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Mathias Herrmann : Von Aufbruch zu Aufbruch

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Aus dieser Erfahrung heraus empfiehlt Christian Herrmann seinem Sohn dringend einen Plan B, ein Sicherheitsnetz für die Schauspielerei. „Aber ich wollte loslegen.“ Ohne die angeratenen beruflichen Umwege bewirbt sich Mathias Herrmann bei mehreren Schauspielschulen. In Hamburg wird er abgelehnt und erlebt, wie man auch in der Kultur zu einer Abschreckungspolitik nordkoreanischer Vehemenz fähig ist: „Nach 14 Tagen erhielt jeder, der nicht angenommen wurde, einen Vordruck. Dort stand unter anderem: Sie haben weder Fantasie noch darstellerisches Vermögen.“ Ein Nierenhaken. Der ihn aber nicht zu Boden bringt, im Gegenteil. Die renommierte Otto-Falckenberg-Schule in München nimmt Mathias Herrmann an.

Ein Familienmensch

Auf die Ausbildung folgen zehn Jahre lang Engagements an Theatern in Freiburg, Dortmund, Bremen, Bonn, Mannheim, Basel. Familiengründung inklusive. In Dortmund lernt er die Schauspielerin Nicole Averkamp kennen, auf der Bühne. „Wir traten gemeinsam in einer Schlagerrevue auf. Wir hatten ein Duett und am Ende dieses Duettes gab es einen Kuss.“ Von Vorstellung zu Vorstellung wird dieser Kuss länger. Bald wird geheiratet, das Paar bekommt drei Töchter. „Wir hatten großes Glück“, sagt Mathias Herrmann über die 22 Jahre währende Beziehung zu seiner Frau.

Sie ist eingebettet in eine kinderreiche Großfamilie. Nicole Averkamp hat vier Geschwister, Mathias Herrmann fünf. Sein Vater lebt in Friedberg, seine Mutter gemeinsam mit der „theaterverrückten Großmutter“ in Frankreich, wo Herrmann, der sich einen erklärten Familienmenschen nennt, mit Frau und Töchtern regelmäßig die Sommer verbringt. Seit neuestem wird das Urlaubsziel nicht mehr von Darmstadt aus, sondern von Dossenheim bei Heidelberg aus angefahren. Nicole Averkamp ist seit Beginn der Spielzeit 2011/12 am dortigen Theater fest engagiert.

Er kann auch ganz anders

Sosehr es auch beruhigt, wenn wenigstens einer in der Familie ein regelmäßiges Einkommen hat, für Mathias Herrmann wäre das keine Option, sagt er. Er schätze die Freiheiten der Selbständigkeit, trotz der Risiken, die sie berge. Auch deshalb sei er nur die gut drei Jahre bei „Ein Fall für zwei“ geblieben. „Wahnsinnig dankbar“ sei er für diese Zeit, sagt er, „aber ich war jung, ich war hungrig und abenteuerlustig. Ich wollte raus in die Welt.“

Abzuspringen habe sich gelohnt, sagt er. Schon 1987 hatte er in „Das Mädchen mit den Feuerzeugen“ sein Kinodebüt gegeben und war auch vor den 33 Folgen von „Ein Fall für zwei“ im Fernsehen präsent gewesen. Danach zeigt er dann, dass er auch ganz anders kann. Er ist 2009 der linientreue Nationalsozialist Werner Fließ in dem mehrfach ausgezeichneten „John Rabe“, 2012 gibt er in „Die Abenteuer des Huck Finn“ unter der Regie von Hermine Huntgeburth einen hinreißenden Fiesling, im Frühjahr dieses Jahres war er in der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin engagiert, in der deutschen Erstaufführung des Beziehungsstücks „Paarungen“. Regelmäßig ist er aber auch in TV-Produktionen zu sehen, in denen schöne Menschen in schönen Landschaften wattebauschweiche Liebeswirren durchleben. Er nennt das Abwechslung, die sei ja das Besondere an seinem Beruf, und: „Ich sage nicht, ich kann alles spielen. Aber ich kann sehr viel spielen und mit jeder Rolle, die ich wähle, etwas anfangen.“

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