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Mehr Wettbewerb : Hessen läßt Konkurrenz zum Dualen System zu

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Als erstes Bundesland läßt Hessen bei der Entsorgung und Wiederverwertung von Verpackungsmüll Wettbewerb zu. Mit sofortiger Wirkung kann das Mainzer Unternehmen Landbell in Konkurrenz zum bisherigen Monopolisten Duales System Deutschland (DSD) mit seinem Markenzeichen, dem Grünen Punkt, antreten.

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          Als erstes Bundesland läßt Hessen bei der Entsorgung und Wiederverwertung von Verpackungsmüll Wettbewerb zu. Mit sofortiger Wirkung kann das Mainzer Unternehmen Landbell in Konkurrenz zum bisherigen Monopolisten Duales System Deutschland (DSD) mit seinem Markenzeichen, dem Grünen Punkt, antreten. Wie Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) mitteilte, werde der Verbraucher unmittelbar keine Änderungen spüren. Er hoffe jedoch, daß sich, ähnlich der Entwicklung im Strom- und Telekommunikationssektor, durch den Wettbewerb langfristig auch die Preise bewegten. Dietzel erwartet nach eigenen Angaben, daß das DSD gegen den jetzt erteilten Bescheid nicht klagen wird. Die LandbellAG ihrerseits hofft, daß der Zulassung in Hessen die in anderen Bundesländern wie etwa Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hamburg folgen werde.

          Mit einer Konzession für die Landbell AG hatte sich das hessische Umweltministerium mehrere Jahre beschäftigt; seit Juni 2000 lag der Antrag des Unternehmens auf Mitbenutzung des vorhandenen Verpackungserfassungssystems vor. Landbell will entgegen ursprünglichen Plänen keine eigenen Sammelbehälter aufstellen oder den Verpackungsmüll nach veränderten Kriterien einsammeln. Nach Angaben Dietzels hat die Prüfung des Antrags so lange gedauert ("wir sind mit sehr großer Sorgfalt herangegangen"), weil die Verpackungsverordnung hohe Hürden vorgebe. Der Minister forderte deshalb eine grundlegende Novellierung der Verpackungsverordnung durch die Bundesregierung. Abfallrechtliche Vorgaben müßten mit wettbewerbsrechtlichen Anforderungen harmonisiert werden. Darüber hinaus hatte sich bis zuletzt das DSD in Köln gegen die Zulassung des Konkurrenten gewehrt und noch vor wenigen Wochen rechtliche Bedenken angemeldet.

          Voraussetzung für die Konzessionierung der Landbell AG war, daß alle 29 Landkreise und kreisfreien Städte in Hessen sogenannte Abstimmungserklärungen unterzeichneten, in denen sie sich einverstanden erklärten, daß Landbell neben dem Dualen System zugelassen werden sollte. Damit erfüllte der DSD-Konkurrent die Voraussetzung, daß es in Hessen flächendeckend arbeiten kann. Zudem hat Landbell bereits Verträge mit den vorhandenen Entsorgungsunternehmen unterzeichnet. Wie Landbell-Geschäftsführer Wolfgang Schertz mitteilte, wird das Unternehmen, das rund ein Dutzend Mitarbeiter beschäftigt, nach der Zulassung verstärkt an Markenunternehmen, Produzenten und Verfüller von Verpackungen herantreten, um von ihnen mit der Rücknahme und Verwertung beauftragt zu werden. "Wir sind billiger als DSD", sagte Schertz gestern in Wiesbaden. Landbell werde etwa die hohen Aufwendungen für Öffentlichkeitsarbeit, wie sie die DSD betreibe, nicht haben. Schertz erwartet binnen zwölf Monaten einen Marktanteil "im unteren zweistelligen" Bereich. Derzeit hat das DSD nach Angaben Dietzels in Hessen einen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro. Landbell schätzt den gesamten Markt für Verpackungsmüll in Hessen auf 500 Millionen bis eine Milliarde Euro, da einige Handelsketten derzeit selbst entsorgen.

          Die Landbell AG wurde 1995 gegründet. Mehr als 80 Prozent der Aktien hält Frank Binder, Erbe des Darmstädter Chemieunternehmens Merck. Zwar gelte es zunächst Verlustvorträge abzuarbeiten, sagte Schertz, doch "mit dem ersten Vertrag mit einem Hersteller werden wir Geld verdienen". (mch.)

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