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Eintracht Frankfurt : Kreativ und schmerzfrei

Im Slalom zurück ins Team: Eintracht-Profi Marc Stendera geht davon aus, gegen Darmstadt wieder dabei zu sein. Bild: Heiko Rohde

Nach der schweren Verletzung von Johannes Flum richtet sich bei der Eintracht der Blick auf den zuletzt angeschlagenen Marc Stendera. Zudem scheint sich die Personalsituation vor dem Derby langsam zu entspannen.

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          Die erste Betroffenheit hat sich gelegt. Einen Tag nach dem schlimmen Trainingsunfall von Fußballprofi Johannes Flum hat die Eintracht ihr Vorbereitungsprogramm für das kommende Bundesliga-Heimspiel gegen Darmstadt 98 ohne Zwischenfälle absolviert. Nachdenkliche Mienen und Stimmen gab es trotzdem. „Ich war schon angefasst“, sagte Trainer Armin Veh. „Er ist doch mein Spieler. Außerdem mag ich ihn ja.“ Veh war sich am Dienstag sofort darüber bewusst, dass etwas Schlimmes passiert war. Wann genau und wie genau es mit dem 28 Jahre alten Flum und dessen professioneller Karriere weitergeht, lässt sich derzeit nicht abschätzen und ist „abhängig vom Heilungsverlauf“, wie die Eintracht mitteilte.

          Sicher ist: Die am Mittwoch in der BG-Unfallklinik von Prof. Dr. Reinhard Hoffmann vorgenommene Operation ist nach Plan verlaufen. Die ursprüngliche Diagnose „Bruch der Kniescheibe im linken Knie“ bestätigte sich während des zweistündigen Eingriffs; darüber hinaus wurden keine weiteren relevanten Schäden festgestellt. Flum wird bis Anfang nächster Woche in der BG-Unfallklinik bleiben und anschließend mit den Reha-Maßnahmen beginnen.

          Glück im Unglück für Medojevic

          Veh erinnerte nach der morgendlichen Trainingseinheit an seine eigene Verletzung, „die für mich das Ende in der Bundesliga gewesen ist“. Als junger Bursche hatte sich der damals für Borussia Mönchengladbach spielende Veh einen offenen Verrenkungsbruch zugezogen. „Mein Fuß war weg. Und am Abend haben sie es in der Sportschau gezeigt.“ Vehs damaliges Glück im Unglück: Der zufälligerweise vor Ort gewesene Chefarzt des Gladbacher Krankenhauses konnte den Fuß wieder herrichten.

          Glück im Unglück, das hatte am Dienstag auch Slobodan Medojevic, der unglücklich mit Flum zusammengeprallt war. Am Tag darauf war der 25 Jahre alte Serbe im Training noch nicht wieder dabei. Doch er wird zurückkommen – „und auch spielen können“, wie Veh sagte. „Er hat einen Bluterguss und eine Prellung oberhalb der Kniescheibe. Aber es ist nicht so schlimm.“ Am Mittwoch saß Medojevic schon auf einem Rad, um sich strampelnd fit zu halten, und bis zum Derby gegen Darmstadt, das ja erst am Sonntag bei Dunkelheit um 17.30 Uhr angepfiffen wird, ist noch genügend Zeit zur vollständigen Regeneration.

          „Für uns gibt es keinen anderen Weg, als zu gewinnen.„

          Zeit, die auch Marc Stendera in die Karten spielen dürfte. Der einzige echte Kreativspieler der Eintracht, zuletzt bei der 1:2-Niederlage in Mainz nicht einsatzfähig wegen eines Muskelfaserrisses, befindet sich nach eigener Auskunft auf der Zielgeraden Richtung Startelf. „Ich bin relativ positiv gestimmt“, sagte der am 10. Dezember 20 Jahre alt werdende offensive Mittelfeldspieler. „Ich bin schmerzfrei und auf einem guten Weg. Ist doch klar, dass man das Derby gegen Darmstadt unbedingt spielen will.“ Angesprochen auf sein angeblich gutes „Heilfleisch“, sagte der nur individuell mit Reha-Trainer Michael Fabacher an sich arbeitende Stendera: „Ja, ich habe anscheinend gutes. Wir alle rätseln ein bisschen, was es bei mir ist.“ Stendera war der Erste, der am Mittwoch das Übungsareal an der Frankfurter Arena verließ, und auch ihm war das Entsetzen über Flums schwere Verletzung anzumerken. „Eigentlich möchte ich gar nicht darüber sprechen“, sagte er. „Es ist einfach nur traurig, was passiert ist. Der Schock sitzt immer noch tief.“ Der Trainingsunfall hätte ihm deutlich vor Augen geführt: „Fußball ist nicht nur Spaß und einfach spielen. In diesem Sport kann immer etwas passieren. Es kann ganz schnell vorbei sein.“

          Auch Stefan Reinartz und Marco Russ sind einsatzbereit

          Stendera selbst kennt sich aus mit Tiefschlägen bei der Ausübung seines Berufs. Nach einem in einem Privatspiel in der letzten Spielminute erlittenen Kreuzbandriss musste er ein halbes Jahr lang aussetzen und sich durch die Fron der Reha wieder herankämpfen. Dass er aktuell von einer Muskelblessur mehr oder weniger genesen ist und der Eintracht am Sonntag gegen die „Lilien“ wieder eine spielerische Hilfe sein kann, empfindet Stendera als großen Ansporn. „Über die Brisanz des Spiels brauche ich doch nichts zu sagen. Für uns gibt es keinen anderen Weg, als zu gewinnen. Wir müssen die drei Punkte hier in Frankfurt lassen.“ Vor dem Kräftemessen des Tabellendreizehnten Frankfurt gegen den Rangzwölften Darmstadt hat sich Stendera lobend über das bisherige Abschneiden des Aufsteigers geäußert. „Das ist eine tolle Geschichte, wie sich Darmstadt hochgearbeitet hat. Es ist zugleich auch ein Zeichen von Qualität.“

          Zeichen von Hoffnung konnte unterdessen Eintracht-Trainer Veh aussenden. Die Reihen in seinem zuletzt gelichteten Kader scheinen sich wieder nach und nach zu füllen. Für das wegweisende Hochrisikospiel gegen die „Lilien“ rechnet der Frankfurter Fußballlehrer nicht nur mit Medojevic, sondern auch mit den zuletzt angeschlagenen Stefan Reinartz und Marco Russ. „Reinartz hat schon wieder alles voll mitgemacht. Ich gehe davon aus, dass er fit ist“, sagte Veh. „Und Russ ist jemand für die Bank.“

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          Unser Autor: Oliver Georgi

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