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Messe Frankfurt im Ausland : Land der Kontraste als Hoffnungsmarkt

Die Messe Frankfurt betreibt in Indien eine eigene Tochtergesellschaft. Eine Messe ist die LED Expo in Neu-Dehli. Bild: Messe Frankfurt

Mit einer Tochtergesellschaft in Indien baut sich die Frankfurter Messe ein umfangreiches Netzwerk im Ausland auf. Seit 2010 ist die Zahl der Ausstellungen von vier auf 23 gestiegen.

          In der Megacity Bombay sind die Kontraste stark und für Touristen häufig schwer zu verarbeiten. Hier das neue, schicke 37 Stockwerke hohe Hochhaus nahe den hängenden Gärten, das ein einziger reicher Inder mit seiner Familie bewohnt; dort, in Sichtweite des Luxusbaus, eine große Zahl von Slums, in denen Familien in ärmlichen Verhältnissen auf engstem Raum zusammenleben. Bombay zählt auf seiner Fläche von 400 Quadratkilometern 22 Millionen Einwohner – offiziell. Inoffiziell sollen es weit mehr sein.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In dieser Stadt will eine Gruppe von Unternehmern und Wissenschaftlern aus Frankfurt die Führung der Indien-Vertretung der Messe Frankfurt treffen. Die Reise wurde organisiert von der Standortmarketing-Agentur Frankfurt/Rhein-Main. Während ihrer viertägigen Indien-Tour wirbt die 15 Männer und Frauen umfassende Delegation aus der Rhein-Main-Region bei Unternehmen vor Ort dafür, ihr Deutschland- oder ihr Europa-Geschäft in Frankfurt anzusiedeln. Die Frankfurt/Rhein-Main GmbH, zuständig für das Einwerben von Investoren, hat in Pune, 150 Kilometer von Bombay entfernt, vor fünf Jahren sogar ein eigenes Büro eröffnet.

          Aufbau eines Netzwerks

          Auf der Tour wird den Hessen aufgezeigt, welch ökonomisches Potential in dem Land steckt, das die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt ist und deren 1,3 Milliarden Bewohner im Schnitt knapp über 25 Jahre alt sind. Das hat auch die Messegesellschaft erkannt und Indien zum Schwerpunktland ernannt, wie die Delegation beim Empfang durch den Geschäftsführer der Messe Frankfurt India, Raj Manek, in Bombay erfährt. Warum, das zeigen Zahlen des Messeverbands UFI: So hat sich die vermietete Fläche auf den Ausstellungsgeländen zwischen 2007 und 2014 um 42 Prozent erhöht.

          Schon vor der Gründung der Indien-Tochter habe sich die Messegesellschaft mit dem Markt beschäftigt und Kontakte zu dortigen Unternehmen aufgebaut, heißt es vom Geschäftsführer des Konzerns, Wolfgang Marzin. Das schlägt sich in den Zahlen der Messetochter nieder, die in Bombay 100 und in Neu-Delhi 30 Mitarbeiter beschäftigt: 2010 gab es dort noch vier Ausstellungen, heute sind es 23. Der Umsatz betrug 2011 noch 1,8 Millionen Euro, im vergangenen Jahr erreichte man schon 9,6 Millionen Euro.

          Es fehlt an modernen Messezentren

          Die Messe Frankfurt ist in Indien zum einen mit eigenen Marken präsent, etwa mit der Automechanika und der Heimtextil. Manek erklärt, man akquiriere aber auch andere Veranstaltungen. So wurden mit dem Kauf der LED Expo und der Media Expo, die zuvor bereits in ihren Branchen etabliert waren, gleich fünf Ausstellungen in mehreren Städten erworben. Mit der Übernahme der Aufzugs- und Rolltreppenmesse IEE Expo in Bombay öffnet sich den Frankfurtern ein in Indien dynamischer Markt, für den dort eine durchschnittliche Wachstumsrate von 15 Prozent jährlich prognostiziert wird: Es ist der zweitgrößte Aufzugs- und Rolltreppenmarkt der Welt, der vom anhaltenden Immobilienboom profitiert.

          Ein bremsender Faktor könnten allerdings die Flächen sein, wie Manek erzählt: So fehlten ausreichend moderne Messezentren, die über genügend Platz und eine gut funktionierende Infrastruktur verfügen und internationalen Qualitätsstandards entsprechen. In Bombay existiere nur ein kleines, privat betriebenes Messegelände, „und das platzt schon jetzt aus allen Nähten“. In der Hauptstadt Neu-Delhi gebe es immerhin Bestrebungen der öffentlichen Hand, neue Hallen zu bauen.

          Eine von 23: Die Heimtextil India Messe in Neu-Dehli. Sie gehört zur Tochtergesellschaft der Frankfurter Messe mit Hauptsitz in Mumbai.

          Für die hessische Delegation sind die Kontakte zur Messe Frankfurt durchaus von Nutzen, berichtet Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der die Delegationsreise als Vorsitzender des Aufsichtsrates des regionalen Standortmarketings gemeinsam mit Geschäftsführer Eric Menges anführt. Da die Stadt mit 60 Prozent Mehrheitsgesellschafter der Messe ist – der Rest ist im Besitz des Landes Hessen –, liegen Synergien auf der Hand.

          Feldmann weist darauf hin, dass Vertreter der Region häufig Büros der Messegesellschaft im Ausland nutzten und Kontakte des Konzerns zu dortigen Unternehmen knüpften. „Das funktioniert wirklich gut“, findet er. Beim Mittagessen dann erfahren Menges, Feldmann und Wirtschaftsvertreter wie Frankfurts IHK-Präsident Matthias Müller, dass die Indien-Tochter der Messe künftig mehr auf Kongresse setzen will. „Das ist wichtig, um die jeweiligen Branchen richtig zu verstehen“, sagt Manek.

          Auch die Frankfurt/Rhein-Main GmbH will den komplexen indischen Markt mit seinen vielen Bundesstaaten und Teilmärkten besser verstehen. Die Leiterin des Indien-Büros in Pune, Disha Shah, sagt, dafür seien ein gutes Netzwerk und persönliche Beziehungen ein wesentlicher Faktor, um Kontakte zu indischen Unternehmen zu knüpfen und diese dann von den Vorzügen Frankfurts für die internationale Expansion zu überzeugen. Teil dieses Netzwerks sei die Messe Frankfurt.

          Wie eng die Verflechtungen zwischen Indien und Rhein-Main schon sind, zeigt die für Frankfurt wichtige Konsumgütermesse Ambiente. Im Februar 2019 wird sich dort Indien als Gastland präsentieren. Mit einigen indischen Unternehmern, die die Delegation in Pune und Bombay traf, wird es zu einem Wiedersehen in Frankfurt kommen.

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