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Mangelhafte Kommunikation : Keine Ferien von der Pandemie

Macht keinen Halt vor Grenzen: Viele Menschen fliegen trotz der Corona-Pandemie in den Urlaub. Bild: dpa

Die Menschen haben keine Lust mehr auf Corona – doch die Pandemie ist noch lange nicht vorbei. Jetzt liegt es an den Politikern, zurück in den Krisenkommunikationsmodus zu schalten und richtig zu informieren.

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          Der Freundeskreis diskutiert. Die einen pochen auf ihr Recht, Urlaub machen zu dürfen. Egal, wo auf der Welt. Verpflichtende Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten wollen sie für diese Freiheit in Kauf nehmen. Wenn auch zähneknirschend. Denn sollte das Ergebnis positiv sein, ahnen sie schon, dass das unangenehme Gespräche nach sich ziehen könnte. Mit dem Arbeitgeber, aber auch mit denen, die ihre Reisepläne schon im Vorfeld kritisiert haben. Zwei Wochen Türkei-Urlaub, dann zwei Wochen Quarantäne. Wenn alles gutgeht. Muss das sein? Es muss. Ihrer Ansicht nach. Ihnen gegenüber stehen jene, die sich mehr Rücksichtnahme wünschen. Oft verspüren sie auch so etwas wie Wut. Darüber, dass durch die unbändige Reiselust gemeinsam erkämpfte Freiheiten wieder aufs Spiel gesetzt werden könnten.

          Was bei der Diskussion auffällt: Es fehlt nicht an Emotion, wohl aber an Wissen darüber, was wirklich erlaubt ist und was nicht. Den Überblick über die geltenden Corona-Vorschriften zu behalten scheint schwer. Denn manche Regeländerung wurde in den vergangenen Wochen still und leise beschlossen, andere schon verkündet, bevor sie überhaupt gesetzlich verankert waren.

          Keine Lust mehr auf Pandemie

          Rückblick: Wie anders war da die Krisenkommunikation noch zu Beginn der Pandemie. Erst jetzt, mit ein bisschen Abstand, fällt auf, wie verbindlich, überlegt und regelmäßig die Bevölkerung seitens der Politik über Corona-Maßnahmen informiert wurde. Es war der Versuch, jeden Einzelnen mitzunehmen und um Verständnis für die Maßnahmen zu werben.

          Und heute? Die Ausgangslage ist dieselbe. Noch immer ist kein Impfstoff gefunden, noch immer gilt es, Infektionsketten so schnell wie möglich zu unterbrechen. Die Krisenkommunikation ist aber eine andere. Es wirkt fast so, als hätten auch die Politiker keine Lust mehr auf Pandemie. Regelmäßige Ansprachen sind seltener geworden. Es fehlt seitens der Politik an einer ehrlichen, regelmäßigen und analytischen Einschätzung der Lage.

          Zugegeben, es hat auch mal gutgetan, sich der Illusion hinzugeben, dass eine Rückkehr zum Alltag möglich sein könnte. Aber die ansteigenden Fallzahlen holen einen schnell wieder in die Realität zurück. Es ist an der Zeit, wieder in den Krisenkommunikationsmodus zu schalten und dafür zu sorgen, dass sich die Menschen gut informiert fühlen, sie Beschlüsse nachvollziehen und sie so verantwortungsvolle Entscheidungen treffen können. Pandemie-Politik verträgt keine Sommerferien.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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