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Mathildenhöhe Darmstadt : Aus der Heag Bilderkammer ins Museum

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Gemälde und Skulpturen: Das Institut Mathildenhöhe zeigt von Sonntag an die Kunstwerke, die ihm von der Heag AG geschenkt worden sind. Bild: Kretzer, Michael

Das Institut Mathildenhöhe freut sich über eine Schenkung von Kunstwerken des Stadtkonzerns. Es handelt sich um 70 Arbeiten aus dem 19. und 20.Jahrhundert.

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          Nicht alles, was sich in Familieneigentum befindet, muss auch allen Familienmitgliedern bekannt sein. Diese Erfahrungen haben der Direktor des Instituts Mathildenhöhe, Ralf Beil, und Sammlungskonservator Philipp Gutbrod machen dürfen. Das städtische Institut, das den rund 15000 Objekte umfassenden Kunstschatz der Stadt Darmstadt hütet, hat von Darmstadts Stadtkonzern HeagAG 70Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen geschenkt bekommen. Es handelt sich um „faszinierende Arbeiten des 19. und 20.Jahrhunderts von rund 30 Künstlern“, sagte Beil gestern. Sie ergänzten die hauseigenen Bestände aufs beste und könnten erstmals von Sonntag an im Museum Künstlerkolonie in der Ausstellung „Die Heag Bilderkammer. Darmstadt und die Künste 1846-1978“ von einer breiten Öffentlichkeit gesehen werden.

          Die Heag Bilderkammer ist ein Kuriosum. Denn so genau wissen auch die beiden Vorstände dieser Holding - unter deren Dach so große kommunale Töchter wie HSE, Bauverein und die Verkehrsbetriebe vereinigt sind - nicht, wer wann mit dem Kauf von Kunst begonnen hat und nach welchen Kriterien. „Gesammelt wurde, was den jeweils Verantwortlichen gefiel“, sagte Heag-Vorstand Markus Hoschek und ergänzte, es sei wohl mehr als eine Legende, dass auch mancher Künstler seine überfällige Stromrechnung vor 30 oder 40 Jahren mit einem Bild oder einer Skulptur beglichen habe.

          Ein „glücklicher Fund“

          Was auf diese Weise über Jahrzehnte hinweg in der Heag-Schatzkammer zusammengekommen ist, hat selbst Kenner des städtischen Kunstbesitzes wie Beil und Gutbrod überrascht. Unter den Werken der Schenkung befinden sich Gemälde, Skulpturen und Grafiken von Künstlern wie Max Beckmann, Eugen Bracht, Bernhard Hoetger, Max Klinger, Käthe Kollwitz und Karl Schmidt-Rottluff und von erst noch zu entdeckenden Malern wie Well Habicht und Bruno Krauskopf.

          Als Glanzpunkte gelten ein Gemälde von Bracht, das auf seiner Orientreise 1880 entstanden ist, und eine Serie von Friedrich Wilhelm Kleuckens, die er Mitte der fünfziger Jahre schuf. Sie zeigt technische Arbeiten an Elektrizitätsanlagen. Kleuckens, einst Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie und Leiter der großherzoglichen Privatdruckerei „Ernst-Ludwig-Presse“, ist in Darmstadt beileibe kein Unbekannter. Als „glücklicher Fund“ gilt die Entdeckung dennoch, da es sich um ein Spätwerk des Künstlers handelt, das eine Lücke in der Forschung schließt, weshalb Gutbrod von einem „echten Pfund“ sprach: „Das hätte ich nicht erwartet, die Serie kannte keiner, darüber wurde auch nirgends publiziert.“ Sogar lokalhistorisch sind die 25 Arbeiten von nicht geringer Bedeutung: Sie dokumentieren detailscharf die Aufbauarbeiten am Darmstädter Stromnetz nach dem Zweiten Weltkrieg.

          Freie Auswahl für die Mathildenhöhe

          Durch die Schenkung gelangen, wie Beil hervorhob, Werke auf die Mathildenhöhe, „die wir uns sonst nicht leisten könnten und die unsere bestehenden Werkgruppen nachhaltig erweitern“. Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch (Die Grünen) äußerte, mit der Schenkung „rückt nun zusammen, was zusammengehört“, und nannte als Anlass zu diesem Schritt das Jubiläum 100 Jahre Heag, das Darmstadts Stadtkonzern im vergangenen Jahr begangen hat.

          Erfreulich für die Mathildenhöhe: Beil und Gutbrod bekamen den ersten Zugriff auf die Bilderkammer. „Wir hatten vollkommene Freiheit bei der Auswahl“, sagte der Institutsleiter. Vollkommen geleert ist der Heag-Kunstschatz gleichwohl nicht, rund 70 Werke sollen zunächst der Kunsthalle angeboten werden.

          Partsch: Der Weltkulturerbe-Bewerbung gerecht werden

          Ein interessanter Nebeneffekt der Schenkung dürfte die Belebung der Diskussion um die Präsentation des gesamten städtischen Kunstbesitzes sein, insbesondere der vielen Arbeiten mit Bezügen zu Darmstadt. Sie schlummern wegen Platzmangels zum erheblichen Teil in den Depots. Beil äußerte gestern, die Heag-Kunstwerke hätten jenen Platz gefunden, der ihrem kunsthistorischen Rang gebühre. Er merkte aber auch an, wie wichtig zusätzliche dauerhafte Ausstellungsflächen für das Institut seien. Wie Partsch sagte, wird dieses Thema auf die Tagesordnung einer Magistratskommission „Mathildenhöhe“ gesetzt, die demnächst gegründet werden soll. „Wir müssen Strukturen schaffen, die der Bedeutung der Mathildenhöhe und unserer Weltkulturerbe-Bewerbung gerecht werden.

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