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Das Verbraucherthema : Das Paket kommt zum Wunschtermin

Bestellen und Liefernlassen wird immer bequemer. Die Deutsche Post fährt jetzt auch auf dem Land Pakete abends mit Zeitfenster aus. Doch dieser Service kostet. Das Verbraucherthema.

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          Warten ist für den modernen Konsumenten ein hässliches Wort. Die DVD, das Buch oder das Hemd, das er im Internet bestellt, möchte er schnell zu Hause haben, möglichst in einem eng eingegrenzten Zeitfenster, so dass er nicht den ganzen Tag auf den Paketboten warten muss. Das ist für Berufstätige unter der Woche ja ohnehin nicht möglich.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          So gesehen ist die Abendzustellung der Post-Tochter DHL für viele ein willkommener Service. Seit kurzem gilt das Angebot nicht nur in Ballungsgebieten, sondern im ganzen Land. Auch der Konsument aus Mücke im Vogelsbergkreis kann jetzt also seine Online-Lieferung in ein zweistündiges Zeitfenster am Abend legen, entweder zwischen 18 und 20 oder zwischen 19 und 21 Uhr - immer vorausgesetzt, der Shop, in dem er bestellt, liefert auch über DHL, und er bestellt am Vortag rechtzeitig.

          20.58 Uhr - der Postbote klingelt

          Nach 18 Uhr können Kunden in der Regel nur die Standardlieferung von DHL mit ein bis drei Tagen Laufzeit anklicken. Vor 18 Uhr haben sie die Wahl. Allerdings kostet die Wunschzustellung am Abend extra, in der Regel 4,95 Euro. Die Preise legt jeder Händler selbst fest. Die Post verlangt von ihren Geschäftskunden für die Abendzustellung 3,99 Euro zusätzlich zum vereinbarten Paketpreis.

          Der Kollege aus Frankfurt hat es ausprobiert und im Online-Shop von Peek & Cloppenburg ein Oberhemd bestellt. Um 20.58 Uhr stand der Bote vor der Haustür. Klappt also.

          Bei der Lieferung von Lebensmitteln sind Zeitfenster längst Standard, auch tagsüber. Gerade erst hat auch All you need, der Online-Supermarkt der Deutschen Post, im Großraum Frankfurt zweistündige Lieferintervalle zwischen 10 und 21 Uhr am Abend eingeführt.

          Amazons Angriff auf die Deutsche Post

          Doch es geht noch schneller. Amazon bietet Kunden mit Prime-Status - das Abo kostet 49 Euro im Jahr - neuerdings die Lieferung noch am selben Tag an. Das Angebot gilt aber nur in bestimmten Städten und auch nicht für alle Artikel. Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro. In jedem Fall ist die schnelle Zustellung für Prime-Kunden gratis, ebenso wie der Standardversand mit DHL, DPD, UPS und allen anderen Dienstleistern, die im Auftrag von Amazon liefern.

          Als sicher gilt, dass der Internetriese demnächst auch frische Lebensmittel auf den deutschen Markt bringt. Wie berichtet, sucht Amazon Logistikflächen in Frankfurt. Die Zustellung testet der Konzern inzwischen mit eigenen Subunternehmen, wie etwa dem Frankfurter Start-up Liefery.

          Dessen Kuriere fahren unter anderem auch vom Einkaufszentrum Skyline Plaza, Rewe, Depot oder Sportscheck Einkäufe zu Kunden, wenn diese das wünschen. Im Skyline Plaza kostet das für den Einkauf, den eine Person tragen kann, im Umkreis von 15 Kilometern drei Euro. Doch auch die Standardlieferung läuft heutzutage nicht mehr ins Leere. DHL-Kunden etwa können sich für eine Packstation registrieren, die rund um die Uhr geöffnet ist. Laut Medienberichten plant auch Amazon in deutschen Innenstädten ein eigenes Schließfachsystem, bei dem Kunden über einen Zahlencode die Fächer öffnen. Das wäre ein Angriff auf die Deutsche Post, die einen Großteil der Amazon-Sendungen ausliefert.

          Paketshops sind bequeme Lösung

          In der Regel haben DHL-Kunden auch einen sogenannten Wunschnachbarn, der mal mehr, mal weniger freudig, Lieferungen entgegennimmt. Nicht immer hat sich der Kunde den Nachbarn selbst ausgesucht, manchmal tat das auch die Post für ihn.

          Auch Paketshops sind eine bequeme Lösung. Meistens handelt es sich dabei um den Lotto-Shop oder den Kiosk um die Ecke, deren Inhaber sich mit dem Paketservice noch ein kleines Taschengeld hinzuverdienen.

          Der Kofferraum als Lieferadresse

          Paketkästen im Vorgarten - diebstahlsicher, wie es heißt, und in jedem Fall exklusiv für DHL - sieht man in Frankfurt bisher so gut wie nicht. Die Post richtet sich mit den Kästen, über die auch frankierte Pakete und Päckchen verschickt werden können, an die Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern. Im ländlichen Raum kommen noch sogenannte Garagen-Verträge hinzu. Der Paketbote stellt das Paket an einem versteckten Ort im Garten oder in der Garage ab.

          Und die nächste Zustelllösung ist schon in Arbeit. In diesem Fall machen die Logistiker mit den Autoherstellern gemeinsame Sache. Autos sollen zu mobilen Lieferadressen für Sendungen werden, genauer deren Kofferräume. Autobesitzer und Zusteller verständigen sich über eine App. das Auto wird über eine Tan geöffnet. Versuche laufen sowohl mit Audi als auch mit Smart-Besitzern. Das Smart-Projekt wird im Herbst nach Stuttgart auch auf Köln, Bonn und Berlin ausgeweitet. Frankfurt ist nicht dabei.

          Ein Versuch ist Pflicht

          Immer wieder gibt es Beschwerden von Verbrauchern darüber, dass sie zu Hause vergeblich auf den Paketboten gewartet haben. Ärgerlich ist das dann, wenn sie einen Abholzettel im Briefkasten vorfinden, was den Verdacht weckt, dass der Zusteller erst gar nicht geklingelt hat.

          So etwas sollte man beim Dienstleister reklamieren, empfehlen Verbraucherschützer. Denn ein ernsthafter Zustellversuch ist Pflicht. Ist der Empfänger nicht zu Hause, muss der Kunde darüber benachrichtigt werden, wo sich das Paket befindet, und dass es eine Ersatzzustellung gibt.

          Die Abgabe bei einem Nachbarn oder in einem Paketshop ist dann hinzunehmen. Grundsätzlich haben Verbraucher auch keinen Anspruch auf ein konkretes Lieferdatum. Wer seine Ware schneller haben will, muss dafür extra zahlen. Der Händler bestimmt, mit wem er liefert.

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