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Zahl der Berufsschüler steigt : Frankfurt ordnet berufliche Bildung neu

Die Stadt Frankfurt möchte die Berufsschul-Landschaft umstrukturieren. (Symbolbild) Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Zahl der Berufsschüler wird vermutlich auch in den nächsten Jahren zunehmen. Deshalb werden einige Frankfurter Schulen vergrößert. Außerdem sind zwei Neubauten geplant.

          Die Stadt Frankfurt beabsichtigt, ihre Berufsschul-Landschaft in den nächsten Jahren grundlegend umzustrukturieren. Einige Schulen sollen wachsen, andere schrumpfen, es sind zwei große Neubauten geplant, Schulen mit verwandten Fachrichtungen sollen kooperieren, und der Bildungsgang berufliches Gymnasium soll ausgebaut werden. Unter anderem ist vorgesehen, für die Paul-Ehrlich-Schule und die Ludwig-Erhard-Schule in Unterliederbach einen gemeinsamen Campus zu bauen und für die bisher im Nordend angesiedelte Berta-Jourdan-Schule einen großen Neubau an einem anderen Standort zu errichten.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Geregelt wird die Zukunft der beruflichen Bildung im sogenannten Schulentwicklungsplan B (SEP-B), den der Magistrat gestern beschlossen hat. Damit er in Kraft tritt, müssen die Stadtverordneten ihm noch zustimmen, und das Kultusministerium muss ihn genehmigen. Entstanden ist das Planungswerk in einem vor drei Jahren begonnenen Abstimmungsprozess mit den 16 beruflichen Schulen sowie Vertretern von Wirtschaft, Gewerkschaften und Verwaltung. Ausgangspunkt war die Prognose, dass die Zahl der Berufsschüler in den nächsten zehn Jahren um rund 3000 zunehmen wird.

          Zu den Bildungsstätten, die schon jetzt unter Raumnot leiden, zählt die Berta-Jourdan-Schule, an der unter anderem Nachwuchskräfte für Kindertagesstätten sowie soziale und pflegerische Berufe ausgebildet werden. Sie wurde schon in der Vergangenheit erweitert, kann sich am jetzigen Standort aber nicht mehr entwickeln und soll deshalb umziehen. Die Fachkräfte würden nicht zuletzt von der Stadt selbst, zum Beispiel in der Kinderbetreuung, dringend benötigt, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), die für den Plan federführend ist.

          Neubaukomplex für mehr als 3000 Schüler

          Einen Standort für einen Neubau der Jourdan-Schule gibt es laut Weber noch nicht, dafür stehe fest, was mit dem bisherigen Gebäude geschehe: Es werde als neuer Sitz der Wilhelm-Merton-Schule dienen, einer kaufmännischen Schule, die bisher in Bornheim ansässig ist und ebenfalls hohen Raumbedarf hat. Als dritte Schule ist die ebenfalls in Bornheim beheimatete Stauffenbergschule an dem Ringtausch beteiligt. Sie soll künftig das Gebäude der Merton-Schule nutzen, womit ihr bisheriger Standort für eine allgemeinbildende Schule zur Verfügung stünde.

          Eine umfassende Weiterentwicklung sieht der Schulentwicklungsplan B auch im Westen der Stadt vor: Dort besteht Handlungsbedarf bei der Paul-Ehrlich-Schule, deren Schwerpunkt die chemisch-physikalische Technik ist, und der Ludwig-Erhard-Schule, die für Handel, Bürowirtschaft und Verwaltung ausbildet. Die Schulen, die seit langem unter dem schlechten Zustand ihrer Gebäude leiden, sollen einen gemeinsamen Neubaukomplex für mehr als 3000 Schüler bekommen.

          Julius-Leber-Schule hat zu wenig Platz

          Dem Vernehmen nach handelt es sich bei dem Standort um ein bisher unbebautes Gelände an der Hermann-Waibel-Allee in Unterliederbach, das zum größeren Teil Infraserv und zum kleineren Teil der Stadt gehört. Von der auch inhaltlichen Kooperation der gewerblich-technischen und der kaufmännischen Schule erhofft Weber sich Synergieeffekte und „einen starken Impuls für die berufliche Bildung im Frankfurter Westen“. Dazu gehöre auch, dass die Erhard-Schule von 2024 an wieder Schüler im Bildungsgang berufliches Gymnasium aufnehmen könne.

          Die mit rund 3000 Schülern derzeit größte berufliche Schule ist die Julius-Leber-Schule. Auch sie hat an ihrem Standort am Friedberger Tor zu wenig Platz und soll sich dem Plan zufolge auf das benachbarte Gebäude der früheren Stoltzeschule ausdehnen dürfen. Überdies soll die Leber-Schule eine Kooperation mit der Berta-Jourdan-Schule und der Klingerschule, einem in der Nähe gelegenen beruflichen Gymnasium, eingehen. So sei es möglich, die Schwerpunkte Gesundheit, Pflege und Soziales zu stärken, sagt Weber. Zudem könne die Klingerschule ihr Spektrum erweitern und das Abitur auch mit Fokus auf Erziehungswissenschaften anbieten.

          Eine weiterer Berufsbildungs-Cluster soll im Ostend entstehen. Dort nutzen die Bethmannschule, die Volkshochschule und das Abendgymnasium schon heute eine gemeinsame Liegenschaft, die sie zu einem „Bildungscampus für Erwachsene“ weiterentwickeln sollen. Ein nicht örtlicher, sondern „virtueller Bildungscampus“ ist für die Medienberufe geplant: Die Gutenbergschule, die Stauffenbergschule und die Werner-von-Siemens-Schule sollen laut SEP-B digitale Kooperationsformen etwa über Lernplattformen und in schulübergreifenden Lehr- und Lernarrangements erproben. Zusammenarbeiten soll überdies die Philipp-Holzmann-Schule mit der Heinrich-Kleyer-Schule, um so deren berufliches Gymnasium um Schwerpunkte Bau- und Umwelttechnik zu erweitern.

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