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Metzger profitiert von Fleischskandalen : Aufs Pferd umgestiegen

  • -Aktualisiert am

Setzt seit 16 Jahren aufs Pferd: Metzger Klaus Schneider. Bild: Rüchel, Dieter

Ein halbes Jahr liegt der Pferdefleischskandal zurück. Das Interesse an der exotischen Fleischsorte ist dabei gestiegen. Davon profitiert einer der wenigen Pferdemetzger in Hessen.

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          „Skandal“ stand in den Zeitungen - und beim Pferdemetzger Klaus Schneider brummte es. Zum ersten Mal war das so bei BSE. Als die Krankheit in den neunziger Jahren auf immer mehr Tiere übersprang, mieden die Verbraucher das Fleisch vom Rind und griffen zu dem vom Pferd - Vermeidungsverhalten nennt das der Fleischerverband Hessen. Pferdemetzger Schneider hatte sich da erst vor einem Vierteljahr auf diese Fleischsorte spezialisiert. Bald legte sich die Aufregung wieder, aber Schneider hatte ein paar neue Stammkunden gewonnen.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Dann, vor einem halben Jahr, war das Pferd selbst der Skandal. Es tauchte in Tiefkühlprodukten auf, in denen laut Etikett nur Rind hätte sein dürfen. Wie Blei lagen die Lasagnepackungen in den Tiefkühltruhen der Supermärkte. Und dennoch: Beim Pferdemetzger Schneider brummte es auch jetzt wieder. Keine Spur von Vermeidungsverhalten. Weil die Verbraucher Pferdefleisch schon vor dem Skandal kaum aßen, konnten sie nach dem Skandal auch nur schwerlich darauf verzichten. Ganz im Gegenteil: Bei vielen wuchs die Neugier. Denn, so wurde während des Skandals oft in einem Nebensatz erwähnt, Pferd sei eigentlich eine Delikatesse. Es ist magerer als Rind, reicher an Vitaminen und nicht besonders teuer.

          Fast keine Konkurrenz

          Vor dem Verkaufswagen von Klaus Schneider wurde es eng. Er verkaufte so viel Pferdelasagne wie niemals zuvor. An manchem Freitag, Schneider beschickt dann den Markt in Offenbach, waren mittags schon die Pferdewürste ausverkauft. „Das Interesse war riesig“, sagt Schneider.

          Der Mann, der seit 16 Jahren in Pferd macht, ist aber auch in einer komfortablen Lage. Er hat keine Konkurrenz. Zumindest nicht in Hessen und zumindest keine, die sich so wie er auf Pferd spezialisiert hat. Schneider hatte 1975 seine Metzgerlehre abgeschlossen und machte sich bald selbständig mit einem Marktstand. Um sich vom Rest der Branche abzuheben, stieg er um auf Pferd. Deren Fleisch schmeckt kräftig und deftig, ist dunkel und muss lange abhängen, um mürbe zu werden. Alle vierzehn Tage schlachtet Schneider ein Pferd. Meistens kommen die Besitzer direkt auf ihn zu, manchmal wird ihm auch über einen Hufschmied ein Kontakt vermittelt. Anders als bei Rindern oder Schweinen gibt es keine Pferdezucht für die Ernährungsindustrie. Zu Schneider kommen nur geliebte Tiere, denen es acht, zehn oder sogar fünfzehn Jahre richtig gut ging. Getötet werden auch sie wie Rinder mit einem Bolzenschuss.

          Noch immer hat Pferdefleisch ein Imageproblem

          Das Interesse vieler Kunden ebbte, darin unterschied sich der Pferdefleischskandal nicht von anderen Skandalen, einige Wochen nach Bekanntwerden wieder ab. Etwa zehn bis 15 Prozent neuer Stammkunden seien aber hängengeblieben, vermutet Schneider.

          Trotzdem hat Pferdefleisch noch immer ein Imageproblem. Das sagen sowohl der Metzger als auch der Fleischerverband, der den Fleischkonsum der Bürger aufs Gramm genau beobachtet. Der Durchschnittsverbraucher esse demnach jedes Fleisch - davon 30 Kilo Schwein und 25 Gramm Pferd.

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