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Blick auf die Sterne : Mit Riesenteleskop auf der Jagd nach Exoplaneten

  • -Aktualisiert am

Weitblick: Michael Adrian, Manfred Liedtke und Johannes Ohlert (von links) im Michael-Adrian-Observatorium Bild: Cornelia Sick

Vor 24 Jahren wollte ein Mann das Weltall beobachten. Nun steht in Trebur eines der größten öffentlichen Teleskope Europas. Und für Astronomie-Fans gibt es bald noch eine weitere Attraktion.

          In Trebur dringt ein Teleskop zu Galaxien vor, die selten ein Mensch gesehen hat. Schon 2013 konnte Diplom-Physiker Johannes Ohlert in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern von Trebur aus einen bis dahin unbekannten Exoplaneten aufspüren, einen Planeten außerhalb des Sonneneinflusses also. Doch nicht nur Wissenschaftler können die Ringe des Saturns, Wolken auf Jupiter und die Krater auf dem Mond bewundern. Das Teleskop ist eines der größten öffentlichen Fernrohre in Europa, mit dem jeder den Himmel beobachten kann.

          Seine Geburtsstunde war vor 24 Jahren. „Können Sie mir helfen? Ich möchte gern ein Teleskop kaufen.“ Als ihm diese Bitte 1995 angetragen wurde, ahnte Johannes Ohlert nicht, wie sie sein Leben verändern würde, denn der Architekt und Hobbyastronom Michael Adrian wollte kein handliches Fernrohr. Er dachte in weitaus größeren Dimensionen.

          Adrian, von Ohlert ausreichend mit Informationen versorgt, ließ mitten in Trebur in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Altenpflegeheim, das er betreibt, ein viergeschossiges Gebäude errichten. Auf dessen Dach hievte ein Kran im April 1997 ein 400.000 Mark teures und 4000 Kilogramm schweres, computergesteuertes Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von mehr als einem Meter.

          Erfüllung eines Traums

          Adrian wollte nicht nur sich selbst einen Traum erfüllen, sondern auch den Bewohnern seines Heims einen ganz besonderen Blick auf das große Ganze bieten und Generationen miteinander verbinden, wie er sagt. Außer dem Seniorenwohnheim betreibt er einen Kindergarten im Untergeschoss eines weiteren Neubaus. Darüber liegen Wohnungen für betreutes Wohnen.

          Während die Bewohner draußen auf Bänken die Frühlingssonne genießen, spielen die Kinder Fangen. „Die lauten Stimmen der Kinder sind für uns kein Lärm, sondern Leben“, sagt eine Bewohnerin im Rollstuhl. „Und wenn die Kindergartenkinder mittags in Zweiergruppen zum Essen ins Altenheim laufen, winken sie uns zu.“ Mehr als 2000 Menschen besuchen jedes Jahr die Sternwarte. Ohlert sagt, unter ihnen seien viele Kindergarten- und Schulkinder.

          Das Teleskop war nicht alles. Ebenfalls 1997 gründeten Michael Adrian, Johannes Ohlert und drei weitere Astronomie-Begeisterte die Astronomie Stiftung Trebur. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Astrophysik und Astronomie zu fördern und jedem Interessierten den Zugang zu den Sternen zu ermöglichen. Klingt einfach, ist es aber nicht. „Messinstrumente werden angeschlossen und alles auf den Wissenschaftler und sein jeweiliges zu untersuchendes Projekt eingestellt. Wollen Besucher durch das Teleskop schauen, müssen diese Kalibrationen natürlich gelöscht und die Messinstrumente entfernt werden“, sagt der für die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung zuständige Mediendesigner und Hobbyastronom Manfred Liedtke. Egal ob Kind oder Professor – das Gefühl der Faszination beim Blick in den Sternenhimmel sei bei allen gleich.

          Volle Konzentration

          Das Treburer Observatorium trägt den Namen seines Sponsors Michael Adrian. Einige Bewohner des Seniorenheims nennen den Mann, der einen schwarzen Mantel, ein weißes Hemd und einen schwarzen Schal trägt, einen „sehr feinen Menschen“. Adrian ist da zurückhaltender. Er selbst sei nicht wichtig, sagt er. Ohlert, der wissenschaftliche Leiter der Astronomie Stiftung Trebur, könne alle Fragen beantworten.

          Die Liste der internationalen Projekte, bei denen der Physik-Professor – Jeans, weißes Haar – mitmacht, ist lang. Einige Ergebnisse sind auch in der britischen Wissenschaftszeitschrift „Nature“ nachzulesen. Zum Beispiel trägt ein 2002 an der Sternwarte in Trebur entdeckter Asteroid den Namen „Trebur“. Manfred Liedtke sagt: „Es ist sehr spannend, dem Wissenschaftler über die Schulter zu schauen. Hier können wir das.“ Ohlert findet seine Arbeit zwar spannend, manchmal aber auch anstrengend. „Anstatt nachts ins warme Bett zu gehen, sich die Exoplaneten um die Ohren zu schlagen und dann noch zu wissen, am nächsten Tag Vorlesungen halten zu müssen, das kostet schon Überwindung.“

          Die Messungen können die ganze Nacht dauern und fordern die Konzentration des Wissenschaftlers. Beim Beobachten eines extrasolaren Planeten, eines Exoplaneten, wartet Ohlert ab, bis dieser sich genau vor der leuchtenden Scheibe seines Heimatsterns bewegt. Denn dann kann nicht mehr das gesamte Licht des Sterns zur Erde gelangen. Der Physiker erklärt, das Dunklerwerden gebe Auskunft über Größe und Bahn des Exoplaneten.

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