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Landgericht Hanau : Prozess nach Angriff mit Samuraischwert

Landgericht Hanau: Laut dem Verteidiger leidet Tim S.an Schizophrenie. Bild: dpa

Er hatte einen ehemaligen Kollegen auf offener Straße mit einem Samuraischwert angegriffen und unter Drogen seine Wohnung angezündet – dazu kamen mehrere Gewaltausbrüchen. Nun muss sich der 23 Jahre alte Mann vor dem Landgericht Hanau verantworten.

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          Der Kriminalbeamte zollt dem Angeklagten Anerkennung, wenn auch ironisch. „Respekt“, sagt der Polizist in der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Hanau. Eine „ordentliche Kraftanstrengung“ brauche es schon, um „eine Wohnung so hinzukriegen“. Was der Beamte meint, sehen alle auf Fotos, die auf den Bildschirmen im Saal gezeigt werden. Die Wohnung sieht aus, als wäre Bauschutt abgekippt worden. Der Boden ist übersäht mit Einrichtungsgegenständen. Auch Teile von Möbeln liegen herum, dazu angebrannte Holzteile. In der Küche liegt der herausgerissene Backofen mitten im Raum. Das Bad ist verrußt, Kacheln sind von der Wand geplatzt, weil dort Feuer gelegt wurde. Die Brandermittler der Kriminalpolizei fanden Reste von Handtüchern und Kleidung, mit denen das Feuer entfacht wurde, das den Rollladen und das Kunststofffenster schmelzen ließ, wie sie aussagen.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Bewohner des Apartments im Hanauer Stadtteil Klein-Auheim, der 23 Jahre Tim S., hat in seinem Zuhause so gewütet, wie es in der Anklageschrift heißt. Ereignet hat sich die Brandstiftung, die ihm vorgeworfen wird, in der Nacht zum 6. Mai in diesem Jahr. Der junge Mann warf vorher Gegenstände aus dem Fenster, mit denen er drei geparkte Autos vor dem Haus beschädigte, wie Zeugen aussagen. Ein Kleinwagen, der noch gut 5000 Euro wert war, wurde dabei so sehr eingedellt, dass ein Totalschaden angerichtet wurde, wie der Halter sagt.

          Doch der Gewaltausbruch richtete sich nicht allein gegen Sachen, sondern auch gegen Menschen, nämlich die Polizeibeamten, die in jener Nacht wegen lauter Musik aus der Wohnung von Tim S. zu der Adresse an der Rathausstraße gerufen worden waren. Der Angeklagte bewarf die Polizisten mit einem Pokal und kam schließlich mit einem Gewehr aus dem Haus, mit dem er aber nicht auf die Beamten zielte. Ein Sondereinsatzkommando nahm Tim S. schließlich fest. Polizeibeamten sagen vor Gericht, der junge Mann sei völlig außer sich und nicht ansprechbar gewesen.

          Schon drei Tage vorher war er schon einmal gewalttätig geworden. Einen ehemaligen Arbeitskollegen, den er zufällig auf der Straße getroffen hatte, attackierte er mit einem Samuraischwert, wie der Angegriffene dem Gericht erzählt. Getroffen wurde der Kollege nicht, er konnte ausweichen und der letzte von drei Hieben traf eine Laterne. Wie sich später herausstellte, handelte es sich zwar nur eine Dekorationswaffe, deren Klinge nicht scharf geschliffen war. Die Schläge damit hätten aber jemanden verletzen können.

          Verteidiger spricht von Schizophrenie

          Der Verteidiger von Tim S., Hagen Becker, räumt die Taten im Prozess ein und spricht von der Schizophrenie, an welcher der Angeklagte leidet. Aus Akten und Zeugenaussagen geht hervor, dass der Angeklagte bei beiden Taten von Cannabis und Amphetamin berauscht war, beim Randalieren in der Wohnung dazu noch von Kokain.

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          Bei den Gewaltausbrüchen befand er sich im Zustand einer Psychose, ausgelöst von den Drogen, wie der Psychiater Rolf Speier als Gutachter aussagt. Rauschgift konsumiert Tim S. schon seit er 15 oder 16 Jahre alt war, wie er sagte. Die zweite Große Strafkammer hat sich deshalb von Anfang an darauf eingestellt, über die Unterbringung in der Psychiatrie zu entscheiden. Das Zusammentreffen von Schizophrenie und Drogenkonsum macht eine Behandlung schwierig, wie der psychiatrische Gutachter sagt. Nach seiner Meinung muss Tim S. sicher für drei Jahre in eine forensische Psychiatrie eingewiesen werden.

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