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Partyszene in Frankfurt : Auf dem Matthias-Beltz-Platz soll es ruhiger werden

Freiluftparty: Gute Stimmung auf dem Matthias-Beltz-Platz Bild: Marcus Kaufhold

Auf dem Matthias-Beltz-Platz in Frankfurt soll es in Zukunft ruhiger werden. Stadt und Gastronomiebetriebe wollen die Freiluftpartys in der Corona-Krise reduzieren.

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          Die ausufernde Partyszene auf dem Matthias-Beltz-Platz soll künftig ruhiger feiern, die Stadtteilpolitiker des Nordends haben dazu ein Maßnahmenpaket beschlossen. Ziel sei, zu verhindern, dass die Situation auf dem Quartiersplatz eskaliert. „Wir wollen keine Stuttgarter Verhältnisse“, sagte Ortsvorsteherin Karin Guder (Die Grünen) und spielte damit auf die Ereignisse in der baden-württembergischen Landeshauptstadt an, wo ein Mob junger Männer vor gut einer Woche gewalttätige Ausschreitungen angezettelt hatte.

          Bernd Günther
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Was die Bürger am Matthias-Beltz-Platz seit Wochen mitmachen müssen, ist nicht schön“, sagte Guder. Die Stadtteilbürgermeisterin hat sich die Klagen der Anwohner angehört: Die täglichen Feiern sorgten für ständigen Lärm, bis in die Nacht hielten sich Gruppen auf dem Platz auf, redeten, lachten und hörten Musik. Mit dem Alkoholpegel steige der Lärmpegel. Hauseingänge, Toreinfahrten und Hinterhöfe würden als Toiletten missbraucht. Zudem sei beobachtet worden, dass Drogen gehandelt und konsumiert würden, sagte Guder.

          Die Situation ist nicht neu: Seit Jahren zählt der Platz an der Friedberger Landstraße zusammen mit dem nicht weit entfernten Friedberger Platz und dem Luisenplatz zu den ultimativen Treffpunkten. Vor allem freitags versammelten sich in vergangenen Jahren oft mehrere hundert Feiernde auf den Plätzen. „Während der Corona-Krise hat sich die Situation etwas gewandelt“, sagte Guder. Eine Platzsperre, wie sie für den Friedberger Platz ausgesprochen wurde, weil dort zu viele Feiernde standen, gab es für den Matthias-Beltz-Platz nicht, was womöglich den Zulauf verstärkte. „Dass Clubs und Diskotheken noch nicht geöffnet sind, trägt sicher zur neuen Situation bei“, meinte Guder. Stadtweit gilt der Matthias-Beltz-Platz derzeit als angesagter Treffpunkt, das Publikum sei deutlich jünger als die Besucher, die zuvor Stehpartys im Stadtteil feierten.

          Stühle sollen vom Platz entfernt werden

          Dem Ortsbeirat ist es bisher nicht gelungen, Kontakt zu den Feiernden aufzunehmen und die Situation zu verbessern. Den Vorschlag von Manfred Zieran (ÖkoLinx), Streetworker einzusetzen, hielten auch andere Fraktionen im Ortsbeirat für überlegenswert. Vor allem aber plädierten die Ortsvertreter für restriktive Maßnahmen. „Den Hinweisen auf Drogengeschäfte muss nachgegangen werden“, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Claudia Ehrhardt. Zudem seien die Einsätze der Ordnungskräfte, die freitags dafür sorgten, dass der Friedberger Platz pünktlich bis 22 Uhr geräumt werde, auf den Matthias-Beltz-Platz und Luisenplatz auszudehnen. Ehrhardt fordert weiter, dass die Toilette des Kiosks auf dem Platz saniert und öffentlich zugänglich gemacht wird. Gefordert wurden zudem größere Mülleimer und dass die orangen Stühle vom Platz verschwinden sollen.

          Diese waren auf Initiative des Ortsbeirats vor vier Jahren angeschafft worden. Die Betreiber des Kiosks hatten sich bereit erklärt, die Stühle abends einzusammeln. Seit einiger Zeit sei das aber schwierig, weil viele Besucher die Stühle nicht zurückgeben würden. Der Kiosk schließt jeweils um 22 Uhr, freitags eine Stunde früher. Auch die angrenzenden Gastronomiebetriebe haben sich freiwillig verpflichtet, freitags den Verkauf von Getränken zum Mitnehmen frühzeitig einzustellen und so die Party auszutrocknen.

          Kioskbetreiber und Ortsbeirat sind nun übereingekommen, die Stühle ganz zu entfernen. Sie sollen repariert und an anderer Stelle im Nordend aufgestellt werden. Natürlich solle der Matthias-Beltz-Platz seine Funktion als urbaner Treffpunkt behalten. Die Zustände, die derzeit dort herrschten, bedrohten jedoch den sozialen Frieden.

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