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Maschinenkunst : Frankfurter Frischzellenkur

Selbstzerstörerisches Maschinchen: Catharina Szonns „Vorausgaben für bequem“. Bild: Wolfgang Günzel

Die Frankfurter Galeristin Anita Beckers stellt in ihrer Sommerschau erstmals drei junge Künstlerinnen vor. Eine von ihnen präsentiert Kunst, die sich selbst wieder zerstört.

          Die Sätze sollte man sich wohl hinter die Ohren schreiben. Auch wenn die Sache den Betrachter vor Catharina Szonns Installation „Verausgaben für bequem“ erst einmal vor allem ratlos lässt. Denn was wohl soll das alles ihm bedeuten? „Umrundungen als Diagonale strecken“ mag man da in elektronisch bunten Lettern lesen, oder auch, ein wenig klarer immerhin: „Punktuellen Kontakt als Rücksichtnahme deuten.“

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und der Betonmischer im Hintergrund schlägt dazu langsam aber sicher alles kurz und klein. So ist es zwar nicht immer, aber wohl doch meistens im noch jungen Werk der 1987 geborenen Künstlerin.

          Bilder, die sich selbst zerstören

          Denn Catharina Szonn, von der im vergangenen Jahr ein Wäschemagazin im Frankfurter Kunstpavillon Saasfee zu sehen war und unlängst ein Heugebläse im Frankfurter Kunstverein, stellt mit Text und Elektronik und Maschinen vieldeutige, durchaus poetisch zu nennende Bilder in den Raum, die sich im Lauf der Zeit langsam, aber sicher, selbst wieder zerstören. Und so verkörpert sie mit dieser Haltung die wohl radikalste Position der drei Künstlerinnen, die Anita Beckers in ihrer aktuellen Sommerschau erstmals in ihrer Frankfurter Galerie vorstellt.

          „Wie eine Frischzellenkur“ seien derlei Ausstellungen, sagt die Galeristin, und angesichts der Arbeiten Szonns, Eva Gentners und Nadja Büttners, einer Schülerin von Tobias Rehberger, gibt man ihr gern recht.

          Weniger, weil es sich hier ausnahmslos um junge, teils noch studentische Positionen handelt. Oder weil alle Künstlerinnen – selbst Szonn, die bei Alexander Oppermann und Gunter Reski in Offenbach an der Hochschule für Gestaltung studiert – sich wenigstens auch mit malerischen Fragen auseinandersetzen. Wesentlich ist hier wie dort vielmehr vor allem der Prozess, der selbst in der Ausstellungssituation kaum einmal zu einem Ende kommt, sondern vor den Augen des Betrachters erst sich nachhaltig erschöpft. Buchstäblich.

          Raum, Zeit und Bewegung

          Das gilt für Szonns Maschinenkunst geradeso wie für Büttners kinetisch belebte und insofern an die konkrete Kunst der sechziger Jahre anschließenden Tafelbilder oder Gentners „kimonos“. Jene in Beton auf Rupfen gegossenen Gewänder, deren Risse, Falten, Krakelees nicht nur auf malerische Fragen ebenso zurückverweisen wie sie die Bedingungen der Skulptur verhandeln. Als bleibende Spuren performativer Aktionen lassen sie darüber hinaus Raum, Zeit und Bewegung als die entscheidenden Parameter im Werk der Karlsruher Künstlerin deutlich werden.

          Das sind Motive, wie sie auch Büttners „Vibrating Potential“ oder ihr „Gegenstrich“ charakterisieren. Nur dass hier die Zeit mitnichten eine gerade Linie, sondern einen Kreis beschreibt. Hoch und runter fährt hier eine Schiene und bürstet die textile Oberfläche der Arbeit mal in diese, mal in jene Richtung, lässt das Bild mal monochrom in Anthrazit, mal graumeliert und seltsam aschefarben scheinen. So geht es hin und her und her und hin, und immerfort das gleiche Spiel. Das kann man hübsch und meditativ finden – oder auch deprimierend nennen, gleichviel. Es läuft und läuft und läuft. Und hört einfach nicht auf.

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