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Messe Frankfurt : Wachstum im Ausland unaufhaltsam

Von Frankfurt in die Welt: die Messe GmbH ist verstärkt im Ausland tätig. Bild: dpa

Die Messe Frankfurt ist immer stärker in anderen Ländern tätig. Künftig kümmert sie sich sogar um den Kosmetik-Markt in Saudi-Arabien und um die Fitness der Inder.

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          Das wird auch für das international höchst erprobte Management der Messe Frankfurt eine Herausforderung: Mitte Oktober organisiert der Konzern zum ersten Mal eine Kosmetik-Messe im saudi-arabischen Dschidda. Ein riesiger Markt, allein der Umsatz mit Parfüm liegt in dem fernen Staat bei 1,8 Milliarden Dollar im Jahr. Aber die Messe wagt sich damit auch weiter in einen Staat mit sehr eigenen Regeln vor, in dem die Religionspolizei zum Beispiel über Jahrzehnte Make-up in der Öffentlichkeit untersagte. Immerhin: Wenn die dreitägige Kosmetik-Schau Mitte Oktober beginnt, können auch Frauen selbst mit dem Auto zu den Messehallen fahren. Von Juni an ist ihnen endlich das Lenken eines Fahrzeugs erlaubt.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          In Frankfurt ist die Fachmesse Beauty World seit 2010 Geschichte. Es fehlte an Ausstellern, der Markt wird von wenigen Herstellern dominiert. In anderen Ländern aber lebt die Schau fort. Die neue Beauty World Dschidda ist nur eine weitere Ausstellung in den Markenfamilie, zu der auch Messen gleichen Namens an drei Orten in Japan und in Dubai zählen. „Saudi-Arabien birgt ein großes, noch unerschlossenes Potential“, sagt Ahmed Pauwels, der in der Messe das Geschäft in diesem Teil der Welt leitet. Die Zahl der Besucher aus Saudi-Arabien bei der Kosmetik-Messe in Dubai steigt von Jahr zu Jahr. Da lag der Gedanke nahe, es den Gästen leichter zu machen und eine Beauty World in ihrem Heimatland zu organisieren.

          Weltweite Ableger fördern die Bekanntheit

          Die neue Veranstaltung in einem der verschlossensten Länder der Welt wird nicht die größte Schau sein, die die Messe Frankfurt im Ausland organisiert. Aber sie zeigt, wie sich das Geschäft in der Ferne immer weiter entwickelt und bisweilen sogar von Frankfurt löst. Das Auslandsengagement der Messe Frankfurt: Allgemein gilt das als Erfolgsgeschichte. Geboren wurde die Idee, anderswo und damit auf fremden Messegeländen Veranstaltungen nach Frankfurter Vorbild zu organisieren, vor mehr als 30 Jahren aus der Not: Die Textilindustrie wanderte von Europa nach Asien, und Frankfurts Textilmessen mussten mit, wollten sie nicht den Anschluss an die Märkte verlieren. So fand 1987 als erste Auslandsmesse die Interstoff Asia in Hongkong statt. Noch bis zum Jahr 2000 gab es parallel eine Stoffmesse in Frankfurt, dann war damit Schluss. Geblieben ist nur die Fachmesse Heimtextil im Januar, sonst organisiert die Messe Frankfurt Textilmessen vor allem in Fernost, ebendort, wo produziert wird.

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          Inzwischen trägt das Auslandsgeschäft ungefähr ein Drittel zum Umsatz der Messe Frankfurt bei und ungefähr zwei Drittel zum Gewinn. Messe-Chef Wolfgang Marzin wird nicht müde, immer wieder hervorzuheben, diese Veranstaltungen richteten sich nicht gegen Frankfurt, vielmehr stabilisierten sie häufig genug das Geschäft am Stammsitz sogar: Ein Unternehmen, das zunächst in seinem Heimatland auf einer Auslandsmesse seine Produkte zeigt, kommt vielleicht eines Tages auch nach Frankfurt. Und natürlich profitiert die Ausstellung am Main davon, wenn es weltweit Ableger gibt, weil die Marke dadurch bekannter wird. So verhält es sich beispielsweise mit der Fachmesse Automechanika, die alle zwei Jahre in Frankfurt öffnet, zwischendurch aber auch noch in 16 anderen Städten weltweit.

