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Messe Frankfurt : Wachstum im Ausland unaufhaltsam

Die Strategie zielt auf die Kernkompetenz

Tatsächlich wächst das Auslandgeschäft immer weiter. Im Jahr 2016 kamen zwölf neue Messen im Ausland hinzu, darunter etwa eine Automechanika in Birmingham und eine Fachmesse für Parken in China. Für das vergangene Jahr nennt der Konzern sieben neue Messen, für das laufende gar 20 (siehe Karte). Schaut man sich an, welche Veranstaltungen 2018 erstmals stattfinden, wirkt das auf den ersten Blick wie ein ungeordnetes Sammelsurium. Selbst eine Fitness- und Gesundheitsmesse in Indien ist dabei.

Marzin legt aber darauf Wert, dass das Auslandsgeschäft einer Strategie folgt, und zwar der, die Kernkompetenzen des Konzerns auszubauen. Frankfurt steht vor allem für technische Messen wie die nächste Woche beginnende Light and Building, sodann für Konsumgütermessen, wofür besonders die Frühjahrsmesse Ambiente steht, wo es alles zu ordern gibt, was sich in einer Wohnung nützlich oder sie schöner macht. Die erwähnten Textilmessen sind eine dritte Kompetenz, 60 Messen dieser Art gibt es weltweit, hinzu kommen noch Mobilität und Logistik, ein Segment, dessen Flaggschiff die Automechanika ist, und ein bisschen Kreativwirtschaft, dabei denkt man vor allem an die Musikmesse, die am 11. April in Frankfurt ihre Tore öffnet.

Auf all diesen Feldern versucht die Messe Frankfurt auch im Ausland ihr Geschäft auszuweiten. Und so wird dann aus dem vermeintlichen Sammelsurium auf einmal eine Ordnung: Mit der Aufzugs- und Rolltreppenmesse in Indien stärkt der Konzern sein technisches Geschäft, mit der erwähnten Beauty World in Saudi-Arabien seine Kompetenz in den Konsumgütermessen, mit der Leatherworld in Paris das althergebrachte Feld der Textilmessen.

Risiken und ein unentdeckter Kontinent

Nicht alle Schauen werden neu entwickelt, manche kauft die Gesellschaft hinzu oder richtet sie überhaupt nur gemeinschaftlich mit einem lokalen Partner aus. Das Geschäft ist nicht ohne Risiko, in Südamerika hat die Messe Frankfurt auch schon Lehrgeld zahlen müssen. Der Einsatz bei der einzelnen Messe ist jedoch in der Regel überschaubar. Manchmal ist man im Ausland sogar weiter als in Frankfurt. Seit Jahren möchte Marzin, dass sich die Messegesellschaft mehr im Sicherheitsgeschäft umtut, doch die erste Schau zu dieser Branche findet nicht in Frankfurt, sondern in Dubai statt. Von dort aus sickert das Thema langsam am Stammsitz ein: gleichzeitig mit der Fachmesse Light and Building findet von Montag an in Frankfurt ein mehrtägiger Kongress namens Intersec-Forum statt, vielleicht wird daraus einmal noch mehr werden.

Nach neuen Märkten halten die Manager der Messe Frankfurt immer Ausschau; Saudi-Arabien zählt dazu, im Falle Irans haben sich die Hoffnungen vorerst nicht erfüllt. Manchmal fallen auch wieder Auslandsmessen weg, wie eine Textilmesse in Istanbul, die zuletzt 2016 stattfand. Einen unentdeckten Kontinent gibt es auch noch: In Australien ist die Messe Frankfurt bisher nicht tätig. Wenn die Entwicklung so dynamisch bleibt wie in den vergangenen Jahren, wird es aber sicherlich nicht mehr lange dauern, bis auch dieser weiße Fleck von der Weltkarte der Messe Frankfurt verschwindet.

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