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Marburger Partikeltherapie : Weiter Fragezeichen hinter moderner Krebstherapie

Das Land Hessen will, dass hier Patienten behandelt werden: Partikeltherapieanlage am Uni-Klinikum Marburg Bild: F.A.Z. - FOTO DIETER RÜCHEL

Das Land führt weiter Gespräche mit der Rhön-Klinikum AG und Siemens über die verhinderte Partikeltherapie in Marburg. Es gebe „mehrere Optionen“, heißt es.

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          Sie sollte ein Prunkstück des seit fast sechs Jahren privatisierten Uni-Klinikums Gießen und Marburg werden. Doch werden niemals Krebspatienten von der Partikeltherapieanlage in Marburg profitieren. Denn die aus zahlreichen Einzelteilen bestehende Anlage kann, vereinfacht ausgedrückt, nicht so schnell arbeiten wie nötig. Ein Betrieb mit Patienten wäre unwirtschaftlich, wie es heißt. Deshalb hat die Rhön-Klinikum AG als Mehrheitseigentümer des Uni-Klinikums die Anlage im Juli vergangenen Jahres dem Hersteller Siemens Health Care übertragen. Siemens hält an der Linie fest, dort "rein technische Forschung" betreiben zu wollen, wie ein Sprecher sagt. Dies mag ein Grund sein, weshalb Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) länger als gedacht mit Siemens und Rhön-Klinikum um eine Lösung für das verhinderte Leuchtturmprojekt ringt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          "Die Ministerin hat uns mehrfach gesagt, bis Ende 2011 eine Lösung zu finden - bisher haben wir aber keine neuen Auskünfte bekommen", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Spies. Ihn interessiert das Thema besonders, denn Spies kommt aus Marburg und ist zudem Mediziner. Aus dem Schweigen Kühne-Hörmanns schließt er: "Offenbar hat man sich nicht geeinigt." Das Wissenschaftsministerium bestätigt diese Annahme indirekt. Dort heißt es dazu, Kühne-Hörmann spreche weiter mit Vertretern von Siemens Health Care und Rhön-Klinikum. Es seien "mehrere Optionen" im Gespräch - welche, ließ ein Sprecher offen.

          Unternehmen schmallippig

          Die beteiligten Unternehmen geben sich nach außen ebenfalls schmallippig. "Es laufen Gespräche mit der Ministerin und mit Siemens", sagt ein Sprecher der Rhön-Klinikum AG. Details nennt auch er nicht - hebt aber hervor: "Wir haben keine Partikalanlage mehr - die gehört Siemens Health Care." Der Hersteller meint wiederum: "Wir haben stabile Verhältnisse in Marburg geschaffen." Da Siemens Health Care als Medizintech-Unternehmen keine medizinischen Dienste anbieten dürfe, werde die Firma in Mittelhessen wie im Sommer angekündigt eine Test- und Entwicklungsanlage betreiben. Im Übrigen liegt das Hauptaugenmerk nach den Worten eines Sprechers derzeit auf der Partikeltherapieanlage in Kiel. Auch in Schleswig-Holstein läuft längst nicht alles reibungslos für Siemens. "Dort stehen wir vor ähnlichen wirtschaftlichen Herausforderungen wie in Marburg", hieß es im August dazu.

          Unter dem Strich ist das 120 Millionen Euro teure Großprojekt in Marburg eine für Land, Siemens und Rhön-Klinikum unangenehme Angelegenheit. Der Klinikbetreiber kann nicht mit einer modernen Krebsbehandlung werben, das Land hat ein Leuchtturmprojekt weniger. Siemens muss mit dem Makel leben, dass ein Einsatz am Patienten nicht in Frage kommt - auch wenn die Technik "grundsätzlich" funktioniere, wie es heißt. Der Hersteller verwies schon im August auf die ebenfalls von Siemens gebaute Anlage im Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum, an die das Marburger Projekt angelehnt ist: Dort seien seit Ende 2009 mehr als 400 Patienten behandelt worden, und die Anlage bleibe bestehen. Zum Vergleich: In Marburg wollte das Uni-Klinikum im Zwei-Schichten-Betrieb an sechs Tagen in der Woche bis zu 120 Patienten behandeln.

          Frist läuft Ende Dezember ab

          Die Landesregierung sieht die Rhön-Klinikum AG in der Pflicht, die Partikeltherapieanlage für Forschung und Lehre bereitzustellen. Dies hat Kühne-Hörmann im August in einem Ausschuss des Landtags hervorgehoben. Diese Aussage steht. Demnach hätte das Land einen "Kaufpreisanspruch in Höhe der nicht erfüllten Investitionsverpflichtung". Ob sie auf den Kaufpreisanspruch pochen muss, wird sich weisen. Immerhin haben Siemens und Rhön noch Zeit. Die Frist für die Anlage läuft erst zum Jahresende ab.

          Bisher will Siemens die Anlage nur für technische Forschung betreiben und nicht für Therapien nutzen.

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