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Bauland in Rhein-Main : Vereint für den Wohnungsbau

Das Ende der grünen Wiese: Wer Äcker mit Wohnungen bebauen will, erntet oft einen Sturm der Entrüstung. Bild: Wonge Bergmann

22 Verbände und Institutionen appellieren an die Politik, mehr Bauland im Rhein-Main-Gebiet bereitzustellen. Lob gibt es nur für Bad Vilbel und Friedrichsdorf.

          3 Min.

          Es sind Variationen eines Themas. Die Vertreter der 22 Verbände und Institutionen, die in der Frankfurter Industrie- und Handelskammer zusammengekommen sind, werben mit unterschiedlichen Worten für das gleiche Ziel: Die Region brauche dringend mehr Bauland, um den großen Bedarf an Wohnraum zu decken. Mit einer Resolution appellieren sie an Landräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister und andere Körperschaften, sich stärker für die Ausweisung von Bauland einzusetzen. Außerdem kündigen sie an, die Politiker in diesem Bestreben aktiv und öffentlich zu unterstützen.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir machen uns Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region“, sagt IHK-Präsident Ulrich Caspar und erläutert, dass die Einwohnerzahl im Ballungsraum in den vergangenen zehn Jahren um 350.000 Menschen gewachsen ist. Da viele Beschäftigte keine Wohnung in der Nähe finden und weite Strecken bis zur Arbeit zurücklegen müssen, sei auch die Verkehrsinfrastruktur an der Belastungsgrenze angelangt. „Man sollte Baumöglichkeiten in der Nähe der Einpendlerstädte schaffen“, sagt Caspar und nennt Frankfurt, Offenbach und Eschborn. Die Vorbehalte von Umweltschützern, die eine Bebauung von Ackerflächen ablehnen, seien gegen die Bedürfnisse der Wohnungssuchenden abzuwägen. „Uns geht es um Flächenrecycling. Es gibt keinen Mangel an Nahrung, sondern an Wohnraum.“

          Bedarf nicht nur durch Verdichtung decken

          Unter den Unterzeichnern der Erklärung sind nicht nur Wirtschaftsverbände aus Bau, Industrie, Handwerk, Einzelhandel und dem Gastgewerbe, die sich um den Fachkräftemangel sorgen, sondern auch Mieterschützer, Hauseigentümer, Gewerkschaften und drei Hochschulen. Wie Frank Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Sciences, ausführt, der stellvertretend auch für die Goethe-Universität und die Frankfurt School of Finance spricht, gibt es allein in Frankfurt mehr als 70.000 Studenten und mehrere tausend wissenschaftliche Mitarbeiter, die sich zu einem großen Teil auf dem freien Wohnungsmarkt versorgen müssen. Unter den hohen Wohnungspreisen leide vor allem der wissenschaftliche Nachwuchs.

          Verschiedene Vertreter sprechen sich dafür aus, die Städte und Kommunen noch stärker zu verdichten. Die Stadt Frankfurt handele dabei aber noch zu restriktiv und schränke das Potential unnötig ein, meint Nikolaus Jung, Geschäftsführer von Haus & Grund in der Mainmetropole. Der Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer, Martin Kraushaar, meint jedoch, dass der hohe Bedarf an Wohnraum nicht allein durch Nachverdichtung gedeckt werden könne. „Es muss beides geben: Wir müssen auch Bauland ausweisen.“ Die Vorsitzende des Mieterschutzvereins, Sigrid Zielenbach, mahnt, dass sich durch eine stärkere Verdichtung die Verhältnisse in den schon bestehenden Wohnungen nicht verschlechtern dürften.

          Bezahlbaren Wohnraum schaffen

          Wegen der hohen Wohnungspreise gibt es beispielsweise in der Hotellerie und der Gastronomie schon Engpässe bei der Suche nach Mitarbeitern. Philipp Jacks, Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds in der Region, wünscht sich, dass Fachkräfte und Geringverdiener wieder bezahlbaren Wohnraum finden. „Wer in der Region arbeitet, muss auch hier leben können.“ Gegnern einer stärkeren Versiegelung entgegnet er, lange Pendlerwege seien noch schädlicher für die Umwelt. Jacks ruft die Kommunen dazu auf, ihre Grundstücke nicht zum Höchstpreis, sondern in Konzeptvergabe oder Erbpacht zu vergeben, um die Wohnungspreise zu senken. Auch Axel Tausendpfund, Vorstand des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, will die Grundstückskosten eindämmen. „Auf teurem Grund und Boden kann kein günstiger Wohnraum entstehen“, sagt er und fordert das Land dazu auf, die Kommunen bei den Folgekosten für Kitas und Schulen zu unterstützen. Es mangele nicht an hochpreisigem Wohnraum: „Es müssen die richtigen Wohnungen entstehen, für Durchschnittsverdiener und Menschen mit geringen Einkommen.“

          Mit der gemeinsamen Erklärung verbindet Caspar die Botschaft an die Politik, dass der Appell für mehr Wohnraum aus der „Mitte der Gesellschaft“ kommt. Viele Unterzeichner seien bereit, bei öffentlichen Diskussionen für mehr Bauland zu werben. Der Regionalplan sehe große Flächen für den Wohnungsbau vor, von denen jedoch nur ein kleiner Teil tatsächlich als Bauland ausgewiesen werde. Das Land solle den kommunalen Finanzausgleich zugunsten von Kommunen ändern, die Bauland schaffen. Als Vorbilder nennt er Bad Vilbel und Friedrichsdorf. „Wenn alle Kommunen so handeln würden, hätten wir nicht diese Probleme.“

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