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Manroland : Klein genug, um zu überleben

  • -Aktualisiert am

Die Eröffnung des Insolvenzverfahren verschaffte den Mitarbeitern von Manroland neue Chancen: Man geht von einer ausreichenden Menge an Aufträgen aus. Bild: Röth, Frank

Jürgen Schunk steht an der „Front“, dort, wo es sich entscheidet, ob ein Kunde eine Bogendruckmaschine von Manroland „Made in Offenbach“ kauft.

          Jürgen Schunk steht an der „Front“, dort, wo es sich entscheidet, ob ein Kunde eine Bogendruckmaschine von Manroland „Made in Offenbach“ kauft. Als Kundenberater des weltweit zu den führenden Druckmaschinenbauern gehörenden Unternehmens weiß Schunk, ein gelernter Drucker, der seit 24 Jahren im Unternehmen tätig ist, worauf die Kunden achten, ob es der Preis ist, die Ausstattung oder die zusätzlichen Funktionen der Druckmaschinen.

          Die Wochen seit der Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens für den Manroland-Konzern waren für Schunk und seine verbliebenen 30 Kollegen im Beratungszentrum nervenaufreibend. Unsicher war nicht nur, ob er selbst weiterbeschäftigt würde. Ungewiss war auch, wie viele Kunden gehalten werden könnten. Obwohl Interesse an den Druckmaschinen vorhanden war und Geräte geordert wurden, kam es kaum zu Abschlüssen.

          Die Gewährleistung auf die Druckmaschinen ist wieder vorhanden

          Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Mittwoch und dem Kauf des Offenbacher Werks durch den britischen Industrieunternehmer Tony Langley hat sich das geändert: Die Gewährleistung auf die Druckmaschinen ist wieder vorhanden. In dem 3000 Quadratmeter großen Vorführzentrum von Manroland sind alle Geräte aufgebaut, die bislang zum Angebot des Unternehmens gehörten: von der kleinformatigen „Roland 50“ bis zur großformatigen „Roland 900 XXL“. Im Vorführzentrum stellte sich der Neu-Ulmer Insolvenzverwalter Werner Schneider gestern erstmals der hiesigen Öffentlichkeit. Er machte klar, dass der Verkauf an den Investor Langley die Chance biete, Manroland als eigenständigen Hersteller von Bogendruckmaschinen am Markt auf Dauer zu etablieren. Die Betriebsgröße sei ausreichend und verschaffe Manroland einen Wettbewerbsvorteil. Schneider bestätigte Berichte dieser Zeitung, wonach der bisherige Konzernvorstand unter dem Vorsitzenden Gerd Finkbeiner den Standort Offenbach auf ein reines „Vertriebsvehikel“ habe reduzieren wollen. „Nach dem ursprünglichen Restrukturierungsplan des Vorstands sollte die Produktion an die Standorte Augsburg und Plauen verlagert und hier nur die Zentrale der Vertriebsorganisation übrig bleiben. Das wären dann nicht mehr als 200 Mitarbeiter gewesen.“

          Durch den Verkauf des Offenbacher Werks an Langley werden laut Schneider 824 der 1750 Arbeitsplätze in der Stadt erhalten. Zuvor hatte Schneider schon das Augsburger Werk an den Lübecker Mischkonzern Possehl veräußert, allerdings, anders als in Offenbach, ohne Immobilien. Für den dritten Produktionsstandort in Plauen erwartet er den Verkauf in Kürze.

          Man rechnet mit genügend Aufträgen

          Laut Schneider wird sich Langley bei der Führung des eigenständigen Offenbacher Werks, das als „Manroland Sheedfed Sytems“ firmiert, auf das hiesige Management stützen. Schneider bestätigte, dass der bisher für den weltweiten Vertrieb der Bogendruckmaschinen zuständige Leiter Rafael Peñuela Geschäftsführer werden soll. Nach dessen Angaben sind zunächst genügend Aufträge vorhanden. Ende November hätten 71 Aufträge vorgelegen. Jetzt seien Aufträge im Wert von 16 Millionen Euro hinzugekommen. Der künftige Offenbacher Manroland-Chef hält den von Langley avisierten Jahresumsatz von 350 Millionen Euro für realistisch. 2006, vor der Finanz- und Branchenkrise, lag der Umsatz in der Bogensparte bei mehr als 800 Millionen Euro.

          Wie auf Anfrage Marita Weber, Erste Bevollmächtige der IG Metall Offenbach, sagte, hat die Gewerkschaft einen „Zukunftstarifvertrag“ für das Offenbacher Werk verhandelt, das weitere Opfer der Belegschaft vorsieht. Die Beschäftigten sollen 2012 auf acht Prozent des Gehalts verzichten, 2013 auf vier und 2014 auf zwei Prozent. 2015 wolle man wieder das Niveau des Flächentarifvertrags erreichen. Voraussetzung für den Abschluss sei, dass der neue Eigentümer dem hessischen Metallarbeitgeberverband beitrete.

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