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Merck und Esa : „Clean Meat“ auf der Raumstation

Biotech fürs All: Merck könnte zur Herstellung von künstlichem Fleisch für die ISS-Astronauten beitragen. Bild: dpa

Das Darmstädter Pharmazieunternehmen Merck und die Europäische Weltraumorganisation Esa vertiefen ihre traditionsreiche Kooperation. Im Fokus stehen Innovationen, die auch Astronaut Alexander Gerst interessieren könnten.

          Merck und der Weltraum, das ist eine vergleichsweise alte Verbindung. Gehörte doch vor 50 Jahren der Wirkstoff von Nasivin zur Bordapotheke bei der ersten Mondlandung 1969. So betrachtet, steht die dieser Tage offiziell vollzogene Ausweitung der Kooperation zwischen dem Chemie- und Pharmazieunternehmen Merck und der Europäischen Weltraumorganisation Esa in einer guten alten Tradition. Deren Zweck besteht heute aber nicht mehr darin, Astronauten mit Nasensprays oder -tropfen zu versorgen, die Zusammenarbeit ist deutlich umfassender geplant. Als zentrale Themen nannten Kai Beckmann von der Merck-Geschäftsleitung und der Leiter des Darmstädter Raumfahrtkontrollzentrums Rolf Densing „Innovation“, „Digitalisierung“ und „Materialforschung“.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Merck und Esa hatten förmlich erstmals 2011 eine Partnerschaft vereinbart, die nun verlängert wurde. Wie Densing sagte, basiert die Zusammenarbeit auf gemeinsamen Interessen und hat den Vorteil, dass sie nicht von Wettbewerb geprägt ist. Für die Esa sind solche Kooperationen ein indirekter Hinweis darauf, wie sehr die Mitarbeit von Wirtschaftsunternehmen gewünscht wird. Insbesondere die Kooperation mit einem Dax-Unternehmen wie Merck stelle eine „Adelung“ dar, sagte Densing.

          Versorgung von Astronauten auf der ISS

          Unter dem Stichwort Innovation wollen sich beide Partner mit Biosensorik und Biointerfaces als Schnittstelle zwischen Biologie und Digitalisierung befassen. Durch den Einsatz von Datenanalysegeräten soll eine schnellere und genauere Fernüberwachung und Behandlung von Krankheiten möglich sein. Im Fokus von „Clean Meat“ steht eine Biotechnologie, die womöglich auch Alexander Gerst interessieren könnte – die In-vitro-Herstellung von künstlichem Fleisch zum Beispiel zur Versorgung von Astronauten auf der ISS.

          Big Data, Cloud-Computing und alle Formen der Steigerung von Digitalisierung sind für beide Partner ebenfalls von Interesse – und für die Esa sogar existentiell. Laut Densing fliegen in einem Gürtel rund um die Erde inzwischen 4500 Satelliten, von denen 1500 nicht mehr in Funktion sind, plus Millionen von anderen Müllteilchen. Die Esa verzeichne 100 Kollisionswarnungen am Tag. Die kreisenden Partikel im Auge zu behalten, verlange mehr und mehr den Einsatz selbstlernender Maschinen, also Formen Künstlicher Intelligenz. Ebenfalls eine große Rolle spielt für die Weiterentwicklung der Raumfahrt die Entwicklung hochleistungsfähiger Materialien, zum Beispiel Flüssigkristalltechnologien, bei denen Merck führend ist.

          Der Konzern verfolgt laut Beckmann intensiv die Zukunftsthemen der Raumfahrt, etwa durch Teilnahme an Konferenzen. Im vergangenen Jahr beteiligte sich das Darmstädter Unternehmen als einziger nicht in der Raumfahrt tätiger Teilnehmer am Wettbewerb „Space Exploration Masters“ der Esa. Die Idee des Gewinnerteams war der Einsatz eines Bioreaktors im Weltraum, um das Problem der autonomen Nahrungs- und Sauerstoffversorgung auf einer Mondbasis zu lösen. Natürlich hofft Densing, dass sich bald auch in Kooperation mit der Wirtschaft eine Lösung für den wachsenden Müllberg im Weltall findet. Sonst sei absehbar, dass die Raumfahrt an ihre Grenzen stoße.

          Fast zur gleichen Zeit hat die Technische Universität Darmstadt ihre Kooperation mit der Esa erweitert. Nach dem „Memorandum of Collaboration“ ist als einer der ersten Projekte in einem neuen Forschungslabor im Fachbereich Maschinenbau die Arbeit an „concurrent engineering“ festgehalten, einer vernetzten Produktentwicklung. Die Kooperation von Esa und TU ist als offene Plattform angelegt, an der sich weitere europäische Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft beteiligen können.

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