https://www.faz.net/-gzg-9i32d

Manuel Stehlis Malerei : Die Welt ist eine flache Scheibe

Öl auf Leinwand: Tempel (2018), Manuel Stehli Bild: Galerie/Stehli

Manuel Stehlis digital inspirierte Malerei ist in der Frankfurter Galerie Schierke Seinecke zu sehen. Stehlis Kompositionen erweisen sich bei näherer Betrachtung der Welt des Computerspiels abgeschaut.

          Öl, Figur, Leipzig. Mehr braucht man in der Regel nicht zu sagen, und schon weiß man in der Kunst der Gegenwart: gediegene, technisch anspruchsvolle Malerei in der Tradition der Leipziger Schule. Diese Akademie hat mit Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke, Arno Rink und Bernhard Heisig eine erste und mit deren Schülern von Neo Rauch bis David Schnell oder Matthias Weischer eine zweite und dritte Generation von Künstlern hervorgebracht, die Konzept und Abstraktion zum Trotz und obwohl immer wieder der Tod der Malerei ausgerufen wurde, bei der Figur geblieben sind. Doch gab es immer auch Raum für andere Positionen.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und mit Alba D’Urbano, Michael Riedel oder Ingo Meller lehren längst auch eine Reihe der Leipziger Schule doch eher fernstehende Künstler an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Bei Manuel Stehli, dessen aktuelle Arbeiten in der Frankfurter Galerie Schierke Seinecke zu entdecken sind, ist derweil wieder alles anders. Zwar hat der 1988 in Zürich geborene Künstler bei Annette Schröter Malerei studiert – die übrigens, seit sie in Leipzig lehrt, statt des Pinsels nurmehr mit Skalpell und Schere und Papier arbeitet – und er malt brav figürlich und in Öl. Doch dem Klischee „Leipzig“ entspricht Stehlis Kunst ganz offensichtlich nicht.

          Von der Welt des Computerspiels abgeschaut

          Eher schon mag man sich vor so manchen Leinwänden wie „ohne Titel“ schon mal vage an die Malerei der Renaissance erinnert fühlen. Und tatsächlich kennen seine Bilder keinen Raum. Ob die Figuren in „Order“ oder „At the Door“, die eher schematisch aufgefasste Umgebung, in die sie gesetzt sind, oder die wüstenartigen Landschaften und Architekturen, diese Malerei verweigert sich jedweder naturalistischen Illusion. Hier scheint die Welt noch immer eine Scheibe, buchstäblich. Und stets bleiben die Figuren seltsam flach. Das freilich hat seinen guten Grund. Erweisen sich doch Stehlis Kompositionen bei näherer Betrachtung zwar nicht der Wirklichkeit, doch der Welt des Computerspiels abgeschaut.

          Und tatsächlich baut der Künstler seine Bilder wie mit digitalem Werkzeug, und nicht immer wollen Köpfe, Hände und ein Hocker, wollen Figur und Raum und Körper und ihr Schatten auch zusammenpassen. Mag sein, der virtuelle Raum hat seine eigene Wirklichkeit, und insofern zeichnet der Schweizer Künstler mit „Aldea“, „Tempel“ und „Ohne Titel“ durchaus ein Bild der Gegenwart. Real aber wird Stehlis Welt erst in der Malerei.

          Manuel Stehli in der Frankfurter Galerie Schierke Seinecke

          Die Ausstellung in der Frankfurter Galerie Schierke Seinecke, Niddastraße 63, ist von 30. Dezember bis 9. Januar mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 12 bis 15 Uhr sowie donnerstags von 19 bis 21 Uhr geöffnet.

          Weitere Themen

          Soll Geschichte ausgelöscht werden?

          George-Washington-Fresko : Soll Geschichte ausgelöscht werden?

          Als Victor Arnautoff 1936 dreizehn Fresken über das Leben George Washingtons für eine High School schuf, illustrierte er auch die Schattenseiten des amerikanischen Säulenheiligen. Darüber ist nun ein erbitterter Streit entbrannt.

          Orient und Okzident

          Goethe-Ausstellung : Orient und Okzident

          Vor 200 Jahren erschien Goethes Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“. Aus diesem Anlass zeigt das Frankfurter Goethe-Haus eine Ausstellung zur Entstehungsgeschichte dieses interkulturellen Werks.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.
          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.