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Manfred Kanther wird 80 : Hart gekämpft und gebüßt

Als hessischer CDU-Chef: Manfred Kanther (links) neben Hans Eichel (SPD) nach der Landtagswahl 1995. Bild: Helmut Fricke

Der Unionspolitiker Manfred Kanther war einst Minister in Hessen und im Bund. Doch dann brachte ihn der „Honigtopf“ der CDU zu Fall. An diesem Sonntag wird er achtzig Jahre alt.

          Kerzengerade ist Manfred Kanther durch das Land marschiert. Umso härter traf ihn und seine konservativen Anhänger sein tiefer Fall. Als der Unionspolitiker gegen Ende des Jahres 1999 in einer Pressekonferenz in Hofheim einen spektakulären Offenbarungseid leistete, konnte er auf eine Biographie zurückblicken, die für zwei Karrieren gereicht hätte.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Nach der Vertreibung aus Schlesien machte Kanther in Thüringen sein Abitur. Weil er nicht studieren durfte, flüchtete er 1957 im Alter von 18 Jahren zum zweiten Mal, diesmal aus der DDR in den Westen. Der Protestant war Stadtoberrechtsrat im Sauerland, als Alfred Dregger, die Galionsfigur der hessischen CDU, ihn 1970 nach Wiesbaden holte. Kanther wurde Landesgeschäftsführer, Abgeordneter, Generalsekretär. 17 Jahre lang kämpfte er in der Opposition. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die SPD 1987 nach 41 Jahren die Wiesbadener Staatskanzlei räumen musste. Kanther wurde Finanzminister im Kabinett des Ministerpräsidenten Walter Wallmann und war dessen Kronprinz.

          Lieblingsgegner der Opposition

          Als die CDU 1991 nach nur einer Wahlperiode wieder abgewählt wurde, trat Kanther an die Spitze von Partei und Fraktion. Zwei Jahre später übernahm der Vater von sechs Kindern die Nachfolge des zurückgetretenen Bundesinnenministers Rudolf Seiters (CDU). Grüne und Sozialdemokraten erkoren ihn zur ihrem Lieblingsgegner. Nach einer Abschiebung von sieben Sudanesen meinte die Bundestagsabgeordnete Hertha Däubler-Gmelin (SPD), Kanther sei kein Christ. Noch nie habe sie sich für einen deutschen Minister so geschämt. Tatsächlich erwiesen sich ihre Vorwürfe als völlig haltlos. Die Sudanesen waren mit gefälschten Papieren eingereist. In der Asylpolitik handelte der Innenminister mit der SPD einen Kompromiss aus, der seine Wirkung nicht verfehlte. Innerhalb von einem guten Jahr sank die Zahl der Asylbewerber von mehr als 320.000 auf rund 100.000.

          Wegen seiner bundespolitischen Rolle gab Kanther das Amt des hessischen Parteichefs Anfang 1998 an Roland Koch ab. Knapp zwei Jahre später kam es zu der legendären Pressekonferenz in der Hofheimer Stadthalle. Kanther hatte seine Partei an den Rand des Abgrunds geführt. Er gab zu, dass er 1983 zusammen mit dem damaligen Schatzmeister der hessischen CDU, Casimir Prinz Wittgenstein, mehr als 20 Millionen Mark von einem inoffiziellen Konto der Partei in die Schweiz hatte transferieren lassen. Aus diesem „Honigtopf“ wurde die Union weiter versorgt.

          Es folgten Gerichtsverfahren, die sich insgesamt über acht Jahre hinzogen und mit einer Geldstrafe in Höhe von rund 54.000 Euro endeten. Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, dass er sich nie selbst habe bereichern wollen und stets „im vermeintlichen Interesse“ der Partei gehandelt habe. „Dafür hast du schwer gebüßt“, sagte sein langjähriger Weggefährte, der frühere Innenminister Gottfried Milde (CDU), als Kanther im Jahr 2008 für seine fünfzigjährige CDU-Mitgliedschaft geehrt wurde.

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