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Managerseminar in Aschaffenburg : An Pferden den Umgang mit Mitarbeitern üben

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Kollege Pferd: Nicht jedes lässt sich so einfach managen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Auf dem Lindenhof trainieren die Wirtschaftsjunioren ihre Führungsstärke mit Pferden. Dabei zeigt sich, wie feinfühlig die Tiere sind. Aber auch Angebote mit Lamas und Eseln gibt es im Kreis Aschaffenburg.

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          Pferde, Lamas, Esel, Hunde - immer mehr Trainer arbeiten mit vierbeinigen Helfern, wenn sie Führungskräfte schulen. Dabei zieht es die Anbieter von „tiergestütztem Training“ hinaus aus klimatisierten, nüchternen Seminarräumen, die mit viel Technik ausgestattet sind, ins Freie, in die Natur. Ein Lamahof in Freigericht etwa wirbt im Internet mit Lamas als „Coach für Führungskräfte“. Der Umgang mit den Tieren sei gut für die Teamentwicklung und sensibilisiere für die Eigen- und Fremdwahrnehmung und den zeitgemäßen Umgang mit Mitarbeitern. Auch Esel werden häufig genutzt, um die sozialen Kompetenzen von Führungskräften zu schulen.

          Die Wirtschaftsjunioren Aschaffenburg setzen auf Pferde. In einem „Schnuppertraining“, das von Martin-Niels Däfler auf dem Reitstall „Lindenhof“ in Niedernberg angeboten wurde, setzten sie sich mit ihrem Führungsverhalten auseinander. Vanessa Weber hatte schon vor zwei Jahren einen Workshop „Führen mit Pferden“ besucht. Diese Coaching- Methode hat die Unternehmerin aus Aschaffenburg so begeistert, dass sie mit allen ihren Mitarbeitern zum Training auf einen Pferdehof fuhr. Die Sprecherin der Wirtschaftsjunioren Aschaffenburg zögerte daher nicht lange, als sie von Däflers Seminar „Sattelfeste Manager“ erfuhr, und besuchte mit sieben Wirtschaftsjunioren das vierstündige Schnuppertraining.

          Tiere reflektieren Emotionen

          Mit dem Pferd könne man gut die nonverbale Kommunikation trainieren, so Weber. Das Pferd sei ein „ganz krasser Spiegel“ und zeige „unverblümt“, wie man führe. Weber hält nichts von einem patriarchalischen Führungsstil. „Es geht auch ohne Peitsche.“ Es sei wichtig, dem Pferd, „wertschätzend, dankbar und respektvoll“ gegenüberzutreten. Es gehe darum, sich in das Tier einzufühlen. Diese Erfahrungen hat sie auch auf den Umgang mit ihren Mitarbeitern übertragen. Sie habe gelernt, dass man sich auf jeden einstellen müsse, jeder sei individuell. Für Weber ist der Nachmittag auf dem Niedernberger Pferdehof eine gute Gelegenheit, den Wirtschaftsjunioren das Thema „unternehmerische Führung“ näherzubringen. Benjamin Spilger, Geschäftsführer des gleichnamigen Möbelhauses in Obernburg, betrachtet das Training auf dem Reiterhof als „anderen Weg“ der Aus- und Weiterbildung. Besonders ist ihm aufgefallen, wie feinfühlig ein Pferd ist und dass schon eine kleine Bewegung große Wirkung zeigen kann.

          Das vergesse man schon mal im Alltag, sagt Spilger, der 330 Mitarbeiter führt. Er sei manchmal „zackig und kurz angebunden“, sagt der junge Chef selbstkritisch. Spilger hat in der kurzen Zeit gelernt, wie wichtig Lob und Anerkennung sind. „Das Pferd wird auch nach jeder Übung gelobt“, sagt er. Die Architektin Theresa Bahner hatte mit ihrem vierbeinigen Partner Probleme. „Brownie war furchtbar störrisch.“ Er habe ihre Ungeduld reflektiert, die auch manchmal ihre beiden Mitarbeiter zu spüren bekämen. Bahner hat schon einige Führungsseminare besucht. Am Pferde-Seminar gefällt ihr der praktische Bezug. Man spüre sofort, „was Sache ist“.

          Was Manager und Reiter eint

          Die Wirtschaftsjunioren, von denen die wenigsten bisher auf einem Pferd gesessen hatten, haben im Laufe des Nachmittags die vier Trainingspferde etwas kennengelernt. Sie beobachteten die Tiere auf der Koppel, putzten sie und führten sie an einem Strick auf der Koppel und in der Reithalle. Dabei lernten sie, dass sie mit Druck und Gewalt nichts erreichen können und dass Pferd und Mensch aufeinander angewiesen sind.

          Däfler, der sein Seminar „Sattelfeste Manager“ erst seit diesem Jahr anbietet, ist davon überzeugt, dass ein Reitstall eine „hervorragend geeignete“ Schule für das Berufsleben ist. Manager wie Reiter müssten gleichermaßen klare Ansagen machen, unmissverständlich kommunizieren und Konfliktsituationen frühzeitig erkennen, wenn sie fest im Sattel bleiben müssen, so Däfler. Er lehrt als Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FOM in Frankfurt, der Fachhochschule für Ökonomie und Management.

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