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Mathias Herrmann : Von Aufbruch zu Aufbruch

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Er schlägt auch Angebote aus

Er ist, wie das in der Sprache der Wirtschaft wohl hieße, breit aufgestellt, in jeder Hinsicht. „Karate, Tennis, Skifahren, Judo, Surfen, Reiten“, steht in seiner Selbstdarstellung, und dass er fließend „Hessisch, Berlinerisch, Englisch“ spricht, Querflöte und Saxophon spielen kann. Beste Voraussetzungen für so ziemlich alles zwischen Action und Komödie, Thriller und Tragödie, Musical und Seifenoper.

Dennoch gibt es auch immer wieder Angebote, die Herrmann ausschlägt. Finanzielle Gründe stünden dabei nicht im Vordergrund, sagt er, obwohl viel dran sei an Gerüchten wie dem, dass inzwischen manches Film-Tier höhere Tagesgagen erhält als seine menschlichen Kollegen, und sehr wenig an denen, dass Schauspieler proportional zu ihrem Bekanntheitsgrad Summen verdienen, bei denen sie über eine Firmengründung auf den Cayman-Inseln nachdächten. Vor allem der Fernsehmarkt sei schwierig geworden. Seit der Pleite des verstorbenen Filmgroßhändlers Leo Kirch und dem Skandal um die ARD-Produktionsgesellschaft Degeto, die unter anderem mehr Filme und Serien in Auftrag gegeben hatte, als ihr Etat zuließ, würde weit weniger als früher gedreht. Gleichzeitig stünden Redakteure unter Kosten- und Quotendruck, für viele Schauspieler sackten Tagesgagen in nur noch schwer zumutbare Tiefen.

Im Kleinen groß

Mathias Herrmann engagiert sich im Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler, seit dieser 2006 gegründet wurde. „Man muss etwas tun“, sagt er, „weil es niemanden unter den Kollegen gibt, der nicht merkt, wie sich die Bedingungen extrem verschlechtern.“ Dennoch hängt er am Beruf. Die Schauspielerei sei ein Handwerk, „gleichzeitig geht es immer auch um die eigene Seele“.

Genauso aber liebt er es, vorzulesen, ob Kleist, ob Lenz, ob Robert Gernhardt. Die Liebe zur Literatur ist nach der Comicphase bei ihm doch noch ausgebrochen. Mit den Jahren ist sie nicht schwächer geworden. ,Schuld und Sühne’ habe ich vier Mal gelesen, in verschiedenen Altersphasen, man schaut da ja immer auf ganz andere Sachen. Oder ,Rot und Schwarz’ von Stendhal, da knie ich davor.“ Herrmann sagt, er bekomme „schrecklich gerne Buchtipps“, „das wird dann sofort gekauft“. In Papierform, nicht als Download. „Ich bin schließlich der Sohn eines Buchhändlers.“

Im vergangenen Jahr wurde er fünfzig. So wie der Räuber Hotzenplotz. Da ist er, auf Bitten seiner Schwester, in die Rolle des wohl berühmtesten Kleinkriminellen der Kinderliteratur geschlüpft und daheim in der Buchhandlung Bindernagel aufgetreten, großen Spaß habe das gemacht. Und die anwesenden Kinder haben vielleicht, ohne es zu wissen, begriffen, worauf es nicht nur beim Schauspielern ankommt: auch im Kleinen großartig zu sein.

Zur Person

Mathias Herrmann wurde am 16. Juli 1962 in Friedberg in eine Buchhändlerfamilie geboren. Er ist der älteste Sohn von Christian Herrmann, dem besonders rührigen Besitzer der Buchhandlung Bindernagel und bestimmende Größe im Kulturleben der Stadt. Nach dem Abitur am Friedberger Burggymnasium studierte er Schauspiel an der Otto-Falckenberg-Schule in München, war danach jahrelang an verschiedenen großen deutschen Theatern, aber bereits auch als Film- und Fernsehschauspieler tätig, ehe er 1999 für drei Jahre die Rolle des Dr. Johannes Voss in „Ein Fall für zwei“ übernahm. Auf den Serientod folgten weitere Hauptrollen, etwa in dem mehrfach ausgezeichneten Kinofilm „John Rabe“, Fernsehproduktionen, Theaterengagements. Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler tritt Mathias Herrmann auch als Vorleser auf, bisweilen auch in der Buchhandlung Bindernagel, die heute seine Schwester gemeinsam mit seinem Vater leitet, und spricht Hörbücher ein. Er ist seit 1991 mit der Schauspielerin Nicole Averkamp verheiratet. Das Paar hat drei Töchter.

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