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WM-Spieler aus der Region : Mainz-Finthen und der Weltmeister

Mit schütterem Rhein-Main-Bezug: Mats Hummels und Niklas Süle Bild: nordphoto

Wer deutsche WM-Spieler mit Verbindung zur Region finden will, muss tief im Süden suchen. Ausgerechnet zwei Bayern-Spieler können die regionale WM-Quote wenigstens ein wenig heben.

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          Nach dem sensationellen Gewinn des DFB-Pokals durch die Eintracht scheint manch einer Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet für das neue Kraftzentrum des deutschen Fußballs zu halten. Verständlich, dass so ein Sieg ein wenig übermütig macht. Mit einem nüchternen Blick auf das Aufgebot der Nationalmannschaft, die am Sonntag gegen Mexiko in die Fußball-Weltmeisterschaft startet, lässt sich aber sagen: Kraftzentrum – mitnichten. Es kommt sogar noch schlimmer, denn für zwei der wenigen Anknüpfungspunkte zwischen der Region und dem Titelverteidiger sind Kicker verantwortlich, die im Pokalendspiel auf der Verliererseite standen. Aber der Reihe nach.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Viele regionale Fußballkenner hatten ja auf Emre Can gesetzt. 1994 in Frankfurt geboren, stand der Fußballer mit türkischen Wurzeln schon 2016 im Kader für die Europameisterschaft, außerdem half er als Stammspieler im vergangenen Sommer beim Gewinn des Confederations Cup in Russland mit. Can galt deshalb lange als Kandidat für den WM-Kader aus 23 Spielern, vielleicht sogar als einer, der immer auflaufen sollte. Leider verletzte sich der Mittelfeldspieler vom FC Liverpool im Frühjahr schwer und wurde nicht mehr rechtzeitig fit.

          Der schnellste Wandschrank der Welt

          Wer, ausgestattet mit gefährlichem Halbwissen, weiter darüber nachdachte, wie viel Rhein-Main trotzdem noch in der Nationalmannschaft steckt, kam vermutlich immerhin auf Kevin Trapp. Der Torhüter von Paris Saint-Germain setzte sich im Trainingslager in Südtirol knapp gegen Leverkusens Bernd Leno als dritter Keeper durch. Wahrscheinlich, weil er einfach besser aussieht. Trapp, 1990 im saarländischen Merzig geboren, kam im Jahr 2012 über den 1.FC Kaiserslautern zur Frankfurter Eintracht. Drei Jahre, 82 Einsätze und viele gute Leistungen später wechselte er in die französische Hauptstadt. Dort sitzt er meistens auf der Bank.

          Trapp – und das war’s, denken viele. Sie denken falsch. Denn ausgerechnet zwei Abwehrspieler des Pokalendspiel-Gegners FC Bayern München können die regionale WM-Quote wenigstens ein wenig heben. Da wäre zum einen Niklas Süle. Der schnellste Wandschrank der Welt wurde 1995 geboren. Und zwar wo? Genau, in Frankfurt. Und wie fast jeder talentierte Junge aus der Gegend spielte Süle als Jugendlicher für die Eintracht, von 2006 bis 2009. Dann ging er für ein halbes Jahr zum SV Darmstadt 98, wechselte aber schon zur Winterpause weiter zur TSG Hoffenheim. Dort wurde Süle Profi und ging im vergangenen Sommer als gestandener Innenverteidiger zum deutschen Rekordmeister.

          Als Kleinkind nach Mainz-Finthen

          Der Rhein-Main-Bezug des dritten WM-Teilnehmers überrascht am meisten. Zugegeben, der Bezug ist schütter, aber vorhanden ist er doch. Es geht um Mats Hummels. Der Stamm-Innenverteidiger der Nationalmannschaft wurde 1988 zwar in Bergisch Gladbach geboren, zog aber schon als Kleinkind mit seinen Eltern nach Mainz-Finthen. Grund dafür war, dass Vater Hermann Hummels den Trainerposten beim damaligen Oberligisten SV Wehen Taunusstein übernahm. Mats’ jüngerer Bruder Jonas kam in Wiesbaden zur Welt. Von Oktober 1994 bis April 1995 war Vater Hummels außerdem Coach beim FSV Mainz 05, einer seiner Spieler damals hieß Jürgen Klopp. Der soll manchmal auf Mats aufgepasst haben.

          Als Vater Hummels nach kurzer Zeit in Mainz entlassen wurde, ging er als Jugendtrainer nach München und nahm die Familie mit. Mats kann sich noch gut an seine Zeit in Mainz erinnern. Der „Merkurist“ zitiert ihn als jungen Spieler mit den Worten: „Da habe ich dann auch immer auf der Straße mit einem Ball gegen das Garagentor geschossen.“ In den nächsten Wochen darf er in Russland gerne ein richtiges Tor treffen.

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