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Mark Knopfler in Frankfurt : Goldenes Königreich

  • -Aktualisiert am

Spricht wenig, spielt lieber: Mark Knopfler und seine Band auf der Bühne der Frankfurter Festhalle. Bild: Cunitz, Sebastian

Ein kurzer Gruß, dann geht es auch schon los: Mark Knopfler gastiert in der Frankfurter Festhalle, ohne überflüssige Spektakelschnörkel, stattdessen mit großartiger Musik.

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          Viel Aufhebens hat Mark Knopfler von sich noch nie gemacht, weder um seine Person noch um sein Talent. Selbst als er noch die Stadionrockkapelle Dire Straits anführte, hatten Virtuosität, Weltruhm und Geldsegen bei ihm nur bescheidenes Understatement zur Folge. Bei Knopflers ausverkauftem Gastspiel in der Frankfurter Festhalle verhält es sich nicht anders. Mit der legendären Fender Stratocaster schlurft der 63 Jahre alte Gitarrist, Sänger und Komponist auf die schmucklose Bühne. Wortlos hebt er den Arm zum Gruß. Nur noch Sekunden, bis er sich mit seinem siebenköpfigen Ensemble auf das Eröffnungsstück stürzen wird. „What It Is“, eine gemächliche Ode an das rauhe Edinburgh mit folkloristischem Flötenspiel, verhaltenem Marschrhythmus und Knopflers typischer Fingerzupftechnik ohne Plektrum stammt von seinem zweiten Soloalbum, „Sailing To Philadelphia“. Ziemlich problemlos hätte es auch auf einem der zwischen 1978 und 1991 erschienenen sechs Studioalben der Dire Straits enthalten sein können.

          Welchen stilistischen Spannungsbogen Knopfler derzeit vorzieht, demonstriert er mit den ersten beiden Kostproben von seinem aktuellen Werk „Privateering“, einem Doppelalbum mit imposanten zwanzig Songs. Einen Ausflug in das rustikale Trucker-Milieu gestattet sich das wunderbar eingespielte Oktett bei „Corned Beef City“. Da hämmert Pianist Jim Cox verwegen satten Rock ’n’ Roll, während Knopfler gestochen Scharfes auf der Slide-Gitarre liefert. Ganz anders hingegen der Titelsong des Albums, dessen spartanisches Akustikarrangement tief im Celtic Folk wurzelt. Nicht zum letzten Mal greift Knopfler, der künstlerische Gelegenheitssparringspartner von Bob Dylan, an diesem Abend auf das facettenreiche Material seiner voriges Jahr erschienenen siebten Soloarbeit zurück. Mit John McCuskers Fiddle und Mike McGoldricks Flöte verziert, folgt das balladeske „Kingdom Of Gold“, von saftigem Rockabilly geprägt ist „I Used To Could“. Für das hymnische „Haul Away“ packt Knopfler seine metallene Dobro aus. Bei alldem bestätigt sich eines - auch im pensionsreifen Alter kommuniziert der introvertierte Geschichtenerzähler ausschließlich über seine unnachahmliche Kunst.

          Knopfler meidet das Spektakel

          Wer etwas über den zweimal geschiedenen Ehemann und vierfachen Vater erfahren möchte, der zurückgezogen im Londoner Distrikt Notting Hill lebt, sollte jedenfalls zwischen den Zeilen lesen können. Knopflers Zugeknöpftheit spiegelt sich auch in der mit Instrumenten und Verstärkern überladenen Bühne wider, die von einer Scheinwerferanlage hoch über den Köpfen der Musiker sparsam ausgeleuchtet wird. Gelegentliche Projektionen mit statischen Licht- und Schattenspielen auf dem gigantischen Hintergrund müssen reichen. Wo Kollegen die Reizüberflutung schätzen, meidet Knopfler jeden Anflug von Spektakel, um nur ja nicht von der zentralen Botschaft abzulenken, seiner Musik.

          Lateinamerikanische Impressionen dominieren „Postcards From Paraguay“ einschließlich einer Anspielung auf „El Condor Pasa“. Einmal mehr wühlt Knopfler im Archiv und fördert das zeitlose Kabinettstück „Speedway At Nazareth“ zutage, in dem er seine Gibson Les Paul druckvoll zum Dröhnen bringt. Als Höhepunkt unter zahllosen brillanten Momenten empfiehlt sich „Marbletown“. In der Urversion knapp vier Minuten lang, weitet sich der auf Akustikbasis gestartete Blues-Shuffle zum mehr als zehn Minuten langen Improvisationsduell zwischen Glenn Worf am Kontrabass und McCuskers Violine aus. Knopfler vergisst nicht, Klassiker der Dire Straits einzuflechten. „Romeo And Juliet“ funktioniert als Ballade im Breitwandformat noch immer, im überlangen Mittelteil von „Telegraph Road“ brillieren gleich mehrere Bandmitglieder mit Soli. Lakonisch verrockt leitet „So Far Away“ die Zugaben ein. Weil die Begeisterung kein Ende nimmt, lässt die Truppe sich noch einmal auf die Bühne locken. „Piper To The End“ beschwört in getragenem Rhythmus und melancholischem Moll einmal mehr kernig Folkloristisches.

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