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Mathematiker Beutelspacher im Gespräch : Eselsbrücken zu Iban, der Schrecklichen

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„Das Leben wird nicht an der Sepa-Umstellung scheitern“: Albrecht Beutelspacher, Vater des Gießener Mathematikums Bild: dapd

„Man muss einfach aus einer Eins einen Baum machen“ – und schon klappt es besser, sich Iban, die neue Kontonummer, zu merken. Albrecht Beutelspacher, Mathe-Professor aus Gießen, verrät weitere Tricks.

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          Im Februar startet das Zahlungssystem Sepa. Dann lösen europaweit einheitliche Iban-Nummern die alten Kontonummern ab. Dumm für die Verbraucher: die Iban setzt sich aus 22 Ziffern zusammen - aus der bisherigen Bankleitzahl und der alten Kontonummer. Ergänzt wird sie um das Länderkennzeichen DE und eine zweistellige Prüfziffer. Wer bisher schon  Schwierigkeiten hatte, sich seine Kontonummer zu merken, der könnte nun erst recht Probleme bekommen. Im Interview verrät der Gießener Mathematikprofessor Albrecht Beutelspacher ein paar Tricks.

          Herr Beutelspacher, wie merken Sie sich lange Zahlenreihen?

          Eine sehr bekannte Methode ist, jeder Ziffer einen Gegenstand zuzuordnen. Also zum Beispiel: Die Eins ist ein Baum, die Zwei ist ein Mülleimer, die Drei ist ein Mensch. Und dann denkt man sich dazu eine Geschichte aus. Da ist ein Mensch, der an einem
          Mülleimer vorbeiläuft und dann einen Baum sieht. Dann muss man sich die Geschichte merken und kann sich darüber die Zahlen herleiten. Ich habe aber mal einen Zahlenkünstler getroffen, der das viel zu kompliziert fand. Der hat sich einfach gesagt: „Die Zahlenreihe gefällt mir, die merke ich mir.

          Man kann sich Zahlen leichter merken, die man schön findet?

          Klar, wenn man eine Beziehung zu ihnen hat, kann man sich Nummern leichter einprägen. Es gibt verschiedene Gründe,  weshalb man sie mögen kann. Etwa wegen struktureller Merkmale. Das ist bei glatten Zahlen wie 10, 50 oder 1000 der Fall. Oder Kombinationen, die aus gleichen Ziffern bestehen. Wie toll ist es, wenn der Tacho 11111 anzeigt? Da schaut jeder gerne hin. Das sind äußere Gründe. Und dann kann ich mir leichter Zahlen merken, die für mich eine Bedeutung haben. Bei Kindern ist das jeweilige Alter natürlich ganz klar die wichtigste Zahl.

          Haben Sie noch weitere Tricks auf Lager?

          Es gilt das allgemeine Prinzip: Je blöder die Eselsbrücke ist, desto einfacher kann man sie sich merken. Als ich nach Gießen gezogen bin, hatten wir noch eine vierstellige Telefonnummer. Die lautete 4813. Als ersten Schritt habe ich sie in Einheiten zusammengefasst und „achtundvierzig dreizehn“ gesagt. Das ist ein erster Trick. Man kann sich lange Zahlenreihen merken, in dem man sie in kurze, beherrschbare Blöcke unterteilt. Und bei „achtundvierzig dreizehn“ dachte ich: Na ja, es ist nicht das Parfüm „siebenundvierzig-elf“, aber nah dran. Und so habe ich es mir gemerkt.

          Und wenn jetzt bei meiner Iban-Nummer nicht gerade so eine schöne Ähnlichkeit vorhanden ist?

          Manchen Menschen hilft es, die Zahlen in einem gewissen Rhythmus aufzusagen, sie also mit einer Art Melodie zu  unterlegen. Eine optische Unterstützung kann auch helfen. Ich kann mir zum Beispiel meinen Pin-Code merken, indem ich mir das Muster merke, das entsteht, wenn ich ihn auf der Tastatur eintippe.

          Was raten sie älteren Menschen, die vielleicht besonders mit der Umstellung auf Sepa zu kämpfen haben?

          Man sollte sich ganz allgemein nicht damit abfinden, dass das Gedächtnis nachlässt. Nicht von vornherein sagen: Diese blöde Nummer kann ich mir nie im Leben merken. Sondern sich eine positive Verbindung dazu herstellen. Sich irgendeine Eselsbrücke ausdenken oder die Zahl vielleicht mal rückwärts lesen. Für junge Menschen ist es genauso mühsam, sich eine lange Zahl zu merken. Aber sie sagen sich: Das Leben wird nicht an der Sepa-Umstellung scheitern. Und genau diese Haltung müssen wir auch als Ältere haben.

          Der Mensch

          Albrecht Beutelspacher ist Professor für Mathematik an der Justus-Liebig Universität Gießen, wo er über Geometrie und Diskrete Mathematik forscht. Gleichzeitig ist er Gründer und Direktor des Mitmachmuseums Mathematikum. Der 63 Jahre ale Wissenschaftler hat es sich zu seiner Lebensaufgabe gemacht, Mathematik vielen Menschen verständlich zu vermitteln. (dpa)

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