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Mathe-App für Berufseinsteiger : Per Dreisatz-Aufgabe eine Stufe höher klettern

Auf Draht: Alexander Binda (rechts) und Enrique Brockmann mit Projektleiterin Marie Reuß Bild: Wolfgang Eilmes

Gemeinsam mit der BMW Group haben die Joblinge eine Mathe-App entwickelt. So wollen sie junge Bewerber für den Einstieg in das Berufsleben fit machen.

          Kevin muss wie so viele Jugendliche ein Praktikum machen. Eine Firma hat er gefunden, deren Alltag er kennenlernen kann. Der tatsächliche Weg zu seinem Praktikumsplatz stellt sich für ihn allerdings schwieriger dar als gedacht: Will er in den Betrieb gelangen, muss er zuvor eine Rechenaufgabe lösen. Mit der richtigen Antwort es aber jedoch nicht getan. Immer neue Aufgaben gilt es für den jungen Mann zu bewältigen. Ihm begegnet alles Mögliche, was ihm schon seine Lehrer im Laufe der Jahre im Mathematik-Unterricht beibringen wollten: Addieren und Subtrahieren, Dividieren und Multiplizieren, Bruch- und Prozentrechnung, Dreisatz nicht zu vergessen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kevin merkt bald: Je mehr Aufgaben er löst, desto schwieriger wird die jeweils nächste Rechen-Hürde. Aber genau darin liegt der Reiz, wie Alexander Binda und Enrique Brockmann berichten. Denn sie sind schon öfter in die Rolle von Kevin geschlüpft. Ist Kevin doch eine reale Person, sondern ein Charakter in einer Mathe-App, die die BMW Group und die gemeinnützige Aktiengesellschaft Joblinge entwickelt haben. Die App wendet sich an junge Leute wie Binda und Brockmann, die sich mit Unterstützung der Joblinge für ihren Einstieg in das Berufsleben fit machen wollen. 2007 ins Leben gerufen und seit 2011 im Rhein-Main-Gebiet vertreten, nehmen sich die Joblinge unter der Führung ihres Vorstands Kadim Tas solchen jungen Frauen und Männern, die es auf dem ersten Ausbildungsmarkt trotz des Bewerbermangels schwer haben, eine für sie geeignete Stelle zu finden.

          Mathe-App als Motivation

          Binda und Brockmann zählen zu jenen, die sich unter die Fittiche der Joblinge in Frankfurt begeben haben. Die Mathe-App sehen sie als Motivation an. Sie gleicht vom Prinzip her einem Handy- oder Computerspiel – „nur dass hier der Antrieb zum Weiterspielen ist, dass der Kevin seinen Job behält“. Wer es erfolgreich spielt, schult seine Kenntnisse in Rechnen und sein Textverständnis, denn Textaufgaben tauchen auch auf. Mit der App lernten Joblinge letztlich „all das, was für das Einstellungsgespräch wichtig ist“, sagt Regionalleiterin Christiane Schubert. Sie weiß: Mathe-Kenntnisse sind ein Knackpunkt auch und gerade in gewerblich-technischen Berufen.

          Vor diesem Hintergrund nimmt sich die gemeinnützige AG, die vor wenigen Wochen den 1000. Schützling zu einer Lehrstelle verholfen haben, außer Mathematik auch den naturwissenschaftlichen Fächern und der Informatik verstärkt an. „Joblinge goes MINT“ lautet das Motto. Um das „I“ in MINT abzudecken, also die Informatik, hat sich die gemeinnützige AG mit dem Bitkom zusammengetan, das ist einer der Verbände der digitalen Wirtschaft hierzulande. Die Kooperation soll laut Schubert und Projektkoordinatorin Marie Reuß helfen, dass Schützlinge der Joblinge beim Umgang mit Rechnern und Computerprogrammen im Vergleich mit anderen Jugendlichen auf Ausbildungsplatzsuche nicht ins Hintertreffen geraten oder ihre Wissenslücken füllen. Mit Workshops zu Programmieren und Big Data wollen sie das Interesse für den Umgang mit Rechnern wecken und gleichzeitig für die Digitalisierung.

          „Wir lernen dabei mit“

          Binda und Brockmann gehören zwar nicht zu jenen, denen es an Erfahrung mit Computern mangelt. Der eine hatte nach der fünften Klasse den ersten Rechner, der andere früh mit E-Learning zu tun gehabt. Dennoch haben beide bei den Joblingen viel erfahren, was ihnen noch nicht bewusst war, sie aber als wichtig erachten. Zum Beispiel die Bedeutung von Cookies, kleinen Textdateien über im Internet besuchte Seiten, die der Browser beim Surfen speichert. Binda und Brockmann wissen nun, dass die Suchmaschine ihre Standortdaten nachverfolgen kann, wenn sie diese Funktion auf ihrem Handy nicht abschalten. Andernfalls könnte die Suchmaschinen-Firma ein Bewegungsprofil vom jeweiligen Handynutzer erstellen, haben sie gelernt. Und: „Wir lernen dabei mit“, gibt Schubert zu.

          Wie sie und Reuß weiter sagen, haben Partnerfirmen der Joblinge sie noch nicht auf die Digitalisierung angesprochen. Insofern sind die Joblinge einen Schritt voraus. Binda und Brockmann sehen das nach ihren Worten als Chance an – für sich selbst.

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