https://www.faz.net/-gzg-86kub

Michael Boddenberg : „Ich weiß, wer in der Fraktion fleißig ist“

  • Aktualisiert am

Eins greift ins andere: Michael Boddenberg ist morgens um sieben eine Stunde im eigenen Betrieb, dann fährt er in den Landtag. Bild: Frank Röth

Als er Generalsekretär der hessischen CDU war, gehörte die schneidige Attacke zu seiner Rolle. Als Fraktionsvorsitzender im Landtag ist er nun einer derjenigen, die das Bündnis mit den Grünen im Schwung halten.

          Könnten Sie heute noch Presskopf machen?

          Ich behaupte: ja, aber wahrscheinlich eher in der Theorie als in der Praxis.

          Sie sind einer der wenigen Politiker, die einen Handwerksberuf gelernt haben. Nach dem Abitur wurden Sie Metzgermeister. Hilft Ihnen das, den Alltag der Bürger besser zu verstehen?

          Ich glaube schon, dass mit einer handwerklichen Ausbildung eine Mentalität der Bodenständigkeit verbunden ist. Nebenbei bin ich bis heute zusammen mit meiner Frau als Unternehmer selbständig. Das hilft mit zu verstehen, wie es ist, als Mittelständler Steuern zu zahlen, Arbeitsverträge zu schließen, Umweltstandards einhalten zu müssen.

          Und warum der Beruf des Metzgers?

          Meine Eltern hatten seinerzeit einen Schlachtbetrieb in Siegburg, und ich hatte durchaus vor, diesen Betrieb zu übernehmen. Das kam dann anders, weil ich meine Frau in Frankfurt kennenlernte. Auch sie kommt aus einer Fleischerfamilie in dritter Generation. Wir lernten uns, wie kann es anders sein, auf der Fleischerfachschule kennen, die meiner Frau und mir heute gehört.

          Sie haben in einem Beitrag für die F.A.Z. geschrieben, dass man durchaus ein erfülltes Leben ohne Abitur haben kann. Das sehen viele Eltern anders.

          Die Einstellung „Besser Abitur und noch besser Studium als eine Berufsausbildung“ ist zu akzeptieren. Sie führt aber in vielen Fällen dazu, dass Kinder und Jugendliche überfordert sind, deren praktische Fähigkeiten nicht entwickelt werden. Zu wenige wissen, dass die Entscheidung für eine bestimmte weiterführende Schule keine Lebensentscheidung ist. So gut wie niemand weiß, dass man gerade in Hessen nach einer Meisterprüfung in Handwerk oder Industrie jedweden Studienzugang hat.

          Welche Berufspläne haben Ihre drei Kinder?

          Der eine Sohn ist nach dem Abitur in der Ausbildung zum Industriekaufmann, der zweite geht in die Ausbildung zum Bankkaufmann. Unsere Tochter hat noch zwei Jahre bis zum Fachabitur.

          Es war Petra Roth, die Sie zu Beginn der neunziger Jahre dafür gewann, in die Politik zu gehen?

          Das stimmt. Ich hatte Politik nicht als Berufsziel, aber ich war ehrenamtlich aktiv und hatte den Bundesvorsitz einer Nachwuchsorganisation der Fleischwirtschaft übernommen. Damals war der Tierschutz ein großes Thema.

          Worum ging es?

          Um alle Fragen von der Aufzucht über die Haltung bis zum Transport und zur Schlachtung. Gerade bei den Tiertransporten gab es wirklich unsägliche Zustände und verstörende Fernsehbilder, und nach meiner Überzeugung war es an der Zeit, dass die Branche das von sich aus zum Thema machte. Deshalb verfasste ich eine Resolution, und vier Tage später rief mich der damalige Präsident des Tierschutzbundes an und fragte, wer diesen Text geschrieben habe. So entstand eine Kooperation, die uns bis in Fernseh-Talkshows führte. Auf einem dieser Podien begegnete ich Petra Roth, die mich fragte, ob ich nicht im Frankfurter Magistrat mitarbeiten wollte.

          Haben Sie sofort ja gesagt?

          Ich meine mich zu erinnern, dass ich sie zunächst nach dem Zeitaufwand fragte.

          Da wird immer gelogen.

          Ich würde es netter formulieren: Sie stellte es so dar, dass es für einen kleinen Mittelständler bewältigbar erschien.

          Wie kam es dann zum Schritt in den Landtag?

          Ich war fünf oder sechs Jahre lang für die CDU ehrenamtlich im Frankfurter Magistrat, da gab es im Frankfurter Süden eine Vakanz bei der Kandidatur um das Direktmandat, und die Partei trat an mich heran.

          Heute sind Sie noch immer Geschäftsführer der Fleischereifachschule?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor dem Start der siebzehnten Vogtland-Veteranenrallye.

          AKK und Maaßen in Sachsen : Er war schon vor ihr da

          Annegret Kramp-Karrenbauer macht im sächsischen Vogtland Wahlkampf. Auch Hans-Georg Maaßen war dort schon für die CDU unterwegs – und sorgte dafür, dass für den Bundestagsabgeordneten Heinz eine Welt zusammenbrach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.