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Massive Attack in Frankfurt : Verschwunden hinter Sinnsprüchen

Im Dunst selten zu sehen: Frontmann Robert Del Naja. Bild: Carlos Bafile

Massive Attack tauchen zum zwanzigsten Jubiläum des Albums „Mezzanine“ in der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle ab - etwas unterkühlt und wenig persönlich aber mit zwei Gastsängern als Highlights.

          Beim vorletzten Lied kommt endlich Stimmung auf. Als das Herzbumpern des Schlagzeugs und ein einsames Gitarrenriff das Lied „Teardrop“ ankündigen, bricht doch noch Jubel aus unter den gut 4500 Gekommenen. Manche pfeifen freudig, viele zücken ihre Smartphones. Um sie nur wenig später, als die Stimme von Elizabeth Fraser den Saal erhellt, ergriffen wegzustecken.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass spätestens „Teardrop“ für Emotionen sorgen würde, war zu erwarten. Der Song, der später sogar als Titelmelodie von „Dr. House“ genutzt wurde, ist das bekannteste Stück des 1998 erschienenen Albums „Mezzanine“, das als einflussreichstes Werk der britischen Band Massive Attack gilt. Gut ein Jahrzehnt lang prägte sie in den Neunzigern zusammen mit anderen den Musikstil Trip Hop, indem sie die rauen Rhythmen des Hip-Hop mit Elektrosamples aus Rave und Dub sowie Gothic-Klängen und Punk-Themen kombinierte. Ihr treibender, schwerer und anklagender Sound war für Tanzpartys nie geeignet, eher für die stille Heimfahrt durch den Regen.

          Kunstinstallation durch Nebelschwaden

          Weniger erwartbar war in Frankfurt jedoch, wie kühl das anderthalbstündige Konzert lange blieb. Dabei zählt es zu einer Jubiläumstour für das nun gut zwanzig Jahre alte Album. Alle elf Stücke werden, wenn auch aus dramaturgischen Gründen in anderer Reihenfolge als im Original, von den zwei Schlagzeugern, drei Gitarristen und zwei Synthesizern aufgeführt, manche davon zum ersten Mal seit zwölf Jahren. Die Band um Robert Del Naja und Daddy G hat sogar zwei ihrer ständigen Gastsänger mitgebracht, neben Fraser den inzwischen 67 Jahre alten Reggae-Sänger Horace Andy. Abgemischt wird das Selbstzitat mit Coversongs von Velvet Underground, The Cure und dem im vorigen Jahr gestorbenen DJ Avicii. Geradezu nüchtern, abgesehen vom Bier und dem umherwabernden Grasgeruch, lässt das Publikum die Inszenierung über sich ergehen. Hinterher kann es kaum erzählen, es hätte Massive Attack live gesehen. Am häufigsten sind Fraser und Andy zu erkennen, auf die ein Lichtstrahl fällt, wann immer ihre zarten, feinfühligen und hellen Stimmen zu hören sind. Die restlichen Musiker dagegen bewegen sich meist im Schatten, verschwunden hinter Kunstnebelschwaden, blitzenden Scheinwerfern und der blendenden Videoleinwand. Mal zeigt sie Filmschnipsel mit einem gitarrespielenden Tony Blair, tanzenden Russen, Raketen im Irakkrieg oder Donald Trump, mal Sinnsprüche wie „Verschwörungstheorien sind selbst nur eine Verschwörung“, die oft wirken, als seien sie schnell vom Google Translator übersetzt worden. Das alles ist weniger ein Konzert, sondern eher der Soundtrack zu einer Kunstinstallation.

          Der Bilderrausch zum Trip-Hop-Wummern wird freundlich hingenommen, doch es entsteht keine Abendbeziehung zwischen Band und Publikum, nur zu den Lichtblicken Fraser und Andy. Es fehlen die Momente des Persönlichen, Einzigartigen, Menschlichen und Besonderen. Das ist, wohl als Widerstand gegen die Konventionen, auch gewollt: Die Setlist ist auf allen Konzerten identisch, auf Vorband wird verzichtet und am Ende gibt es weder Zugabe noch Verbeugung. Nur einen weiteren Sinnspruch: „Vergesst die Vergangenheit, gestaltet die Zukunft.“ Wie passend.

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