          Die Strategie zielt auf die Kernkompetenz

          Tatsächlich wächst das Auslandgeschäft immer weiter. Im Jahr 2016 kamen zwölf neue Messen im Ausland hinzu, darunter etwa eine Automechanika in Birmingham und eine Fachmesse für Parken in China. Für das vergangene Jahr nennt der Konzern sieben neue Messen, für das laufende gar 20 (siehe Karte). Schaut man sich an, welche Veranstaltungen 2018 erstmals stattfinden, wirkt das auf den ersten Blick wie ein ungeordnetes Sammelsurium. Selbst eine Fitness- und Gesundheitsmesse in Indien ist dabei.

          Marzin legt aber darauf Wert, dass das Auslandsgeschäft einer Strategie folgt, und zwar der, die Kernkompetenzen des Konzerns auszubauen. Frankfurt steht vor allem für technische Messen wie die nächste Woche beginnende Light and Building, sodann für Konsumgütermessen, wofür besonders die Frühjahrsmesse Ambiente steht, wo es alles zu ordern gibt, was sich in einer Wohnung nützlich oder sie schöner macht. Die erwähnten Textilmessen sind eine dritte Kompetenz, 60 Messen dieser Art gibt es weltweit, hinzu kommen noch Mobilität und Logistik, ein Segment, dessen Flaggschiff die Automechanika ist, und ein bisschen Kreativwirtschaft, dabei denkt man vor allem an die Musikmesse, die am 11. April in Frankfurt ihre Tore öffnet.

          Auf all diesen Feldern versucht die Messe Frankfurt auch im Ausland ihr Geschäft auszuweiten. Und so wird dann aus dem vermeintlichen Sammelsurium auf einmal eine Ordnung: Mit der Aufzugs- und Rolltreppenmesse in Indien stärkt der Konzern sein technisches Geschäft, mit der erwähnten Beauty World in Saudi-Arabien seine Kompetenz in den Konsumgütermessen, mit der Leatherworld in Paris das althergebrachte Feld der Textilmessen.

          Risiken und ein unentdeckter Kontinent

          Nicht alle Schauen werden neu entwickelt, manche kauft die Gesellschaft hinzu oder richtet sie überhaupt nur gemeinschaftlich mit einem lokalen Partner aus. Das Geschäft ist nicht ohne Risiko, in Südamerika hat die Messe Frankfurt auch schon Lehrgeld zahlen müssen. Der Einsatz bei der einzelnen Messe ist jedoch in der Regel überschaubar. Manchmal ist man im Ausland sogar weiter als in Frankfurt. Seit Jahren möchte Marzin, dass sich die Messegesellschaft mehr im Sicherheitsgeschäft umtut, doch die erste Schau zu dieser Branche findet nicht in Frankfurt, sondern in Dubai statt. Von dort aus sickert das Thema langsam am Stammsitz ein: gleichzeitig mit der Fachmesse Light and Building findet von Montag an in Frankfurt ein mehrtägiger Kongress namens Intersec-Forum statt, vielleicht wird daraus einmal noch mehr werden.

          Nach neuen Märkten halten die Manager der Messe Frankfurt immer Ausschau; Saudi-Arabien zählt dazu, im Falle Irans haben sich die Hoffnungen vorerst nicht erfüllt. Manchmal fallen auch wieder Auslandsmessen weg, wie eine Textilmesse in Istanbul, die zuletzt 2016 stattfand. Einen unentdeckten Kontinent gibt es auch noch: In Australien ist die Messe Frankfurt bisher nicht tätig. Wenn die Entwicklung so dynamisch bleibt wie in den vergangenen Jahren, wird es aber sicherlich nicht mehr lange dauern, bis auch dieser weiße Fleck von der Weltkarte der Messe Frankfurt verschwindet.

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