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Kriminalität : Mehr Straftaten aufgeklärt als jemals zuvor

Die Polizei sieht eine positive Entwicklung der Kriminalität in Berlin. (Symbolbild) Bild: dpa

Im Kreis Offenbach, in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis gingen die Fallzahlen zurück. Zusätzlich stieg die Fallaufklärung, wie die Kriminalstatistik 2017 zeigt.

          3 Min.

          Die Zahl der registrierten Straftaten ist im Gebiet des Polizeipräsidiums Südosthessen, das für Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und den Main-Kinzig-Kreis zuständig ist, weiter zurückgegangen. Gleichzeitig gelang es, die bisher schon hohe Aufklärungsquote noch einmal zu steigern. Dies ist die Kernaussage der Kriminalstatistik 2017, die Polizeipräsident Roland Ullmann am Donnerstag in Offenbach vorstellte.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Zum Präsidium gehören 1700 Mitarbeiter, darunter 1450 Polizisten. Sie erfassten im vergangenen Jahr 45 131 Delikte: 2238 Fälle oder 4,7 Prozent weniger als 2016. Dies markiert den tiefsten Stand seit 2001. Die Aufklärungsquote kletterte um 2,7 Prozentpunkte auf den Rekordwert von 64,2 Prozent. Ullmann hob hervor, nie zuvor sei der Sicherheitsstandard in der Region auf einem höheren Niveau gewesen. 2004 sah das noch anders aus: Damals wurden 64 221 Straftaten ausgewiesen, 42,3 Prozent mehr als vergangenes Jahr. Die Aufklärungsquote lag bei 45,4 Prozent und damit 18,8 Prozentpunkte niedriger als 2017.

          Es gibt regionale Unterschiede

          Der hessische Durchschnitt von 6046 Fällen pro 100 000 Einwohner wurde zuletzt im Gebiet des Polizeipräsidiums Südosthessen mit nur 5009 Fällen deutlich unterschritten. Allerdings zeigen sich regionale Unterschiede: Im Kreis Offenbach, in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis gingen die Fallzahlen zurück. Nur in Offenbach war ein leichter Straftatenanstieg zu verzeichnen. Das hatte einen Grund: Weil häufiger kontrolliert wurde, fielen in 1410 Fällen Schwarzfahrer in Bussen und Bahnen auf. Gegenüber 2016 bedeutete dies eine Zunahme um 508 Fälle oder 56,3 Prozent.

          Drei Viertel der Gesamtkriminalität sind einfachen und mittelschweren Straftaten wie Sachbeschädigung, Diebstahl und Betrug zuzurechnen. Schwere Kriminalität, zu der Tötungs-, Rohheits- und Sexualdelikte gehören, kommt auf 13,2 Prozent. Nach drei Jahren, in denen sich jeweils weniger Fälle von Gewaltkriminalität in der Statistik niederschlugen, kam es wieder zu einem leichten Anstieg um 4,1 Prozent auf 1485 Delikte. Die Aufklärungsquote erreichte jedoch ein Allzeithoch von 81,9 Prozent. Noch höher fiel sie mit 94,1 Prozent bei den Tötungsdelikten aus. Von 41 Fällen 2016 ging deren Zahl im vergangenen Jahr auf 34 zurück, darunter 22 versuchte Tötungen.

          Mehr als die Hälfte der Gewaltstraftaten entfällt auf Straßenraub

          Nur noch mit zwei klassischen Banküberfällen musste sich die Polizei 2017 beschäftigen; beide wurden aufgeklärt. Die immer umfangreichere Sicherungstechnik der Geldinstitute führt dazu, dass Täter eher Spielhallen, Geschäfte und Tankstellen überfallen. Mehr als die Hälfte der Gewaltstraftaten entfällt auf Straßenraub sowie gefährliche und schwere Körperverletzung auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen. 204 Fälle von Straßenraub bedeuten einen Anstieg um 17,2 Prozent gegenüber 2016. Allerdings ist dies immer noch der zweitniedrigste Wert seit Bestehen des Polizeipräsidiums Südosthessen.

          In den Städten Offenbach und Hanau registrierte die Polizei mehr gefährliche und schwere Körperverletzungen. In Offenbach nahmen die Delikte um 19 Prozent auf 144 zu, in Hanau um 33,8 Prozent auf 107 Fälle. In Hanau trugen Auseinandersetzungen von Anfang 2017 zwischen Flüchtlingsgruppen und lokalen Heranwachsenden mit Migrationshintergrund in der Innenstadt zum Anstieg bei.

          Auf umfangreiche Kontrollen, gute Ermittlungsarbeit und die Präventionsangebote der Polizei führte Ullmann den Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen zurück: 1260 Fälle sind nicht nur 444 weniger als 2016, sondern bedeuten auch das niedrigste Aufkommen seit 2001. Jeder zweite Einbruchsversuch scheiterte. Auch bei der Internetkriminalität wiesen die Zahlen nach unten. Hier geht es etwa um E-Mails, mit denen sich die Täter Bankzugangsdaten erschleichen, oder um Schadsoftware in E-Mail-Anhängen, mit der die Täter Computer lahmlegen, um ein „Lösegeld“ fürs Freischalten zu erhalten. Hier fielen 2334 Fälle an, 19,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings dürfte es ein großes Dunkelfeld geben.

          1802 Straftaten wurden von Flüchtlingen begangen; das waren 3,4 Prozent weniger als 2016. Dabei wurde in 784 Fällen gegen das Aufenthalts- und das Asylverfahrensgegesetz verstoßen. Dazu summierten sich 209 Körperverletzungen und 174 Diebstähle, von denen sich viele in den Unterkünften der Asylbewerber zutrugen. Außerdem wurden 143 Fälle von Schwarzfahren registriert. 2017 wurden 33 besonders auf- und straffällige Ausländer abgeschoben. Derzeit habe man 61 Angehörige dieses Personenkreises im Blick, denen 1716 Straftaten zur Last gelegt werden, sagte Ullmann.

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