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Uhrenhersteller baut Fabrik : Mehr Platz für Sinn

Dachterrasse inklusive: Der Neubau von Sinn Spezialuhren als Simulation Bild: Sinn

Dem Frankfurter Uhrenhersteller Sinn ist es am angestammten Sitz im Stadtteil Rödelheim schon lange zu eng. Nun zieht Inhaber Lothar Schmidt die Konsequenzen.

          3 Min.

          Viele Monate hat Lothar Schmidt einen anderen Standort für seine Fabrik gesucht. Denn der Unternehmenssitz der Uhrenmanufaktur Sinn in Rödelheim bietet längst nicht mehr genügend Platz für die gut 100 Mitarbeiter. Nun ist Inhaber Schmidt fündig geworden. Und zwar in Sossenheim. Ende des nächsten Jahres will der Hersteller mechanischer Uhren an der Wilhelm-Fay-Straße seine neue Zentrale beziehen, wie er dieser Zeitung mitteilte. Zehn Millionen Euro soll der Neubau kosten, der noch errichtet werden muss. Er wird, wie es bei der Sinn Spezialuhren GmbH weiter heißt, mehr als doppelt so viel Platz bieten wie der Sitz in Rödelheim.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Neubau ist ein weiterer Ausweis des Expansionskurses des Mittelständlers. Die Firma hat in den vergangenen Jahren sowohl auf dem deutschen Markt als auch im Ausland trotz der namhaften Konkurrenz vor allem Schweizer Marken ein stabiles Wachstum erzielt. Die neue Zentrale soll „das Unternehmen auf eine zukunftsfähige Basis stellen“. Vor gut einer Woche erst nahm die Firma ihre Niederlassung am Römerberg feierlich in Betrieb. Mit der ersten Filiale überhaupt will Sinn nicht nur Stammkunden den Weg nach Rödelheim ersparen, zumal es dort, an der Straße Im Füldchen, kaum Parkplätze gibt. Parken können Kunden zwar vor dem Ladenlokal im „Haus zum goldenen Rad“ auch nicht, doch liegen mehrere Parkhäuser in der Nähe.

          Neue Kundengruppen im Sinn

          Vor allem erreicht die Firma aufgrund der zentralen Lage potentielle Käufer, die es gemeinhin nicht nach Rödelheim verschlägt: Touristen aus China, Japan und den Vereinigten Staaten etwa. Dieses Kalkül scheint aufzugehen, zumindest ist der Verkauf nach Aussage einer Sprecherin vielversprechend angelaufen.

          In Rödelheim hat Sinn schon lange keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr. 1950 Quadratmeter stehen dort zur Verfügung - das klingt für eine Manufaktur erst einmal nicht nach wenig. Doch der alte Firmensitz ist ziemlich verwinkelt; zudem nutzt der Hersteller seit langem jeden noch so kleinen Raum. „Wir platzen hier aus allen Nähten. Wenn man hier durchläuft, sieht man, dass etwas geschehen muss“, sagte Schmidt im November, als er erstmals öffentlich über seine Neubaupläne sprach.

          Dass auch die künftige Fabrik in Frankfurt stehen werde, war von vornherein klar. „Wir gehen nicht raus aus Frankfurt.“ Zwar lockt Eschborn mit einem niedrigeren Gewerbesteuersatz, der schon die Deutsche Börse zum Umzug veranlasste. Doch der Sinn-Chef hat nach eigenen Worten nicht einmal nachgerechnet, wie groß der Unterschied wäre. Schließlich ist das 1961 von Helmut Sinn ins Leben gerufene Unternehmen eng mit Frankfurt verbunden. Dies teilt Sinn auch per Visitenkarte mit: „Spezialuhren zu Frankfurt am Main“ ist darauf zu lesen.

          14.000 Uhren im Jahr

          Die künftige Zentrale wird auf einem 7000 Quadratmeter großen Grundstück stehen. Für Produktion und Montage der Uhren sieht der Bauplan alles in allem 4650 Quadratmeter vor. Das ermöglicht Sinn eine größere Fertigungstiefe, also mehr Arbeiten an Uhrenteilen selbst zu erledigen als bisher. Auf jeden Fall wird die Firma nach eigenen Angaben ihre Produkte auf einer größeren Fläche zeigen können als derzeit und im Direktvertrieb an die Kundschaft bringen. Wie jetzt in Rödelheim und am Römerberg werden die Interessierten auch mit Uhrmachern sprechen können und entsprechend fachlich beraten werden.

          Schmidt will in Sossenheim ein zweieinhalbgeschossiges Fabrikgebäude mit Dachterrasse errichten. Der Neubau wird laut Sinn auf Energieeffizienz getrimmt sein und den strengen Auflagen der Energiesparverordnung mehr als gerecht werden. Im Zentrum des Hauses soll sich ein Atrium mit Glasdach befinden. Darin sieht Sinn ein perfektes Umfeld für die Unternehmenspräsentationen und Besucherführungen. Für die Mitarbeiter und Kunden werden 75 Parkplätze zur Auswahl stehen. Außerdem ist das Gewerbegebiet Wilhelm-Fay-Straße mit den Bussen der Linie 56 und über die S-Bahn-Station Eschborn-Süd erreichbar. An dieser Straße sind unter anderem schon die Frankfurter Niederlassung des IT-Konzerns IBM und der Kundenservice der Deutschen Telekom vertreten.

          Sinn baut Flieger- und Taucheruhren sowie Chronographen und Einsatzzeitmesser. 14.000 Stück im Jahr kommen aus Rödelheim. In den Gehäusen ticken Werke Schweizer Hersteller wie Eta und Sellita. Sinn veredelt Werke mit eigenen Entwicklungen wie dem Magnetfeldschutz und einer Trockenhaltetechnik. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Aachen hat Sinn den Technischen Standard Fliegeruhren (Testaf) entwickelt.

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