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Meteorologe Gunther Tiersch : „Ich spreche gerne übers Wetter“

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Was zieht da denn auf? Gunther Tiersch auf dem Dach des ZDF-Sendegebäudes in Mainz Bild: Kühfuss, Patricia

Er weiß, bis wann das Wetter zuverlässig vorhersagbar ist, und hat olympisches Gold geholt. Der ZDF-Chefmeteorologe Gunther Tiersch spricht über extreme Temperaturen, starke Gewitter und seinen frühen Ruhm als Olympia-Sportler.

          Wochenlang war es richtig heiß, ein paar Tage hat es geregnet, jetzt ist es wieder warm. Herr Tiersch, wie gefällt Ihnen dieser Sommer?

          Na ja, wenn es warm ist, wenn man abends im Garten sitzen kann, das gefällt mir schon ganz gut. Aber Temperaturen von 37 und mehr Grad, die muss ich absolut nicht haben. Ich gehe gar nicht groß raus, wenn es so heiß ist. Wenn es hier mehr Seen gäbe, wäre das vielleicht anders. Ich komme aus Norddeutschland, ich liebe das Wasser. Ein freier Tag am See, man springt jede Stunde mal rein: Das ist schön.

          In Teilen Deutschlands, auch im Rhein-Main-Gebiet, hat eine richtige Dürre geherrscht, weite Landstriche sehen aus wie versteppt. Das gab es doch früher nicht?

          Dieser Sommer ist extrem, was das Niederschlagsdefizit in vielen Regionen angeht, das ist gar keine Frage.

          Ist das der Klimawandel?

          Solche Phänomene hat es immer mal gegeben, im sogenannten Supersommer im Jahr 2003, auch 1976. Es ist nur so, dass das jetzt unter Umständen öfter vorkommt.

          Dass es so heiß wird?

          Ja. Es ist ja nicht nur Niederschlagsmangel, der einen extremen Sommer charakterisiert - es gab auch in diesem Juli und in der ersten Augusthälfte Gebiete, in denen es stark geregnet hat. Es ist die Höhe der Temperatur, die in bestimmten Regionen erreicht wird, mit Werten knapp unter und über der 40-Grad-Marke, das ist extrem.

          Ich habe für dieses Gespräch nachgelesen: Die Jahre 2011 und 2012 waren in Deutschland insgesamt besonders regenarm. Im April 2007 hat es so gut wie gar nicht geregnet, und 2014 war dieser Monat besonders warm. Hat sich die klassische Jahreszeiten- und Klimaabfolge verändert? Oder ist das ein von Ausnahmen geprägter Volksglaube?

          Dass sich etwas verändert hat, ist ganz klar. Aber wir erleben auch immer wieder Frühjahrsmonate, den März, den April, in denen es noch zu Spätfrösten kommt. Aber den früher typischen, wechselhaften April mit Graupelschauern und Hagelschauern, mit Wetter, das von Westen her über die Nordsee kommt, den hat es in den vergangenen zehn Jahren selten gegeben. Wir sind grundsätzlich in einem Klimawandel, das lässt sich nicht leugnen.

          Interessant sind ja auch Unwetter und Gewitter. Im einen Ort fallen Bäume um, die Keller laufen voll, ein paar Kilometer weiter passiert nichts. Stimmt die Beobachtung, dass so ein Geschehen immer kleinteiliger wird?

          Das kann ich nicht bestätigen. Ein Gewitter ist meist eng begrenzt. Es kann eine Ausdehnung von vielleicht zehn Kilometern haben, und daneben ist gar nichts, das ist normal. Kleiner werden die Gewitter auf keinen Fall. Was wir aber beobachten, ist, dass sie stärker werden. Sie bringen stärkeren Sturm, mehr Regen, größere Hagelkörner. Und es gibt zunehmend Gewitter mit größerer Ausdehnung, das sind dann Cluster aus vielen kleinen Gewittern. So ein Cluster kann sich leicht über bis zu 100 Kilometer erstrecken. Das gab es zwar schon immer, aber es wird häufiger.

          Stimmt es, dass Gewitter besonders schwer vorherzusagen sind?

          Sie können ein Gewitter nicht lokal vorhersagen, nicht prophezeien, wo genau der Regen runterkommen wird, so weit sind wir noch nicht. Wir können nur sagen, dass eine Gewitterlage herrscht, dass Gewitter über eine Region hinwegziehen. Und die Meteorologie kann in dem Moment, in dem sich ein Gewitter entwickelt, vorhersagen, wie stark es werden wird, dann gehen die entsprechenden Unwetterwarnungen raus.

          Apropos Vorhersage, wie lange im Voraus ist eine hieb- und stichfeste Wetterprognose möglich? Es gibt ja Internetportale mit 16-Tages-Prognosen. Ist das seriös, realistisch?

          Na ja, was ist seriös? Realistisch ist das sicherlich bei bestimmten Wetterlagen. Im Schnitt seriös vorhersagen können Sie das Wetter für einen Zeitraum von vier, fünf Tagen und für danach einen Trend angeben.

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