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Messe „Expo Real“ : Ein Turm und viele Hürden

Nicht nur über die Münchner Stadtplanung wird auf der Messe „Expo Real“ diskutiert, auch Frankfurt ist mit einem Stand vertreten.

Nicht nur über die Münchner Stadtplanung wird auf der Messe „Expo Real“ diskutiert, auch Frankfurt ist mit einem Stand vertreten. Bild: dapd

Die Renaissance des Wohnungsbaus ist das große Thema am Frankfurter Stand auf der Immobilienmesse Expo Real. Einen euen Büroturm gibt es trotzdem.

          3 Min.

          Zunächst ist die kuriose, eineinhalb Meter hohe Kaffeemaschine einer Anwaltskanzlei der einzige neue Turm am Frankfurter Stand auf der Immobilienmesse Expo Real in München. Der silbern glänzende Nachbau eines Espressogeräts aus den dreißiger Jahren überragt die anderen Ausstellungsstücke. Von neuen Projekten ist nichts zu sehen, zwei altbekannte Architekturmodelle halten respektvoll voneinander Abstand, die im echten Leben nur ein paar Steinwürfe auseinander liegen: das Maintor-Projekt auf dem alten Degussa-Gelände am Main und der Taunusturm im Bankenviertel. Dafür ist ein anderes Thema umso präsenter: der Wohnungsbau.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einzig der Unternehmer Georg von Opel ist doch noch für eine Überraschung gut. Am Katharinenkreisel in der City-West, früher bekannt unter dem Namen Opel-Rondell, will er bis Ende 2014 einen 70Meter hohen Büroturm errichten. Das Gebäude soll den Namen „St.Martin Tower“ tragen, benannt nach dem barmherzigen Soldaten, der seinen warmen Militärmantel mit einem Bedürftigen teilte. Opel hat den Namen „in Sympathie mit dieser historischen Figur“ gewählt. Womöglich ist der Bauherr, der das Grundstück im Erbbaurecht vom St.-Katharinen-Stift übernommen hat und den Bau über die als Familiengesellschaft gegründete HansaAG finanziert, aber einmal selbst auf die Barmherzigkeit der Mieter angewiesen: Dass Opel in der etwas abseitigen Lage ohne Vorvermietung ins Risiko bauen will, kommt für viele überraschend. Sie fragen sich, wie er für den Büroturm neben dem Radisson-Hotel Mieter finden will, zumal der Büromarkt schon bessere Zeiten erlebt hat.

          „Die Zeit der großen, eindimensionalen Themen ist vorbei“

          Der Bauantrag werde in den nächsten Tagen eingereicht, der Bau solle im Frühjahr beginnen, versichert der Bauherr. Das Gebäude sei mit dem Bebauungsplan konform, sagt Andreas Hülsken, Bereichsleiter Rhein-Main des Unternehmens Strabag Real Estate, das als Berater auftritt. Als Generalunternehmer kümmert sich die Firma Züblin um den Bau. Die Architektur stammt von dem Frankfurter Büro Meyer Schmitz-Morkramer, das nach den Worten des Gesellschafters Holger Meyer ein markantes Gebäude mit einer weiß-schwarzen Metallfassade und einem „amerikanischen Vorplatz“ entworfen hat.

          Davon abgesehen, bestimmt ein anderes Thema die diesjährige Messe. „Redevelopment“ lautet das Leitmotiv. Der Stadtplaner Michael Denkel vom Büro Albert Speer&Partner bringt es auf eine griffige Formel: „Die Zeit der großen, eindimensionalen Themen ist vorbei.“ Sie wurden abgelöst von komplexen Aufgaben wie Reurbanisierung, Umwandlung und Nachverdichtung. Diese Komplexität verunsichere die Branche, meint Denkel. Weil die Aufgaben heikler werden, gewinnen juristische Beratung und die Einbindung der Nachbarn an Bedeutung. „Ich gehe nur noch mit dem Anwalt zur Bauaufsicht“, scherzt der Architekt Stefan Forster.

          Ein starker Stand, nicht nur wegen der Würstchen

          Die Stimmung am Stand ist dennoch gelöst: Projektentwickler, Architekten, Stadtplaner, Investoren, Makler - was in der Branche Rang und Namen hat, lässt sich blicken. Für den Anwalt Robin Fritz, Chef der Kanzlei FPS, ist der Frankfurter Stand nach wie vor einer der stärksten auf der wichtigsten deutschen Immobilienmesse. „Und das hat nichts mit den Würstchen zu tun.“ Der Magistrat ist vertreten durch zwei Politiker, die vor einigen Jahren als Fraktionsvorsitzende harmonierten: Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen). Der Oberbürgermeister hatte es nicht für nötig befunden, sich auf den Weg nach München zu machen.

          Die wegen des starken Einwohnerzuwachses zur Neige gehende Flächenreserve lenkt den Blick auf die Innenentwicklung. Denn in Frankfurt stehen nur 30Prozent des ohnehin kleinen Stadtgebiets für Gebäude zur Verfügung, wie Cunitz ausführt. Der Rest sind Acker, Wald, Erholungs- und Verkehrsflächen. Cunitz zieht allerdings nicht den naheliegenden Schluss, dass man auch den einen oder anderen Acker bebauen könnte. In diese Richtung denkt der Projektentwickler Martin Wentz, der in den neunziger Jahren selbst das Planungsdezernat führte: Er rät der Stadt, sie müsse Vorsorge für die nächsten Jahrzehnte betreiben und Grundstücke horten - „auch außerhalb des bebauten Bereichs“. Bei der Baudichte gebe es ebenfalls Grenzen: Die dichtbebaute Kernstadt müsse zu den weniger kompakten Außenbezirken in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Attraktive Flächen würden durch Industriebetriebe blockiert: „Sie liegen falsch. Sie gehören an den Rand der Stadt.“

          „Ich kann das Wort Westend nicht mehr hören“

          Auch in diesem Jahr werde ein beträchtlicher Teil der neuen Wohnungen aus Umwandlungen hervorgehen, erläutert Michael Kummer, der Leiter der Bauaufsicht. Dass sich viele Eigentümer leerstehender Büroruinen immer noch zurückhalten, ist für ihn unverständlich: „Die Alternative zu Wohnen ist nicht Büro, sondern nichts.“ Viele Bauherren konzentrierten sich auch zu sehr auf innenstadtnahe Quartiere: „Ich kann das Wort Westend nicht mehr hören.“

          Weil die Stadtplanung in den vergangenen zehn Jahren, also unter seinem Vorgänger Edwin Schwarz, eher „projektbezogen“ gewesen sei, vermisst Cunitz eine Gesamtstrategie für die Stadtentwicklung - „sonst stehen wir in zehn Jahren in einer Sackgasse“. Der Planungsdezernent hält ein Plädoyer für die Regionalstadt: Eine regionale Flächenentwicklung sei die Lösung.

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