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Medizinisches „Leuchtturmprojekt“ in Not : Partikeltherapie in Marburg läuft Zeit davon

  • Aktualisiert am

Hochmodern, teuer, aber bisher nur für Forschungszwecke eingesetzt: Partikeltherapieanlage in Marburg Bild: Rüchel, Dieter

Von „zentraler Bedeutung“ ist die Partikeltherapie in Marburg für Schwarz-Grün in Hessen. Doch arbeitet die hochmoderne Anlage weiter nicht. Ihr Erfinder nennt die Lage „deprimierend“. Denn die Zeit wird knapp.

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          Ende des Jahres läuft die Frist ab, die Partikeltherapie-Anlage zur Behandlung von Gehirntumoren in Marburg zum Laufen zu bringen. Ob die Rettung aus Heidelberg kommt, darüber wird noch immer verhandelt. „Wir sind in Gesprächen“, sagte eine Sprecherin des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Verhandlungen zur Zukunft der Marburger Partikeltherapie werden zwischen Heidelberg, dem Land Hessen und der Rhön-Klinikum AG schon seit Monaten geführt. Hersteller Siemens ist auch beteiligt. Details drangen bislang nicht nach außen. Auch gut zwei Wochen vor Fristablauf heißt es von den Beteiligten nur: „Die Gespräche gehen unvermindert weiter.“

          In Heidelberg wird diese Form der Krebstherapie schon länger eingesetzt. Die Anlage dort dient einerseits der Forschung, andererseits der Behandlung von Patienten. Sie gilt als  ausgelastet - sowohl Forscher als auch Behandler könnten von einer Ausweitung der Kapazitäten profitieren. In welcher Form sich die Uni-Klinik Heidelberg in Marburg beteiligen könnte, ließ die Sprecherin offen. Es gehe auch um den Transfer von Know-how.

          Von „zentraler Bedeutung“

          Der Start der Partikeltherapie in Marburg ist nach Aussage von CDU-Generalsekretär Peter Beuth für eine künftige schwarz-grüne Landesregierung von „zentraler Bedeutung“. Beide Parteien wollten Mittelhessen als Forschungsstandort stärken, sagte Beuth in Wiesbaden. CDU und Grüne stellten weitere Details aus ihrem geplanten Koalitionsvertrag vor.

          Die Parteien vereinbarten nach Beuths Worten, weiter nach Lösungen für die Probleme am 2006 privatisierten  Universitätsklinikum Gießen-Marburg zu suchen. Das Thema sei aber zu komplex, um es im Koalitionsvertrag einzubinden. „Wir müssen zuerst einmal mit dem arbeiten, was da ist an Fakten“, sagte der Grünen-Politiker Kai Klose.

          Erfinder: Gezerre deprimierend

          Das Land hatte zum Februar 2006 das Klinikum zu 95 Prozent an die Rhön Klinikum AG verkauft. In der Opposition hatten die Grünen zusammen mit der SPD einen Rückkauf des Klinikums ins Gespräch gebracht. Auch die CDU hatte sich zeitweise mit dem Betreiber unzufrieden gezeigt. Der Vertrag sehe grundsätzlich einen Ausstieg vor, sagte Klose. Jetzt müsse man sich aber die „Faktenlage“ anschauen.

          Als „deprimierend“ hat derweil der Vater der Ionen-Therapie zur Behandlung von Gehirn-Tumoren das Gezerre um die Partikeltherapie in Marburg bezeichnet. Gerhard Kraft, Biophysiker am GSI Helmholtzzentrum für
          Schwerionenforschung in Darmstadt, glaubt nicht, dass die Anlage wirklich abgebaut werden muss. Seiner Meinung nach „müsste es möglich sein, die Anlage kostendeckend zu betreiben“, sagte er im Interview der
          Nachrichtenagentur dpa.

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