https://www.faz.net/-gzg-9cnbt

Vintage-Mode : Kleider mit Geschichte

  • -Aktualisiert am

Die Mainzerin Jana Blume hat ihre Leidenschaft für gebrauchte Kleidung zum Beruf gemacht. Bild: Michael Kretzer

Vintage-Mode liebt die Mainzerin Jana Blume, seit sie ein Kind war und mit ihrer Mutter über den Flohmarkt streifte. Dass sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte, liegt an einer Erfahrung in England.

          4 Min.

          Sie sitzt auf dem Boden und schreibt mit einem dicken, schwarzen Filzstift ihren Namen auf braune Einkaufstüten aus Papier. Dahinter malt sie mit Schwung eine große Blume. Jana Blume – so heißt ihr Laden und so nennt sie sich. „Mein Künstlername ist Jana Blume, weil ich mich als Kind schon so genannt habe“, erklärt die Achtunddreißigjährige. Schon damals malte sie stets eine Blüte hinter ihren Vornamen.

          Seit 2013 betreibt Blume eine Modeboutique in der Mainzer Altstadt. Dort verkauft die gebürtige Berlinerin ausgewählte Vintage-Klamotten. Vergangenes Jahr eröffnete sie ein zweites Geschäft in der Neustadt. Dort ist auch alles secondhand, aber eben nicht vintage. Denn vintage ist nur, was älter als 20 Jahre ist. Die Diplom-Pädagogin gab ihren sicheren Job bei der Agentur für Arbeit auf, um sich ganz ihrer Leidenschaft zu widmen: der Vintage-Mode. Die liebt sie nicht nur, sie lebt sie – schon seit ihrer Kindheit.

          Die ersten zehn Lebensjahre verbringt Blume in Ost-Berlin. Sie wächst in einer großen Wohnung in Berlin-Marzahn auf. „Das war echt Luxus“, sagt sie. Heute habe Marzahn einen schlechten Ruf, aber damals sei es ein „Schickimicki-Viertel“ gewesen. Sie erinnert sich gerne zurück: „Meine Kindheit bestand daraus, Spaß zu haben.“

          Als sie zehn Jahre alt ist, fällt die Mauer. Schon am 11. November 1989 kehren sie und ihre Mutter der alten Heimat den Rücken und gehen in den Westen. „Meine Mutter hat sich schon sehr lange eingeengt gefühlt in der DDR“, erzählt Blume. Weil sie nicht wissen, ob die Mauer wieder geschlossen wird, machen sie innerhalb von zwei Tagen rüber. Verabschieden können sie sich von niemandem.

          Flanieren durch die Flohmärkte von Berlin-Neukölln

          Die beiden ziehen nach Berlin-Neukölln, wo sie jeden Sonntag über Flohmärkte flanieren. Es geht dabei nicht nur darum, günstig Klamotten zu kaufen, sondern auch darum bei Caro-Kaffee und Kuchen die gemeinsame Zeit zu genießen. „Das war mein Highlight der Woche“, erinnert sich Blume. Schon damals träumen Mutter und Tochter davon, einen Secondhand-Laden in Berlin zu eröffnen. Statt einem hippen Berliner Szeneviertel wird es die urige Mainzer Altstadt.

          Obwohl ihre Mutter weiterhin in der Hauptstadt wohnt, ist sie Teil der beiden Läden: Sie kauft in Berlin Kleider ein und schickt sie nach Mainz. Wenn die Tochter ein von der Mutter ausgewähltes Kleidungsstück verkauft, sendet sie ihr ein Bild der zufriedenen Kundin. „Das Ding ist ohne meine Mutter nicht möglich“, sagt Blume. „In beruflicher Hinsicht ist sie meine Inspiration.“ Ihre Mutter beherrsche es, aus den kleinsten Dingen etwas Großes zu machen. „Wenn du nur Spaghetti im Haus hast, macht sie dir ein Essen wie aus einem Fünf-SterneRestaurant“, erzählt Blume und lacht. Mit ihrem Sinn dafür, etwas Altes und Gebrauchtes in etwas schönes Neues zu verwandeln, führt sie Blume zu ihrem heutigen Beruf.

          Blumes Liebe zur Vintage-Mode blüht im englischen Brighton gänzlich auf. Müde vom Studieren verbringt sie anderthalb Jahre in der englischen Küstenstadt. Nach dem Vordiplom in Pädagogik ist sie nicht wirklich erfüllt. In diesem Moment schlägt ihre beste Freundin vor, gemeinsam nach Brighton zu gehen. Einen Monat später zieht Blume nach England. „Zufälle beherrschen mein Leben“, sagt sie rückblickend. In Brighton arbeitet sie zunächst in einem Hotel als Reinigungskraft und dann in einem Pub hinter der Bar. In der Zeit dort habe sie viel gelernt: Wäsche waschen, wie man mit Kunden umgeht und was es heißt, als Putzfrau zu arbeiten. „Und dass das ein genauso ehrbarer Job ist wie jeder andere“, fügt Blume hinzu. Sie erlangt nicht nur Lebenserfahrung, sondern lernt in Brighton auch eine ganz andere Vintage-Kultur kennen. Dort sei der Secondhand-Gedanke schon viel weiter als in Deutschland, es sei vollkommen in Ordnung, getragene Kleidung zu kaufen, sagt sie. Am Ende ihres Brighton-Aufenthalts reist Blume mit vier Koffern voller Klamotten zurück – drei mehr als bei der Hinreise.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neue Abstandsregel : Der harte Kampf um jedes Windrad

          Der Protest der Deutschen gegen Windräder wächst, und der Ausbau ist beinahe zum Erliegen gekommen. Kann der Mindestabstand von 1000 Metern für mehr Frieden sorgen – oder wird nun alles noch schwieriger?
          Wer wird Parteivorsitzender? Klara Geywitz, Olaf Scholz, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans vergangene Woche in Berlin

          Wahl der Parteivorsitzenden : Finale bei der SPD

          Jetzt geht es um Alles bei der SPD: Ab diesem Dienstag können die gut 420.000 Parteimitglieder über die neue Parteispitze abstimmen. An der ersten Runde hatten nur gut 50 Prozent teilgenommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.