird weiter zunehmen, die Straßen werden noch voller sein. Vielerorts wird deshalb nach Lösungen gesucht, um die Verkehrsbehinderungen in Grenzen zu halten.

          In Frankfurt verfolgt die Politik zwei Ansätze, die sich nach Angaben des neuen Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) nicht gegenseitig ausschließen, sondern sich vielmehr ergänzen könnten: das Ausweisen von Ladezonen an hochbelasteten Stellen in der Innenstadt und die Einrichtung von Mikrodepots, von wo aus Pakete zu Fuß, per Fahrrad oder mit der Sackkarre verteilt werden.

          Mehrere Mikrodepots in Frankfurt

          In einem auf zwei Jahre angelegten Modellversuch der Stadt Frankfurt, der Industrie- und Handelskammer und des House of Logistics and Mobility (Holm) soll die Wirkung von Mikrodepots wissenschaftlich untersucht werden. Ein solches Zwischenlager könnte ein mit Paketen beladener Container sein. Ein Lastwagen bringt ihn von einem Logistikzentrum in die Innenstadt, den Inhalt verteilen dann Boten etwa mit Hilfe eines Lastenfahrrads auf der sogenannten letzten Meile, abends oder nach der Leerung holt der Lastwagen die Box wieder ab. Der Paketdienst UPS wendet dieses Modell schon in Hamburg an, die Unternehmen GLS und DPD praktizieren es in Nürnberg.

          In Frankfurt sind die Deutsche Post sowie die Paketdienste DHL, Hermes und UPS Partner des Modellprojekts. In der Frankfurter Innenstadt sind mehrere Standorte für Mikrodepots ins Auge gefasst, zum Beispiel die Untermainanlage nahe von Theater und Oper sowie die Große Gallusstraße, die Neue Schlesingergasse und die Porzellanhofstraße. Von dem Einsatz der Depots erhoffen sich die Verantwortlichen weniger Verkehr in der Innenstadt und auch weniger Behinderungen durch Lieferfahrzeuge. Auch soll der Kraftstoffbedarf zurückgehen, und die Emissionen sollen sinken.

          Falschparker entscheidend für Erfolg

          Mit dem zweiten Ansatz, der Einrichtung von Ladezonen, hat Frankfurt schon begonnen. So hat jüngst das Verkehrsdezernat Teile der Kaiserstraße und der Friedensstraße rund um den Kaiserbrunnen als verkehrsberuhigten Geschäftsbereich ausgewiesen. In diesem Zusammenhang wurden auch mehrere Ladezonen markiert, zum Beispiel eine direkt vor dem Hotel Frankfurter Hof. Hier gilt für alle Verkehrsteilnehmer ein absolutes Halteverbot, man darf dort also nicht einmal drei Minuten mit seinem Fahrzeug verweilen. Lediglich Lieferwagen, die die Geschäfte dort bedienen, können kurz fürs Be- und Entladen geparkt werden. Weitere Ladezonen in der Frankfurter Innenstadt sollen bald folgen.

          Entscheidend für den Erfolg dürfte sein, dass die Zonen nicht durch Falschparker versperrt werden, auch nicht durch Fahrzeuge von Handwerkern. Wo sie ihre Wagen, in denen sie häufig unentbehrliche Werkzeuge und Materialien mitführen, abstellen sollen, bleibt weiter eine ungeklärte Frage.

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