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Marco Russ : Ohne Fehl und Tadel

Kollege, Konkurrent, Kumpel: Russ und Abraham wollen mehr. Bild: Imago

Auf der Schlussetappe der Karriere beweist Marco Russ, dass auf ihn Verlass ist. Seine Erfolgsserie will er auch gegen den einstigen Förderer Funkel verlängern.

          Weiter geht’s! Die zweite Wettkampfpause, die in dieser Saison aufgrund der Länderspieltermine notwendig wurde, neigt sich dem Ende entgegen. Schon an diesem Freitag ist die Eintracht wieder im Alltagsgeschäft gefordert. Sie bekommt es dann im eigenen Stadion mit Fortuna Düsseldorf zu tun. Der Aufsteiger wird von einem Intimkenner der Frankfurter Fußballverhältnisse angeleitet: Friedhelm Funkel. Der 64 Jahre alte Rheinländer gehörte zwischen 2004 und 2009 als Trainer zu den prägenden Köpfen des Klubs und blieb ihm auch nach der Trennung verbunden. In seiner Freizeit nutzt Funkel immer wieder die Gelegenheit, um an alter Wirkungsstätte zuzuschauen.

          Für die Partie am achten Spieltag gibt es im Vorverkauf nur noch wenige Tickets: 48.000 Eintrittskarten wurden für die Begegnung der auf den siebten Rang gekletterten Hessen mit dem Tabellenvorletzten abgesetzt. Nur die bessere Tordifferenz trennt die Fortuna von Schlusslicht VfB Stuttgart. Funkel ist sich des Ernstes der Lage bewusst und sagte, dass die Ausgangslage „schwierig“ sei: „Die Qualitätsfrage kann man stellen.“ Für viele seiner Mitstreiter sei die erste Klasse „Neuland“, und er hoffe auf einen raschen „Lerneffekt“. Am besten schon in Frankfurt, wo er zumindest einen Punkt ergattern möchte. „Ich komme immer wieder gerne zurück“, wurde Funkel am Dienstag in einem auf der Eintracht-Homepage veröffentlichten Interview zitiert: „Es war mit die schönste Zeit, die ich je als Trainer erlebt habe.“

          Schlussetappe der Karriere

          Aus gemeinsamen Tagen am Main ist ihm auf Seiten der Profis nur noch Marco Russ besonders vertraut. Der Routinier war schon 2005 Teil der Auswahl, die Funkel zurück in die Bundesliga führte. „Ich finde es großartig, dass er seine schwere Krankheit überwunden hat und wieder zum Stammkader zählt“, sagte der Fußall-Lehrer. Obwohl sich Russ längst auf der Schlussetappe seiner Karriere befindet, zählt der 33-Jährige nach wie vor zu den verlässlichen Größen der Mannschaft, die nach einem holprigen Start unter Adi Hütter inzwischen einen gefestigten Eindruck macht. Russ rutschte nach der Verletzung von Kapitän David Abraham in die Innenverteidigung und erledigte seine Aufgabe ohne Fehl und Tadel. Die Bilanz seiner Einsätze kann sich sehen lassen: Drei Startelf-Nominierungen, drei Siege gegen Hannover, Rom und Hoffenheim – das hob die Stimmung und ließ Ansprüche wachsen. Es komme darauf an, sagte Russ, gegen Düsseldorf nachzulegen, um sich ein kleines Punktepolster „nach unten“ anzulegen.

          Am Dienstag, während der Übungseinheit neben der WM-Arena, machte zugleich der wiedergenesene Abraham durch einen großen Aktionsradius deutlich, dass er nach seinen Hüftbeschwerden wieder voll belastbar ist und ins Aufgebot zurückdrängt. Hütter könnte sich demnach, wenn bis zum Anstoß keine Komplikationen auftreten, die bislang eher ungewohnte Konstellation bieten, dass sich ihm für die Defensivaufgaben mehr agile Kandidaten aufdrängen, als er Plätze in der Startformation zu vergeben hat.

          Rebic gegen Düsseldorf gesperrt

          Auch Makoto Hasebe unterstrich zuletzt durch Leistung seine Ambitionen, die bei Evan Ndicka ebenfalls so vorzeigbar aussahen, dass sie ihm eine Einladung zur U-20-Nationalmannschaft einbrachten, während sein Landsmann Simon Falette nach der vorübergehenden Degradierung in die Trainingsgruppe 2 gleichsam seine Bewährungschancen bei den Europa-League-Erfolgen in Marseille und gegen Rom nutzte. Zudem könnte Lucas Torro wieder eine Alternative für die Sechserposition sein; der Spanier, der sich nach dem Tod seines Bruders in der Heimat aufhielt, arbeitete am Dienstag abseits der 17 Kollegen an seiner Fitness. Der isrealische Linksverteidiger Taleb Tawatha sowie der serbische Mittelfeldspieler Mijat Gacinovic trainierten nach ihren Nationalmannschafts-Reisen im Rahmen der „Belastungssteuerung“ individuell, wie es von Vereinsseite hieß, im Kraftraum.

          Nicht dabei war Ante Rebic. Er trug am Montag noch zum 2:1 der Kroaten gegen Jordanien bei. Er soll wegen „privater Verpflichtungen“ erst am Donnerstag wieder zur Eintracht stoßen. Was auf Hütters Planungen keine gravierenden Auswirkungen besitzt: Der Angreifer ist wegen seines Gelb-Roten Platzverweises aus dem Hoffenheim-Spiel gesperrt. Funkel machte keinen Hehl daraus, dass er hoffe, dass die Abwesenheit des Frankfurter Pokalfinal-Helden der Fortuna in die Karten spielen könne. Respekt, so formulierte er es, habe er generell vor der Eintracht und ihrer Entwicklung. Rebic, so seine Feststellung, sei dabei ein Schlüsselspieler, der für die Frankfurter „den Unterschied“ ausmache könne. Und zwar im Guten wie im Schlechten.

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