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Markenschutzverfahren : Der lange Kampf um die Frankfurter Grie Soß’

Schutzpatron: Gärtnermeister Rainer Schecker will Grüne Soße bei der EU als geschützte Angabe eintragen lassen. Bild: Wonge Bergmann

In ungezählten Frankfurter Haushalten kommt zu Ostern Grüne Soße auf den Tisch. Doch nicht jede „Frankfurter Grüne Soße“ stammt auch aus der Stadt. Gemüsegärtner wollen Grie Soß’ in der EU als Marke schützen lassen, doch das Verfahren zieht sich hin.

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          Rainer Schecker blickt kurz ins Gewächshaus und hebt fast beschwörend die Hände: „Wir brauchen Wärme und Sonne“, seufzt der Gemüsebauer. Zum ersten Mal seit zehn Jahren muss er in diesen Wochen wieder heizen, um unter Glas rechtzeitig vor Ostern allerlei aromatisches Grün ernten zu können. Die Osterzeit ist für den Mann aus Frankfurt-Oberrad so etwas wie das Oktoberfest für Münchner Bierbrauer. Die Grüne-Soße-Kräuter, die er im eigenen Betrieb zieht, verkaufen sich schließlich um Gründonnerstag herum besonders gut.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Grüne Soße ist das traditionelle Ostergericht in Frankfurt schlechthin“, sagt Thomas Södler, Geschäftsführer beim hessischen Gärtnereiverband, „viele Leute kaufen sich die Kräuter, ohne dass wir eigens dafür werben müssten - und deshalb müssen wir lieferfähig sein.“ Dieses Jahr setzt das Wetter den Gemüsegärtnern zu, Schecker und sein Kollege Steffen Gerlach aus Nieder-Erlenbach berichten von einem Engpass im Markt, weil wegen der Kälte keine Freilandware aus dem heimischen Raum angeboten werden könne.

          Kräuter aus dem Schwabenland

          Wie bedeutend Grüne Soße für die Landwirtschaft in Frankfurt ist, zeigt ein Ereignis aus dem Mai 2007. Seinerzeit wurde in Oberrad sogar ein Denkmal für die Grüne Soße enthüllt: ein Ensemble aus sieben kleinen Gewächshäusern mit den Namen der klassischen Kräuter - Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Allerdings stammt längst nicht jedes Paket mit „Frankfurter Grüne Soße“ tatsächlich aus Gärtnereibetrieben am Main.

          So werden in Frankfurt auch Kräuter aus dem Raum Stuttgart als „Frankfurter Grüne Soße“ verkauft. Beides hängt miteinander zusammen, wie Schecker zu berichten weiß. Mitte des vergangenen Jahrzehnts trennte sich der Gärtnermeister aus Oberrad von einem langjährigen Großkunden, weil er mit den Abnahmepreisen nicht mehr zufrieden war. Dies kostete ihn „auf einen Schlag 85 Prozent des Umsatzes“, wie er sagt. Durch mehr Direktvermarktung hat er seinen Betrieb wirtschaftlich auf andere Beine gestellt - der ehemalige Großkunde bezieht derweil die Grüne-Soße-Kräuter aus dem Schwabenland.

          Gibt es die Grie Soß’ nicht?

          Mit Södler und Gärtnerkollegen an seiner Seite bemüht Schecker sich angesichts dessen seit Jahren, „Frankfurter Grüne Soße“ in der Europäischen Union als geographisch geschützte Angabe (g.g.A.) eintragen zu lassen - so wie es etwa im Fall der „Südtiroler Äpfel g.g.A.“ geschehen ist. Sie haben dazu 2006 eigens den „Verein zum Schutz der Frankfurter Grünen Soße“ gegründet. Beim Deutschen Patent- und Markenamt ist die von ihnen eingereichte Spezifikation seit 2011 auch eingetragen. Doch das europäische Verfahren zieht sich unerwartet lange hin, auch wenn das Land Hessen ihr Anliegen ideell unterstützt.

          Ein Grund: Aus mindestens einem Land der EU heraus ist sogar bezweifelt worden, „dass es Frankfurter Grüne Soße überhaupt gibt“, wie Södler, der nebenbei die Geschäfte des derzeit acht Mitglieder zählenden Vereins führt, berichtet.

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