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Olympiasieger Michael Groß : Was können wir aus der Krise lernen?

Jahrhundertsportler: Michael Groß – wie die die Deutschen ihn in Erinnerung haben. Bild: Picture-Alliance

Wie sollen wir gut und richtig leben? Der Olympiasieger Michael Groß aus Frankfurt hat dazu mit seiner Frau Ilona ein Buch geschrieben. Ein Gespräch über Konzerte ohne Handys, Ruhm und Zuneigung.

          7 Min.

          Wir sitzen uns hier leibhaftig gegenüber, das ist immer noch nicht selbstverständlich wegen der Infektionsgefahr. Wann und wie sind Sie zum ersten Mal mit dem Coronavirus konfrontiert worden?

          Carsten Knop
          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Michael Groß (M.G.): Ende Februar, indirekt über einen Kunden. Er wollte seinen Betrieb teilweise auf Homeoffice umstellen. Wir haben einiges getestet. Was dann schon einige Wochen später Makulatur war. Dann hieß es, alle sofort ab ins Homeoffice.

          Wenn Sie die Wochen des Lockdown Revue passieren lassen: Was haben Sie am meisten vermisst?

          Ilona Groß (I.G): Für mich als Fitnesstrainerin sind alle Kurse weggebrochen. Das habe ich zu Beginn der Pandemie als erholsam empfunden, weil mir klarwurde, dass ich zuvor wie ein Hamster im Rad gerannt war. Bei uns zu Hause war natürlich die Stimmung etwas gedrückt. Kein Wunder, wenn man sich von früh bis spät nur mit Corona auseinandersetzen muss. So habe ich spontan beschlossen, wir schaffen uns wieder ein Haustier an. Von „Hunde in Not“ ein Mischling aus Griechenland. Das hat viel Freude ins Haus gebracht.

          M.G. Die jüngere Generation ist ja langfristig viel stärker von der Krise betroffen, sie hängt am stärksten durch. Innerhalb von wenigen Wochen wurden Berufsperspektiven, manchmal sogar ganze Lebensplanungen über den Haufen geworfen. Das haben wir bei den Recherchen zu unserem Buch gemerkt. Hinzu kommt, dass die Älteren über einige Erfahrungen mit Krisen verfügen. 1991, 2001, 2008/2009.

          Sie meinen zum Beispiel Terroranschläge, Finanzkrisen, oder dass man sonntags auf der Autobahn Fahrrad fahren konnte, weil sie wegen der Ölkrise gesperrt war. Das ging immer recht schnell vorbei. Jetzt bedrückt ja vor allem die Ungewissheit, die sich schon über Monate hinzieht.

          M.G. Dennoch ist die Corona-Pandemie, wie wir in unserem Buch schreiben, kein schwarzer Schwan, soll heißen, keine Krise, die nicht vorstellbar war. Schon 2012 sind die Regeln, wie bei solchen Pandemien zu verfahren sei, im Bundestag beraten worden. Wenn Sie die Vorlage lesen, ist das ein Drehbuch dieser Krise.

          Was keiner so richtig ernst genommen hat.

          M.G. Genau. Der Bundestag hat das lediglich zur Kenntnis genommen, aber richtig vorbereitet auf diese Situation hat sich keiner. Es war absehbar, dass es passiert, offen war nur, wann und in welchem Ausmaß. Jetzt gilt es sich zu fragen: Was lernt man langfristig daraus? Die Hoffnung, dass unsere Welt besser wird, halte ich übrigens für gewagt. Gegenwärtig wird versucht, zum Beispiel von China, die eigene Position für die Zeit nach der Krise auszubauen.

          In Ihrem Buch schreiben Sie: Glück hängt nicht am Erfolg, sondern Erfolg ist das größte Hindernis für Veränderungen. Dann könnte die jetzige Krise ja ein Katalysator für Veränderungen sein?

          M.G. Auf der persönlichen Ebene bestimmt. Wir haben auch viel mit Veranstaltern zu tun, die völlig ausgebremst sind. Sie lassen sich tolle Sachen einfallen, um Auswege zu finden. Wie kann ich virtuelle oder Angebote für kleinere Gruppen machen? Die Frage ist eben nur, ob diese Konzepte auf Dauer tragen. Unter dem Strich hängt die „neue Normalität“ schon vom Impfstoff ab.

          Wie kann ich aber persönlich, im eigenen Kopf, eine Chance nutzen in dieser Lage? Haben wir die These in Ihrem Buch richtig verstanden: „Wenn es uns zu gut geht, bewegt sich ja nichts“? Und das Positive der Krise liegt darin, dass man sich und sein Geschäftsmodell in Frage stellen muss. Nicht nur angstvoll auf das Hier und Jetzt blicken, sondern etwas daraus machen?

          I.G. Ich habe in meinen Kursen und auch als Coach viel positives Feedback von Frauen bekommen, die merkten, wie sehr sie sich vorher aufgerieben hatten. Einige schaffen für sich jetzt Raum, um zu lernen: Was tut mir gut und was nicht? Wichtig ist auch, die Chance zu nutzen, Empathie zu entwickeln. Idealerweise können solche persönlichen Entwicklungen im Kleinen immer größere Kreise ziehen. Natürlich muss man dafür seine Konsumentenhaltung aufgeben und selbst initiativ werden. Das wäre ein großer Gewinn, am Ende gesunder, fitter, freundlicher zu leben.

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