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Frankfurter Nonbook-Verlag : Wenn alle Teile des Puzzles zusammenpassen

Zwei von vier Verlegern: Florian Koch (links) und Michael Knäbe im Hof des Verlags in Frankfurt-Oberrad Bild: Helmut Fricke

Am Anfang stand ein Zollstock: Der Metermorphosen Verlag aus Frankfurt hat sein Glück mit dem Nonbook-Geschäft gemacht. Nun wird er 20 Jahre alt.

          Der Amboss wiegt 159 Kilogramm. Seit 120 Jahren steht er in der Werkstatt an der Offenbacher Landstraße, einer ehemaligen Schmiede, jetzt Lager und Versandabteilung des Metermorphosen Verlags. Die alte Esse haben die neuen Besitzer ebenso bewahrt wie die Werkbank, die Schleifmaschine und die alten Spinde weiter hinten. Umgeben sind sie von den Waren eines ganz anderen Gewerbes. Auf Paletten stapeln sich die Pappkartons mit den Spielen und Geschenkideen, die Metermorphosen vom Frankfurter Stadtteil Oberrad aus vertreibt.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwanzig Jahre alt wird der Verlag in diesem Sommer, Ende August wird mit Freunden gefeiert. Angefangen hat alles Ende der neunziger Jahre mit dem „Historischen Zollstock“. Einem der vier Gründer, Ingo Kollmann, der damals als Tischler arbeitete, war kurz vor dem Jahr 2000 aufgefallen, dass Zollstöcke 2000 Millimeter lang sind und sich zwei Jahrtausende Geschichte auf ihnen besonders gut veranschaulichen lassen. Mehrere Freunde taten sich zusammen, um die Idee zu verwirklichen, 1999 kam der Zollstock heraus, pünktlich zur Jahrtausendwende. Mehr als zwei Millionen Mal haben er und seine Nachfolgeprodukte sich seitdem verkauft. „Wir hatten von Anfang an ein prächtiges Auskommen damit“, sagt Florian Koch, neben Kollmann einer der Gründer.

          Er, der damals noch auf einer halben Stelle den Buchverlag des Frankfurter Verlags der Autoren leitete, ist als einer von vier Gesellschaftern der Metermorphosen GmbH ebenso dabeigeblieben wie Kollmann und Christoph Kremer, der seinerzeit in einem Architekturbüro arbeitete. Michael Knäbe kam anderthalb Jahre später hinzu, weil die Zahlen so gut waren, dass die Gründer fanden, sie gehörten in die Hände eines ausgebildeten Kaufmanns. Der vierte Gründer und fünfte Verlagsmitarbeiter, Jordi Guasti, war seinerzeit Sprachlehrer und kommt nach wie vor regelmäßig ins Verlagsbüro, ist inzwischen aber eher stiller Teilhaber.

          Profit vom gesteigerten Interesse des Buchhandels

          Vom Erfolg der neuartigen Geschäftsidee des Zollstocks her lässt sich auch der Name des Unternehmens begreifen, der neben dem Maßnehmen auf die Verwandlung, die Metamorphose, verweist. Auch die Selbstbezeichnung als damals noch sehr an Kunden im Buchhandel orientierter „Nonbook-Verlag“ geht auf diese Zeit zurück. Heute nutzen Koch und seine Kollegen das mit dem Begriff der Verwandlung verbundene Vorstellungsfeld für ihren Werbeslogan „Verändert schenken“. Dieses andere Schenken ist mit den Jahren immer erfolgreicher geworden. Und ausdifferenzierter: Machte der Verlag zu Beginn achtzig Prozent seines Umsatzes über den Buchhandel, sind es heute nur noch 30 Prozent.

          Als sie anfingen, kamen sie gerade rechtzeitig für das starke Wachstum des sogenannten Nonbook-Geschäfts. Sie profitierten vom gesteigerten Interesse des Buchhandels an kleinen Nebenbei-Waren, die viele Kunden plötzlich ebenso gerne mitnahmen wie Bücher. Nicht nur Grußkarten und Schreibwaren waren plötzlich verkaufbar, auch allerlei Schnickschnack sorgte für Umsatz.

          Puristischen Beobachtern galt der Boom seinerzeit, begleitet vom Erfolg des Hörbuchs, als besonders klares Niedergangssymptom der Buchbranche, als Beleg für den baldigen Exitus des gedruckten Buches. Dabei hatten Buchhandlungen in Metropolen und auf dem Land schon immer Schulausstattung und Bastelkram im Angebot. Nun kamen Notizhefte und Teetassen hinzu. Und die Waren von Metermorphosen aus Frankfurt.

          Aus Amerika herübergeschwappt

          Geholfen hat dem Verlag auch der gleichzeitige Boom des Museumsshops. Als Koch 1986 gleich nach dem Abitur eine Verlagslehre bei Suhrkamp begann, habe es in deutschen Museen im Grunde nur „Katalogverkaufsstellen mit Postkartenständer“ gegeben, sagt er. Dann sei aus Amerika die Idee des Museumsshops herübergeschwappt. Heute seien Shop und Café oft ein eigener Teil des Gebäudes, architektonisch interessant und im Idealfall auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums zu betreten. „Weil dieser Markt sich so stark entwickelt hat und wir ihn konsequent bedient haben, konnten wir uns ausdehnen. Es ist interessant, das miterlebt und mitgestaltet zu haben.“

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