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Messe Frankfurt : Mit der Interstoff Asia fing es an

Am anderen Ende der Welt: Die Interstoff Asia war einst die erste Auslandsmesse des Frankfurter Unternehmens. Bild: Messe Frankfurt

Seit 25 Jahren werden von Frankfurt aus Messen in aller Welt organisiert. Mit einer Textilmesse in Hongkong fing es 1987 an - inzwischen erwirtschaftet die Messe Frankfurt ein Viertel ihres Umsatzes in der Ferne.

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          Das Ende war wenig ruhmreich. Noch Anfang der neunziger Jahre waren auf der Frankfurter Fachmesse Interstoff mehr als 1000 Aussteller von Stoffen gezählt worden, doch im Jahr 2000 zog die Messegesellschaft nach jahrelangem Aderlass die Notbremse: Vier Wochen vor Ausstellungsbeginn wurde die Interstoff kurzfristig abgesagt. Es fehlte schlicht an europäischen Unternehmen, die sich dort präsentieren wollten. Zu einer Neuauflage der Veranstaltung, deren Geschichte im Wirtschaftswunder begonnen hatte, sollte es in Frankfurt nicht mehr kommen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          In den vergangenen Wochen war die Interstoff dennoch Anlass für eine Feier. In Hongkong würdigte die Messe Frankfurt GmbH den 25.Jahrestag der Interstoff Asia, die dort bis heute Jahr für Jahr veranstaltet wird. Die erste Ausgabe dieses Ablegers 1987 markiert zugleich den Beginn des Auslandsengagements des Konzerns, bei dem viele Frankfurter nach wie vor ausschließlich an die Veranstaltungen auf dem Messegelände hinter der Festhalle denken. Heute organisiert der Konzern Messen in zahlreichen Ländern Europas, in Nord- und Südamerika und vor allem in Asien. Meist sind es Varianten großer Frankfurter Messen, etwa der Automechanika, die inzwischen auch in Buenos Aires und Sankt Petersburg stattfindet, manchmal auch Veranstaltungen ohne Anbindung an die Heimatstadt, was etwa für eine Sicherheitsmesse in Dubai gilt, die kein Vorbild in Frankfurt hat.

          Messen müssen den Märkten folgen

          Die Größen variieren erheblich; auf der Automechanika in Schanghai präsentieren sich mehr als 3000 Zulieferbetriebe, eine Kosmetikmesse in Osaka zählt gerade gut 100 Aussteller. Zusammen trugen die Auslandsmessen im vergangenen Jahr 128 Millionen Euro zum Konzernumsatz von 457 Millionen bei, also gut ein Viertel. Der Gewinnanteil wird nicht veröffentlicht, dürfte aber weitaus höher liegen, weil der Wettbewerb der Messeplätze gerade in Deutschland hart ist, der Markt gesättigt scheint und umgekehrt im Ausland kein Messegelände zu unterhalten ist, sondern von Fall zu Fall gemietet wird. Eigentlich wächst die Messe Frankfurt seit Jahren nahezu ausschließlich im Ausland.

          Niemand in der Geschäftsführung der Messe Frankfurt zweifelt daran, dass es 1987 richtig war, einen Ableger der damals noch florierenden Interstoff in Fernost geschaffen und damals den ersten Schritt ins Ausland gemacht zu haben. Messen müssen den Märkten folgen, heißt es, sonst machten andere das Geschäft. Frankfurter Kommunalpolitiker schauen zuweilen skeptisch hin, weil ihnen wichtig ist, dass das Geschäft in der Mainmetropole floriert, damit Hotels, Restaurants und Taxifahrer davon profitieren. Mit einiger Plausibilität kann die Geschäftsführung aber darauf verweisen, dass auch Messen in anderen Metropolen Frankfurt nutzen, weil sie etwa die Messen am Stammsitz bekannter machen. Ohne Auslandsmessen wäre wohl auch der Gewinn, den die GmbH Jahr für Jahr an ihre beiden Anteilseigner, das ist neben der Stadt Frankfurt das Land Hessen, ausschüttet, deutlich geringer. Der Fraport-Konzern geht überdies ähnlich vor, auch er betreibt schon lange nicht mehr allein den Frankfurter Flughafen.

          Die großen Wachstumsraten erzielt die Messe Frankfurt weiterhin anderswo

          Detlef Braun, der in der Geschäftsführung der Messe Frankfurt für die Textilbranche verantwortlich zeichnet, bescheinigt den Vorgängern in den achtziger Jahren Innovationskraft und Weitsicht. Mit 40 Textilmessen in acht Ländern sei man Marktführer bei Fachmessen in dieser Branche. Schwerpunkt der Textilmessen ist Asien, wo die Branche inzwischen ihren Mittelpunkt gefunden hat; die Messe Frankfurt ist mit Veranstaltungen außer in Hongkong auch in Peking, Schanghai, Shenzhen und Guangzhou sowie in Tokio und Bombay präsent. Braun freut sich, dass die Gesellschaft inzwischen die gesamte Wertschöpfungskette von Garn zum fertigen Produkt abdeckt, seit zum Portfolio auch die Ethical Fashion Show in Paris und Berlin sowie der Green Show Room ebenfalls in der deutschen Hauptstadt zählen, beides Modemessen. Frankfurt sind als Flaggschiffe die Heimtextil und die Techtextil geblieben. Vor allem bei den technischen Textilien sieht Braun noch Wachstumsmöglichkeiten. Das sinnfälligste Beispiel für eine solche technische Textilie ist der Sicherheitsgurt im Auto, doch geht es um mehr, Schutzkleidung etwa und Dämmstoffe. Als vielversprechende Märkten nennt er Indien, Südostasien und Russland. Nimmt man alles zusammen, ist die Zahl der Aussteller auf den Textilmessen des Konzerns seit 2000 von 6000 auf 14.000 gestiegen, die der Besucher von 200.000 auf 400.000.

          Wie ausdifferenziert das Angebot für die Textilbranche ist, zeigt die Fachmesse Texcare, die ebenfalls in Frankfurt stattfindet und die Anfang Mai 16000 Besucher anlockte - allesamt Menschen, die ihr Berufsleben der Wäschereinigung verschrieben haben. Mehr als die Hälfte der Besucher kam aus dem Ausland, sie sahen sich Innovationen etwa für Wäschereien von 261 Unternehmen an.

          Doch die großen Wachstumsraten erzielt die Messe Frankfurt weiterhin anderswo. In diesem Jahr soll der Konzernumsatz erstmals mehr als 500 Millionen Euro erreichen. Ohne weitere Zuwächse im Ausland, für die 1987 mit der Interstoff Asia der Grundstein gelegt wurde, wird dies kaum zu schaffen sein.

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