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Mankido : Eine Kundenkarte für 250 lokale Geschäfte

Eine für alle: Mit der Mankido-Karte sparen Kunden auf Prämien bei ihrem Lieblingsbäcker und anderswo. Bild: Wonge Bergmann

Zehn Kaffees kaufen, der elfte aufs Haus – das war einmal. Mit Mankido sammeln Kunden Punkte für Prämien bei regionalen Anbietern. Die beiden Erfinder haben viel vor.

          Das Haushaltswarengeschäft Lorey macht mit, die Struwwelpeter-Apotheke und die Imbisskette Best Worscht in Town ebenfalls. Auch die Bäckereien Kaiser und Kröger’s Brötchen sind dabei, um nur einige der lokalen Unternehmen zu nennen, die Jan Scheurenbrand und Sebastian Herd in gut zwei Jahren von ihrem Kundenbindungssystem Mankido überzeugt haben. Alles in allem sind es inzwischen 750 Partnerfilialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einige der lokalen Unternehmen haben ihre Kunden bisher schon für Treue belohnt. Doch in der Regel mussten Kunden dann ein Kärtchen aus Papier vorzeigen und sich, wie etwa bei der Biobäckerei Kaiser, den Kauf eines Dinkelvollkornbrotes, ganz analog, von Hand abstempeln lassen. Nach dem Kauf von zehn Broten gab es dann eines gratis. Coffeeshop-Filialen machen es ähnlich.

          Bei Mankido hingegen sammeln Kunden digital mit einer Karte bei allen Partnern. Die Bedienung hinter der Theke tippt den Kaufbetrag in ein iPad, bevor dieses zum Kunden gedreht wird, damit er über den QR-Code seiner Bonuskarte oder der Mankido-App den Punktestand aktualisieren und die Prämien einsehen kann. Die Prämien legt jedes Unternehmen für ein Jahr selbst fest, sie sind nach Punkten gestaffelt.

          Punkte fürs Frühstück

          Los geht es bei Kaiser etwa mit einem Buttercroissant für 25 Punkte. Es endet bei 300 Punkten für ein Frühstück für zwei Personen. Darauf sparen Kunden nach Angaben einer Verkäuferin in der Filiale am Börsenplatz mit Vorliebe hin. Sie müssen jedoch jede Menge Brot und Kuchen einkaufen, bis die Höchstprämie erreicht ist. Je Euro Umsatz gibt es bei Mankido einen Punkt.

          Scheurenbrand und Herd sind 27 und 26 Jahre alt und kennen sich schon aus Frankfurter WG-Zeiten während des Studiums, in dem sie sich bereits auf wissenschaftlichem Niveau mit Kundenbindungssystemen beschäftigten. Der Grundstein für das heutige Unternehmen wurde 2016 im WG-Wohnzimmer gelegt, das aber schnell zu eng wurde. Mit 21 Mitarbeitern, unter diesen viele Werkstudenten und Praktikanten, arbeitet die GbR, die demnächst eine GmbH werden soll, in einem Büro an der Großen Friedberger Straße.

          Erst vor gut zwei Jahren sind die Jungunternehmer aktiv in den Vertrieb eingestiegen. Neben Payback und Deutschlandcard verzeichne ihr Produkt zurzeit die stärksten Wachstumsraten, sagen sie. Das führen Scheurenbrand und Herd vor allem auf die Einfachheit und Transparenz zurück. „Unsere Kunden brauchen kein Handbuch. Damit kommt auch der sechzigjährige Bäckermeister klar“, sagt Herd. Die iPads, die Mankido einsetzt, arbeiten unabhängig von Kassensystemen und müssen nicht aufwendig programmiert werden. Von 60 bis 70 Geräten, die jeden Monat zu Testzwecken verschickt werden, komme höchstens eines zurück, heißt es. Jedes Unternehmen zahlt dafür bei einem Jahresvertrag eine fixe Miete im Monat – Einweisung, Betreuung und Karten inklusive. „Wir haben keine versteckten Kosten“, sagt Herd.

          Keine persönlichen Details

          Fair und transparent wollen die Gründer, wie sie hervorheben, auch gegenüber denjenigen sein, die, angefixt durch das Prämien-Angebot, öfter in ein Geschäft oder Restaurant kommen und dort mehr Geld ausgeben sollen als bisher. Grundsätzlich kann ein Kunde die Karte nutzen, ohne ein persönliches Detail von sich preisgeben zu müssen. Die Nutzung der App erfordert zumindest die Herausgabe einer E-Mail-Adresse, was automatisierte Marketing-Mails möglich macht. Angaben zu Geschlecht und Geburtsdatum erfolgen dagegen freiwillig, ebenso kann der Nutzer entscheiden, ob er seinen Standort freigibt und sich Push-Nachrichten über aktuelle Angebote in der Nähe aufs Handy schicken lässt.

          Etwa 100.000 Kunden sind für die App registriert, zwei Drittel davon verraten, wo sie sich gerade aufhalten. Besuchshäufigkeit und Ausgaben können auf diese Weise von Mankido – das Unternehmen bleibt Besitzer der Konsumenten-Daten – ausgewertet werden. Eine Steigerung des Durchschnittsbons zwischen 20 und 30 Prozent binnen eines Jahres ist nach Angaben der Kartenanbieter realistisch. Auch kämen die Karten-Kunden in der Regel häufiger zum Einkaufen.

          Die Technik für solche Analyse-Programme ebenso wie App und Website entwickelt Mankido selbst. „Wir haben ein extrem gutes Tech-Team“, sagt Scheurenbrand und sieht auch darin einen Vorsprung im Vergleich zu anderen Karten-Anbietern. Auf lange Sicht hält Scheurenbrand die Zahl von 5000 Verkaufsstellen für realistisch. Außerdem sollen noch andere Ideen verkauft werden. Gerade erst wurde ein Programm entwickelt, mit dem Kundenverträge sicher online abgeschlossen werden können – auch solche für die Mankido-Partnerschaft.

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