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Großmetzgerei Brandenburg : Von Frankfurt-Fechenheim nach Erlensee

Erst Armeeflugzeuge, dann Hackepeter: Der Fliegerhorst war 2007 von der amerikanischen Armee aufgegeben worden. Jetzt könnte die Großmetzgerei Brandenburg einziehen Bild: Rainer Wohlfahrt

Zwei Unternehmen interessieren sich für das letzte große Grundstück auf dem ehemaligen Fliegerhorst. Die Großmetzgerei Brandenburg will expandieren und daher umziehen.

          Die Firma Wilhelm Brandenburg wird sich möglicherweise auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Erlensee-Langendiebach ansiedeln. Die zur Rewe-Gruppe gehörende Großmetzgerei mit vier Firmenstätten in Deutschland will ihren Standort mit rund 950 Mitarbeitern in Frankfurt-Fechenheim aufgeben, weil es dort keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr gibt. Das Unternehmen ist auf der Suche nach einem 15 Hektar großen Areal für seine Produktionsstätten. Auf dem Fliegerhorst steht ein solches Grundstück mit guter Verkehrsanbindung zur Verfügung. Es umfasst genau diese 15 Hektar und liegt im Südwesten des Fliegerhorsts in der Nähe des Freizeitgebiets Bärensee.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Nach den ursprünglichen Plänen sollte auf der Fläche eine Freizeitnutzung verwirklicht werden. Gedacht war beispielsweise an die Anlage eines künstlichen Sees, den Bau von Ferienhäusern oder die Errichtung einer Halle für Indoor-Aktivitäten. Von diesen Ideen ist der Zweckverband für die Entwicklung des Fliegerhorsts mit Vertretern der Städte Erlensee und Bruchköbel inzwischen abgerückt. Bei dem Areal, die letzte noch zu vermarktende Großfläche des Fliegerhorsts, handelt es sich um die ehemalige Wohnsiedlung des Fliegerhorsts. Die Gebäude müssen abgerissen werden, und der Boden muss von Schadstoffen sowie möglicherweise auch von Fliegerbomben befreit werden. Die hohen Kosten dafür würden sich durch eine Freizeitnutzung nicht finanzieren lassen, deshalb beschloss der Zweckverband in seiner jüngsten Sitzung, eine Umwidmung der Fläche von einem „Sondergebiet Sport und Freizeit“ zu einem „Sondergebiet Nahrung und Verpackung“ auf den Weg zu bringen.

          Ein „sehr akzeptabler“ Kaufpreis

          Gleich zwei Großunternehmen haben nach Angaben von Erlensees Bürgermeister Stefan Erb (SPD), Vorsitzender des Zweckverbands, und seines Bruchköbeler Amtskollegen Günter Maibach (CDU) großes Interesse am Kauf des Grundstücks. Es handele sich um eine Firma der Papierverarbeitung sowie der Fleischverarbeitung. Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den Großmetzger handelt. Bürgermeister Erb wollte das nicht bestätigen, ließ im Gespräch aber vorsichtig durchblicken, dass man von einem Kaufinteresse von Brandenburg ausgehen könne. Die Rede ist von rund 1500 Mitarbeitern, die in Erlensee beschäftigt würden.

          Der Großmetzger werde im Fliegerhorst ideale Voraussetzungen vorfinden, so Erb. Das Gelände in der Nachbarstadt Hanaus sei durch Bundesstraße 40 und Autobahn 66 gut ans überörtliche Straßennetz angeschlossen, und die Frankfurter Mitarbeiter müssten nicht in eine weit entfernte Region umziehen. Auch der Kaufpreis sei sehr akzeptabel. Der Zweckverband rechnet mit Einnahmen von gut acht Millionen Euro durch den Grundstücksverkauf. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass Wilhelm Brandenburg Erweiterungspläne prüfe. „Diese Überlegungen sind aber bei weitem noch nicht in einem Stadium, in dem man über konkrete Pläne, Folgen oder gar künftige Standorte sprechen könnte“, hieß es.

          Voraussetzung für das Zustandekommen des Verkaufs ist, dass der Regionalverband Frankfurt Rhein-Main der beantragten Änderung des Flächennutzungsplans zustimmt. Erb sieht darin aber keine Schwierigkeit, weil es nicht um die Beseitigung einer Grün- oder Freizeitfläche gehe, sondern nur um die Aufgabe von Plänen dafür. Der Natur werde also nichts weggenommen. Der Zweckverbandsvorsitzende geht davon aus, dass das Verfahren innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein kann und der Bebauungsplan vorliege, so dass mit dem Bau der neuen Firmengebäude begonnen werden könne.

          Stadt erwägt Dokumentationszentrum

          Wie sich in der Zweckverbandssitzung abzeichnete, könnte es zu einer Wiederaufnahme der alten Bahnstrecke vom Bahnhof Hanau-Nord zum Fliegerhorst kommen. Einer von drei aktuell beschlossenen Kaufverträgen mit einem Volumen von mehreren Millionen Euro könnte das bewirken. Der international tätige Gleisanlagenbauer Spitze aus Großbeeren bei Berlin erwirbt rund 15.000 Quadratmeter Fläche auf dem Fliegerhorst, um dort ein „Kompetenzzentrum“ zu errichten.

          Damit Züge des Unternehmens den Standort erreichen können, müsste der einstige Schienenanschluss wieder in Betrieb genommen werden. Die Immobilie „Alte Wache“ kauft die Firma Artbau GmbH, ein auf die Revitalisierung von alten Immobilien spezialisiertes Unternehmen aus Bruchköbel. Es will das denkmalgeschützte Gebäude für einen gastronomischen Betrieb nutzen. Verkauft ist auch der denkmalgeschützte ehemalige Tower des Fliegerhorsts. Die Aschaffenburger Bau- und Immobilienfirma Fäth erwarb das Gebäude laut Erb zu einem günstigen Preis und ist bereit, drei Millionen Euro in seine Sanierung zu investieren. Entstehen sollen Büroflächen. Zwei Jahre hat die Stadt Erb zufolge Zeit, sich für das Anmieten einer bis zu 700 Quadratmetern großen Fläche im Tower zu entschließen, um dort ein Dokumentationszentrum Fliegerhorst Langendiebach einzurichten. Derzeit würden Konzepte erstellt, und die Finanzierung würde geprüft. Es gebe viele Ideen für die inhaltliche Ausgestaltung. So könne der Kennedy-Besuch thematisiert werden sowie die Auswirkung des Kalten Krieges auf die Militäreinrichtung, sagte Erb. Auch die Wanderausstellung „Amerikaner in Hessen“ würde man gerne integrieren.

          In der Sitzung wurden zudem die Voraussetzungen geschaffen, damit die Stadt Bruchköbel für eine Übergangszeit von drei Jahren in einem Gebäude ihre Verwaltung unterbringen kann. Die Stadtverwaltung Bruchköbel braucht das Ausweichquartier, weil das Rathaus wegen der Gestaltung der Neuen Mitte von Bruchköbel abgerissen wird. Plangemäß schreiten laut Erb die Vorbereitungen für eine Reitsportanlage im inneren Dreieck, dem historischen Teil des Fliegerhorsts, fort. Nachdem die Firma „Retro Klassik GmbH“ ihre dort zunächst vorgesehene „Retro-Klassik-Stadt“ mit dem Verkauf von Oldtimern auf dem Gelände am Nürburgring wahr werden lassen will, hat sich die Gesellschaft für den Fliegerhorst auf den Reitsport verlegt. Investieren will sie dafür rund 50 Millionen Euro.

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