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Ladestationen für E-Bikes : Mehr Energie für den Spessart-Tourismus

Angebote für Radler: Schon jetzt gibt es im Spessart einen „Flowtrail“ für Mountainbiker. Bild: Spessart Tourismus & Marketing G

Umworbene Radler: Auf bayerischer und hessischer Seite soll im Rahmen des Projekts „Wald erFahren“ das größte Netz an Ladestationen für Elektroradfahrer entstehen. Auch die Ladekabel werden bereitgestellt.

          3 Min.

          Der Spessart bietet eine wunderbare Landschaft, aber ob auf der bayerischen oder auf der hessischen Seite, er stellt Wanderer wie Radfahrer durch seine Steigungen vor Herausforderungen. Mittlerweile durchziehen gut begeh- und befahrbare Wege den Spessart und seitdem es Fahrräder mit Elektroantrieb gibt, können auch Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, die Höhen bewältigen und für sie bisher unbekannte Seiten des malerischen Mittelgebirges erkunden. Damit die Radfahrer mit Elektroantrieb unterwegs nicht plötzlich mit hohem Kraftaufwand in die Pedale treten müssen, ist eine gute Ausstattung der Wege mit Lademöglichkeiten erforderlich. In diesem Punkt hat bisher die bayerische Seite die Nase vorn.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Mit seinem Projekt „Wald erfahren“ setzt der Tourismusverband Spessart-Mainland seit dem Jahr 2017 Maßstäbe. Vier Tourismusorganisationen – Kommunale Allianz Spessart Kraft, Kahlgrund-Spessart, Allianz Südspessart sowie Kommunale Allianz West Spessart – bauten ein nach eigenen Angaben in Deutschland einzigartiges Netz an Ladestationen im bayerischen Spessart auf. Die Geräte können von Elektrofahrrad- und Pedelec-Fahrern kostenlos genutzt werden. Angebunden sind die Stationen an Netzwerkpartner wie Gaststätten oder Tourismusanbietern. Bei ihnen können sich die Nutzer an vielen Stunden der Woche ein Ladekabel ausleihen, mit dem ihr Akku in etwa einer Stunde weitgehend vollständig aufgeladen werden kann. Das sonst häufig erforderliche schwere Heimladegerät müssen die Fahrradfahrer nun nicht mehr mit auf die Tour nehmen.

          Ausgezeichnetes Projekt

          Zu Beginn installierte Spessart-Mainland 50 Ladestationen in 25 Projektkommunen, jetzt wird die Ladeinfrastruktur nach den Worten von Geschäftsführer Michael Seiterle auf 84 Stationen erweitert. „Wald erFahren“ sei damit das größte flächendeckende E-Bike-Ladeinfrastrukturprojekt Deutschlands. Es habe schon zahlreiche Auszeichnungen wie den ADAC-Tourismuspreis und das „Goldene Pedal“ des ADFC erhalten.

          Anlass, das zu verkünden, gab der Besuch bei der Tourist-Information am Bad Orber Kurpark. Dort steht neuerdings ebenfalls ein solch praktisches Ladegerät. Die beiden Kurorte im Main-Kinzig-Kreis, Bad Orb und Bad Soden-Salmünster, wollen dem bayerischen Vorbild folgen und die Ladeinfrastruktur in und um ihre Orte deutlich ausbauen. Neben der Ladestation am Bad Orber Kurpark gibt es Auflademöglichkeiten nun auch im Haseltal bei Bad Orb sowie an der Spessart-Therme in Bad Soden-Salmünster und an der Gaststätte „Zum Jossatal“ im Spessartdorf Mernes, einem Ortsteil von Bad Soden-Salmünster. Möglich macht diesen bayerisch-hessischen Schulterschluss laut Dirk Thom, Geschäftsführer der Kurgesellschaft Bad Orb, die Mitgliedschaft der beiden Kurstädte im Verband Spessart-Mainland, in dessen Verantwortung auch weiterhin die Vermarktung des Projekts liegt.

          Stationen entlang beliebter Routen

          So besteht eine eigene Website im Internet (www.walderfahren.de), außerdem gibt es Broschüren und Flyer mit ausgewählten Tourenvorschlägen, die um hessische Angebote erweitert werden sollen. Die beiden Spessart-Kurorte sehen nach den Worten von Stefan Ziegler, Kurdirektor von Bad Soden-Salmünster, in dem Angebot der Ladestationen ein großes Potential, mehr Radfahrer für einzelne Touren oder mehrtägige Übernachtungsaufenthalte anzulocken. Es ergänzt Thom zufolge unter anderem den Flowtrail Bad Orb für sportliche Mountainbike-Fahrer sowie die geplante “Spessart 8“, einen auf beiden Seiten der Landesgrenze geplanten Mountainbike-Rundweg mit einer Länge von bis zu 280 Kilometern. Die Ladestationen entlang vorhandener Fahrradrouten würden dazu beitragen, neue touristische Zielgruppen zu erschließen. Geplant sei, weitere Orte im gesamten Gebiet des Main-Kinzig-Kreises in das Projekt einzubinden. Voraussetzung sei die Mitgliedschaft bei Spessart-Mainland.

          Gefördert wird die Aufstellung der Ladestationen von Spessart-Regional, einer Förderinitiative des Hessischen Umweltministeriums. Lokale Aktionsgruppen sollen mit den Geldern Kleinprojekte im Rahmen ihrer regionalen Entwicklungskonzepte verwirklichen. Dazu zählt auch das Handlungsfeld „Tourismus und Naherholung“. Für die ersten Ladestationen erhielten die beiden Kurorte insgesamt rund 22.000 Euro. Damit stammten aus dem Regionalbudget von Spessart regional 80 Prozent der Gesamtkosten. Die übrigen 20 Prozent übernehmen die Kommunen. Spessart regional beteiligte sich zudem an den Kosten für die Erarbeitung erster Tourenvorschläge rund um die Kurorte, die als GPS-Tracks aus dem Netz heruntergeladen werden können.

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